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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-10 · 37 (10.9.1873) · p. Seite 292

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
37 (10.9.1873)
Date
1873-09-10
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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292 Tag für die Einweihung dieses Denkmals gewählt werden, als der 6. August, der Jahrestag, an dem vor drei Jahren unsere für die heilige Sache der Vaterlands-Vertheidigung begeisterte Armee ihre glorreiche Thätigkeit bei Wörth begann. Das Grab, auf welches das mit den Namen der Gefallenen, entsprechender Inschrift und Emblemen durch unseren Bildhauer Wagner künstlerisch schön ausgeführte Denkmal aufgesetzt ist, umschließt die irdischen Ueberreste zweier Krieger eines Religionsbekenntnisses, die der Tod vereinte, während sie sich im Leben bekämpfen mußten. Mit Veröffentlichung der warm und patriotisch geholtenen Einweihungsrede ersetzen wir wohl am trefflichsten all' Das, was weiter über diese Feier zu sagen und fügen nur noch bei, daß alle Ehre auch der hiesigen israelitischen Gemeinde gebührt, die keine Mühe und keine Opfer scheute, auch das Ihrige zu thun, um ihren Glaubensgenossen, die ihr Herzblut mit gleichem Heldenmuthe geopfert auf dem Altar ihres Vaterlandes, ebenfalls ein sichtbares Denkmal zu setzen und dadurch dem bleibenden Andenken der Nachweit zu überliefern. Die Einweihungsrede war folgenden Inhalts: Verehrte Versammlung! Seid mir gegrüßt an dieser Friedensstätte! Hier ruhen sie friedlich in ihren Kammern, die gewandelt in der Rechtschaffenheit; hier schweigt der Hader der irdischen Leidenschaften, hier verstummt das Gezänke menschlicher Thorheiten und hier schlafen brüderlich in einem Bette, die im Leben sich bekriegt hatten: und sollte der Frieden, der in diesen Mauern herrscht, nicht seine beseligende Weihe in unsere Herzen und unsere Gemüther ergießen? — Sollten wir nicht aufblicken zum Gott des Friedens, der unser Aller Vater ist, der uns Alle geschaffen? Wir sind hier versammelt, um ein Denkmal zu weihen, das die Bruderliebe errichtet, den Söhnen eines Glaubens, wenn auch nicht den Kindern eines Volkes und einer Nation. Welchen passenderen Tag könnten wir hiezu wählen, als den heutigen, welcher uns so lebhaft an den großen bei Wörth erfochtenen Sieg unserer deutschen Truppen erinnert! Betrachten wir die Inschrift dieses steinernen Denkmals, in welches mit Lapidarschrift der Griffel der Geschichte für die Nachwelt eingegraben hat Worte der ehrenden und rühmenden Erinnerung! Hier ruhen: Heinrich Heydemann von Großblumberg, Reg.-Bezirk Frankfurt a. O-, Gefreiter im 48. Jnf.-Reg., gestorben den 24. Oktober 1870. Isidor Michel von Freisdorf, Dep. Lothringen, Kanonier im 17. ftanz. Artillerie-Reg., gest. d. 6. Dec. 1870. Männer des Heeres, Helden des Krieges, Feinde im Leben, im Tode vereint. Es mögen eingesammelt werden ihre Seelen in den Kreis der Unsterblichen, und ihr Leib werde zum neuen Leben erweckt zur Zeit der Auferstehung aller Todten. Diese Grabsteine sprechen beredter als eine Predigt; die Thatsachen und geschichtlichen Ereignisse reden lauter und eindringlicher, als eine Menschenzunge. Diese Grabhügel rufen: ״Es rühme sich nicht, der das Schwert zieht, sondern der, welcher siegend nach Hause kommt." Ist auch unser Bruder Heydemann nicht in seine Familie zurückgekehrt, er fand doch als Sieger in seinem Vaterlands treue und milde Herzen, die für ihn schlugen, gütige Hände, die ihn pflegten, mitfühlende Glaubensgenossen, die für ihn und mit ihm beteten und ihm ein Denkmal der Liebe und Anerkennung widmeten. Dessen ist Zeuge diese Grabstätte und der Denkstein. Aber es zeugen auch diese Grabstätten und diese Denksteine, was die Liebe für's Vaterland, ein Herz für sein Volk, die Treue für den Fürsten zu leisten vermögen. Als der Feind ruhmrednerisch das Schwert zog zu einem Spaziergang in die deutschen Gauen, in die deutschen Städte; als die wilden Horden der Sandwüste über Meere geschifft wurden, um über die Grenzmarken des deutschen Vaterlandes herzufallen und sengend und äschernd das Heim stiller Familien zu zerstören, sittige Frauen zu schrecken und die Mord- und Brandfackel zu schwingen: da hat der oberste deutsche Kriegs- Herr, der greise Held, unser nunmehriger Kaiser Wilhelm, sein Volk in Waffen gerufen, und unser König Karl hat in ächter deutscher Bundestreue Waffenbrüderschaft geleistet, wie auch die übrigen deutschen Fürsten und Völker seinem Rufe Folge geleistet haben. Der greise Held führte seine Kriegsschaaren rasch über die deutschen Grenzmarken ins Feindesland und hat sie niedergeworfen die kriegskundigen und waffengeübten Schaaren, die wilden Horden und die beutelustigen Söldner. Und unser Heydemann, er hatte erst ein eigenes Heimwesen gegründet, ein theures Weib gefreit, die süße Hoffnung winkte ihm, von der geliebten Lebensgenossin mit dem gesegneten Pfände ehelicher Vereinigung beglückt zu werden, und dennoch folgte er dem Rufe seines Königs, in den heiligen Krieg, für Gott, König und Vaterland. Als ״der Trompeter von Gravelotte" die Kriegsfanfaren schmetterte, da kämpfte er in der blutigen Schlacht, siegend j verließ er das Schlachtfeld, aber blutend aus vier Wunden, eine Kugel war in seine muthige Brust gedrungen; aber der Glaube, die Liebe und die Hoffnung waren nicht von ihm gewichen! Die rettende Menschenliebe hat ihn aus dem Schlachtfelde getragen und hierher gebracht, wo er der Gegenstand unserer Achtung, unserer Liebe und unserer Sorgfalt wurde.

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