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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-17 · 38 (17.9.1873) · p. Seite 301

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
38 (17.9.1873)
Date
1873-09-17
Page
Seite 301 (sequence 5)
Language
German
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301 u 1 eine eigene Sache. Hr. Blumenau aus Bielefeld überbrachte uns z. B. auf seiner Rückreise von Berlin persönlich den Bericht über seine Audienz beim Minister vr. Falk. Gleichzeitig ging dieser Bericht an die A. Z. d. I. Die politischen Zeitungen bemächtigten sich dieses Stoffes in der ״säuern Gurkenzeit" und das Franks. Journal hat z. B. in sechs verschiedenen Nummern Auszüge gebracht, die es anderen politischen Blättern entnommen. Der ersten Quelle wurde natürlich nirgends gedacht! — Die jüdischen Blätter druckten dreseAuszüge nach, ebenfalls ohne der ersten Quellen zu gedenken; und sie wußten diese doch! Die Z. d. I. nimmt schließlich das Original in ihrer jüngsten Nummer für sich allein in Anspruch. Daß die jüdischen Blätter sämmtlich von jeher mit scheelen Blicken, welchen sie den Ausdruck der Verachtung so gerne beimischen, auf unsere literarischen Unternehmungen schauen, beftemdet uns nicht. Wie kann ein einfacher Lehrer es wagen, sich unter die ״Götter des hohen Olymps" zu mischen? Frechheit solches Unterfangen! Aber das Publikum hat zu unseren Gunsten entschieden. Redaction der ״Jüd. Volkszeitung.") .Rumlfcfiau. 152. London, 13. August. Der neue Master of the Rolls, George Jessel, ist der erste jüdische Richter in England. Sir George wurde geboren im Jahre. 1824, studirte und graduirte mit glänzendem Erfolge an der Londoner Universität, und wurde 1847 zum höheren Advocatenstande zugelassen. Erst im Jahre 1868 wurde er von Dover im Interesse der Liberalen ins Parlament geschickt, und im November 1871 folgte er dem jetzigen Attorneygeneral, Sir John Coleridge, als Solicitorgeneral. 153. Cincinnati.*) Die am 8., 9. und 10. Juli in Cincinnati stattgehabte Gemeinde-Convention ist als ein Sieg für das Judenthum, ein Triumph des Fortschrittes, eine gewonnene Schlacht im Kampfe um die Zukunft zu bezeichnen. Wir haben an dem Erfolge nicht gezweifelt, weil das vereinigte Cincinnati nicht Fiasko machen kann; einen solchen Triumph haben wir doch nicht erwartet — es ist noch immer wahr, Israel ist nicht verwittwet! Nun wollen wir die Haupt- oder Grundgesetze des Bundes citiren. Aufgabe des Union of American Hebrew Congregations ist: 1) Die Erhaltung und Hebung des Judenthums, Unterstützung der Religionsschulen, Unterstützung schwächerer Gemeinden, Gründung einer jüdischen Hochschule, Gründung *) Die betreffenden Nummern des ״Jsraelite" und der ״Deborah" sind uns auffälliger und bedauerlicher Weise theilweise verspätet, theiliveise gar nicht zugekommen. Redaction. anderer das Judenthum hebender Institutionen und die Verwaltung derselben. 2) Jede gesetzlich organisirte Gemeinde in den Vereinigten Staaten kann der Union beitreten durch Erfüllung der Pflichten, in den jährlichen Versammlungen vertreten zu sein und für jedes ihrer Mitglieder jährlich einen Dollar beizutragen. 3) Bleiben diese Pflichten zwei Jahre lang unerfüllt, so ist die Gemeinde von der Union fuspendirt, kann aber unter Erfüllung gewisser Bedingnisse wieder ausgenommen werden. 4) Der Repräsentativkörper der Union heißt ״das Coneil" und besteht aus den gewählten Repräsentanten der Gemeinden. Jede Gemeinde aus 25 Mitgliedern hat das Recht, einen Repräsentanten zu wählen; für je 25 mehr wird noch ein Repräsentant entsendet. 5) Das Concil versammelt sich alljährlich im Juli, erledigt alle Geschäfte, erläßt Anordnungen, erwählt Beamte und ernennt alle Commissionen zur Ausführung seiner Beschlüsse; es ist die höchste Behörde der Union, ohne jedoch in die inneren Angelegenheiten der Gemeinden als solche einzugreifen; es wählt zehn Mitglieder zur Verwaltung des Vermögens und der Anstalten der Union. 6) Die erste Aufgabe dieses Executivkörpers ist die Gründung einer Hochschule, sobald sich 60,000 Dollars in der Casse besinden. Was aber dem Gemeindebunde eine sichere und unangefochtene Existenz verleihet, ist, daß der Gemeindebund alles Rituelle grundsätzlich ausschließt, so daß in Amerika, wo fast jede einzelne Gemeinde eine Eigenthümlichkeit im Ritus aufzuweisen hat, dieselbe doch ohne Zwang an dem gemeinschaftlichen und gemeinnützigen Werke theilnehmen kann. 154. Amerika. ״Deborah" schreibt unter der Ueberschrift ״Professor R. Peck": Der vor einiger Zeit in Cleveland zum Judenthume zurückgekehrte Herr Prof. R. Peck schreibt aus Rochester, N. Z)., unter Anderem: Vor einigen Jahren trat ich von meinein jugendlichen Fanatismus geleitet im Alter von 21 Jahren zum Christenthume in Berlin, durch einen gewissen Professor Paulus Cassel (Bruder von Dr. David Cassel) über. Meine materiellen Verhältnisse waren nicht sehr reich, jedoch mittelmäßig. Ich studirte nicht Theologie, sondern widmete mich dem Jurifache. Durch meinen Uebertritt verlor das Judenthum nichts, denn ich war nicht bekannt unter denen. Ich habe mein Lebtag nie Jemand um eine Gabe angesprochen, auch nicht als Christ; meine Beschäftigung war Lehrer in Sprachen. Als Christ trat ich nie gegen das Judenthum, noch für das Christenthum auf, ich ging meinen Gang in der Hoffnung, daß der Messias mein Engel sei. Es gibt in der That in der Judenmission ganz erbärmliche Subjecte, jedoch, es muß die Regel Nulla. 't V

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