Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 36 (3.9.1873)
- Date
- 1873-09-03
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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286 *t' i! V (nach langer und erschöpfender Discussion) einer ״Commission zur Vorberathung für die nächste Generalversammlung" übermiesen; Punkt 3 dagegen ward sofort angenommen. (Siehe ״Bildungs-Verein" 14 und 15). In Folgendem erlaube ich mir, der Hauptsache nach, das miedcrzugeben, womit der Pmrkt 1 meines Antrages durch mich begründet morden. L. Weyl in Frankfurt a. O. (Hr. Weyl, israelitischer Lehrer, war Delegirter des bezüglichen Ortsvereins bei dieser Versammlung. Wir werdenI seine Motivirung des obigen Antrags .im nächsten ״Israel.! Lehrer bringen. Redaction.) z Kunäfcöau. 144. London 7. Aug. In Alexandrien starb Emanuel Deutsch, Bibliothekar im britischen Museum zu London, der vor einigen Jahren die vorzügliche Schrift über den Talmud geschrieben hat, welche so großes und gerechtes Aussehen auch in der nichtjüdischen Welt erregte. Deutsch wird fortleben im Andenken derjenigen, die die Wissenschaft zu schätzen wissen. — Sir David Salomons starb am 16. Juli im Alter von 75 Jahren. Er war der erste Jude, der ins englische Parlament gewählt worden war. (Jetzt sitzen im Unter- Hause 8 Juden.) Im Jahre 1855—1856 war er Lordmayor! der City von London, nachdem er vorher die Würden eines Sheriffs und Aldermans bekleidet hatte. Als Lordmayor erhielt er den Titel als Baronet, der auf seinen Sohn Sir Lionel Salomons übergeht. Englands Juden verlieren in. ihm einen ihrer edelsten und rührigsten Männer, der noch mitten in dem Jahre langen Kampfe für Gleichberechtigung der Juden, d. h. für Wegräumung des Parlamentseides u. dgl. stand. Salomons war von ganzem Herzen Jude — er gehörte der Reformgenossenschaft in London an. Ehre seinem Andenken! 145. Cincinnati. Letzten Samstag starb in Boston D1\ Aaron Günzburg aus Prag, Rabbiner in Libochowitz in Böhmen, dann in Baltimore, Rochester und Boston. Günzbürg war ein ausgezeichneter Mensch und ein namhafter Gelehrter, von Allen geachtet, die ihn gekannt, von Allen geliebt, die sich seines näheren Umganges erfreuten. Durch seine langjährige Thätigkeit im Amte und durch seine Arbeiten im ״Jsraelite" ist der Dahingeschiedene unseren Lesern hinlänglich bekannt, wir wollen also nur mit der Familie eine Thräne vergießen, und ihr zurufen: Gott, der da ist der Vater der Waisen und der Richter der Wittwen, hat ihn abgerufen, den geliebten Vater und Gatten, und wir können nur demuthsvoll uns beugen und eingestehen: ״Was Gott thut, ist wohlgethan." (״Deborah".) 146. Lemberg. Zwei der römisch-katholischen Religion angehörige junge Leute wendeten sich schriftlich vor circa zwei Wochen an den hiesigen Prediger Hrn. Rabbiner Löwenstein, damit dieser sie in den Verband des Judenthums aufnehme. Rabbiner Löwenstein legte die beiden Briefe all acta, in der Meinung, daß durch die Nichtbeantwortung derselben der eine oder andere seine Gesinnung ändern und von seinem Vorhaben abstehen werde. Denn bekanntlich ist die Proselytenmacherei dem Judenthum ganz fern, ja sogar untersagt. Doch die beiden Männer, die, nach ihren Briefen zu schließen, der gebildeten Claffe angehören, lassen sich nicht einschüchtern, sondern drängen förmlich auf Antwort und möchten durchaus ihren Wunsch realisirt sehen. Dieses hält aber den Rabbiner Löwenstein nicht ab, auch jetzt noch die Aufnahme ins Judenthum aufzuschieben. Also handelt ein Vertreter des Judenthums, während die Priester der ״Religion der Liebe" die Klöster als Asyle entführten jungen Mädchen gewähren, um sie daselbst gegen den Willen der Eltern und Vormünder zum Christenthum zu bekehren. Ja die Schwestern des Benediktinerordens verweigerten am 11. d. M., trotz einem Schreiben des Erzbischofs, der Mutter und Schwester eines sechszehnjährigen Mädchens, Namens Anna P. aus Skole (bei Stryj), eine Unterredung mit ihrer Tochter, resp. Schwester unter allerhand nichtigen Vorwänden. So werden im Namen ״der Religion der Liebe" die natürlichen Bande zwischen Eltern und Kindern zerrissen und die Fackel der Zwietracht in die engsten Familienkreise geworfen. (״Lemberger Jsraelite".) 147. Dem Jahresbericht des v. Rothschild'schen Hospitals in Jerusalem entnehmen wir folgende Data: An 9122 Kranke wurden theils im Hause, theils in ihrer Wohnung Medicamente verabreicht und ärztliche Beihülfe gratis geleistet. Im Hospital selbst wurden 424 Kranke behandelt, worunter 368 geheilt entlassen wurden. Die Ziffer der Gestorbenen, 4, erreichte nicht ganz 1 °/0 der aufgenommenen Kranken, ein Verhältniß, so günstig, wie es von keiner anderen Anstalt je erreicht worden ist. Wechselfieber und sodann die Ruhr sind die in Jerusalem häufigst vorkommenden Krankheiten. 125 Kranke waren über 60 und 5 zwischen 80 und 90 Jahren alt. Die orientalische Unreinlichkeit und die Entbehrungen der Armuth hindern also die Langlebigkeit doch nicht. Unter den Aufgenommenen fanden sich verhältnißmäßig viele Handwerker: 13 Schuhmacher, 10 Blechschmiede, 6 Goldarbeiter, 5 Schneider, 4 Bäcker, 4 Weber, 4 Lehrer, 3 Schreiner u. s. w. — Selbst in Jerusalem kann man also nicht mehr ganz vom Bettel leben! 148. Ein Israelit, Vittorio Rava, Ingenieur in Bologna, bemüht sich, das Institut der Fröbel'schen Kindergärten in seiner Heimath einzuführen.!