Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 38 (17.9.1873)
- Date
- 1873-09-17
- Page
- Seite 303 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ל 303 — Welt! Wenn Finkei das erlebt hätt! Wenn Einer ihr das hält sagen können, daß Euer Marjem sein Weib werden wird!" ״Ihr ״Sechus" (Verdienststeht ihm bei", sagte dis stamme Jittel, ״und soll ihm weiter beistehn! Nun aber, Reb Joine, da wir in der Hauptfach einig sind, das heißt unter der Voraussetzung, daß David damit zufrieden sein wird, wollen wir auch von den anderen Sachen ein Wort reden." ״Was fallt Euch ein, Jittel! kein Wort davon! Ihr werdet Eurem Kind kein Unrecht thun!" ״Gut", sagte Jittel, ״aber es ist nicht die Frage hier von Recht oder Unrecht, es ist die Frage, was ich leisten kann. Wie sagt das Sprüchwort? Gedungener Lohn ist gut zu fordern! Ich kann nicht viel Versprechungen machen, das sag ich gleich grad heraus! Aber was ich versprechen thu, das werd ich halten. Mein Wort ist mir heilig!" ״Was redt Ihr da für Narreschkeiten", sagte Reb Joine, ״der reichste Jung in der Gass müßt sich ein Glück daraus machen, wenn Ihr ihm Euer Marjem geben möcht und wenn sie nicht einen Kreuzer von Euch bekommen thät." ״Hört mir zu, Reb Joine, werd ich Euch zeigen, daß das, was ich reven thu, justement keine solche Narreschkeit ist. Wenn mein Marjem-Leben einen reichen Jungen nehmen möcht, so möcht ich ihm sagen: Mein Kind! Geld brauchst du doch keines, ich geb dir meine Tochter und weiter ״poter" aus (Punktum). David aber ist doch ein gemeiner Jung! Ja, es geht ihm gut in sein Geschäftel, Gott gibt ihm Glück und Segen und soll ihm weiter Glück und Segen geben! Aber von deswegen bleibt er doch immer ein gemeiner Jung und kann kein Madel nehmen, welches dasteht ganz mit der leeren Hand; denn Ihr müßt auch nicht vergessen, daß David, wie man heutzutag in der Gaff reden thut, auf eine Partie auch keine Sorg nicht zu haben braucht, und ich kenn Einen in der Gass, der ihm heut gern seine Tochter geben möcht, wenn es auch noch kein Jahr her ist, daß er ihn hat gewollt zum Militär bringen." ״Was redt Ihr da?" fragte Reb Joine Glück, ״Perez Fleischmann möcht Daviden seine Tochter geben?" ״So fürwahr sollt Ihr leben und ich auch, ich red aus kein hohl Faß heraus, ich weiß es bestimmt. Wenn ich also David einsetzen thu, versteht Ihr, als mein Eidam, so will ich deshalb auch Voraussagen, was er von mir zu erwarten hat." Reb Joine blickte die Frau fragend an. Sie aber setzte fort: ״Was guckt Ihr mich so an? Geht Euch das, was ich da von Reb Perezen gesagt Hab, vielleicht im Kopf herum? Wenn das der Fall ist, in Gottes Namen, dann-" ״Gott soll hüten", erwiderte Reb Joine, ohne sie ausreden zu lassen, ״Perezens Tochter paßt nicht für David und David paßt nicht zu ihr! Und Reb Perezen für einen ״Schwäher" (Schwiegervater) zu haben, wird sich ein Jung wie David überlegen! Nicht wenn er ihn einsetzen könnt in ein Fässele Gold!" ״Also", sagte Jittel, ״werd ich Euch sagen, was ich mein Marjemen nachgeben kann. Baar Geld kann ich keines hergeben! Zweihundert Gulden ist Alles in Allem, was ich im Kasten liegen Hab, und ich kann mich selber nicht ganz von Geld entblößen! Mehr als wie die Hälfte davon kann ich nicht hergeben! Aber ich geb ihr das Häusel, das ich Hab, nur mit der Bedingung, daß ich drin mein Wohnung haben muß bis über hundert Jahr. Das Häusel geb ich ihm, und laß es ihm protokolliren im Amt, so erspart er zweimal im Jahr Quartiergeld zu zahlen und weiß, das Stückel Plätzel, wo er sitzt, ist sein Eigenthum, da hat ihm Keiner nichts zu befehlen. Ausstattung aber, das muß ich Euch sagen, hat mein Marjem, wie wenn sie wäre eine Prinzessin; sie hat schon Alles im Kasten fertig liegen, vom Kleinsten bis zum Größten. Sie ist Nächte genug aufgesessen und hat daran gearbeitet. Warum? Sie hat sich Alles allein gemacht. Nicht ein stemder Nadelstich ist drinnen. Also das ist es, was ich noch Zu sagen gehabt Hab, und wenn David-Leben will und es die Bestimmung Gottes ist, mein ich, können wir auf Cholhamosd (Halbfeiertage) zu Gesund das ״Tnomschreiben" (die Verlobung) machen!" Wer war glücklicher als David, nachdem ihm sein Wohlthäter Reb Joine mitgetheilt, was sich da ereignet hatte, welch ein Antrag ihm da in Betreff seiner von der Mutter der schönen Marjem gemacht worden sei. Er, David Finkels, der arme Junge, der das schöne Mädchen da drüben von jeher als eine ihm unnahbare Erscheinung betrachtet hatte, er sollte die schöne Marjem nun zum Weibe bekommen, er brauchte nur — Ja — zu sagen. Dieses Ja! wer sollte daran zweifeln? Und doch, und doch sprach er dieses Wort nicht ohne vorhergegangene Prüfung aus. Nicht als ob er geprüft hätte, nein! er wurde geprüft. Die Versuchung hatte sich frech genug zwischen ihn und sein Glück zu drängen gewußt, sie trat ihm entgegen in der Gestalt des ״Schadchens" (Ehevermittlers), der von Reb Perez Fleischmann an ihn abgesendet worden war. Die fromme Jittel hatte Recht gehabt, sie sprach aus keinem hohlen Faß heraus. (Fortsetzung folgt.)