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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-03 · 36 (3.9.1873) · p. Seite 284

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
36 (3.9.1873)
Date
1873-09-03
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
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284 ist, sowie auf das Unrecht der השגת גבול, welche dadurch hervorgerufen wird, bemerken wir Folgendes: 1) Die Absendung von Sendboten nach nichtsefardischen Muttergemeinden ist an und für sich rechtswidrig, da es laut Uebereinkunft schon seit einer Reihe von Jahren jeder Gemeinde im heiligen Lande statutengemäß untersagt ist, nach Holland und Deutschland, gleichviel für welche Zwecke, zu senden, welcher Einrichtung sich das über palästinische Angelegenheit schon sehr lange genau organisirte Ungam angeschlossen hat. 2) Eine Sammlung, speciell für den Bau portugiestscher Armenrc. -Wohnungen ist aber um so unberechtigter, als die portugiesische Gemeinde einen Antheil an den in Deutschland, Holland und Oesterreich gesammelten Gaben bereits erbauten Armen- und Pilgerwohnungen haben, wir bei der in Nissan dieses Jahres für die Dauer von drei Jahren stattgehabten Verth eilung von zwanzig Wohnungen, drei derselben an Sephardim zugetheilt wurden. Wir bitten daher unsere Brüder und Schwestern, ihre edlen Gaben für den Bau von Armen- und Pilgerwohnungen nicht zu Zersplittern und dadurch die ganze Sache empfindlich zu schwächen, vielmehr dieselben wie bisher zu concentriren, und oft zu gedenken des עשר בשביל שתתעשר. Amsterdam und Berlin, im Tamus 5633. Das Central-Comite für den Bau der Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem. Akiba Lehren. Dr. I. Hildesheimer. Gust. Hirsch." ״Hamburg, 24. Juli. Mehrere jüdische Blätter (,,Jüd. Pr.", ״Israelit", Nr. 46 der Zeitschrift ״Halebanon", Hebr. Ausgabe des ״Israelit") enthalten einen von den Herren Akiba Lehren, Hildesheimer und G. Hirsch Unterzeichneten Bericht, betreffend die Pilgerhäuser in Jerusalem. Sie theilen darin mit, daß es ihnen gelungen sei, zur Wahrung der Interessen der Juden in Ungarn, Böhmen und Mähren als Nachfolger des Dr. Hildesheimer den Rabbiner in Ungvar, CH. I. Mannheimer, zu bestellen. An diese Mittheilung knüpfen sie einen Protest dagegen, daß von Seiten der Jerusalemischen Juden spanischer Herkunft (gewöhnlich Spaniolen genannt) durch deren Chacham Baschi, Abraham Aschkenasi, die Absicht ausgesprochen worden, die Mildthätigkeit der europäischen Juden zur Errichtung von ähnlichen Häusern für arme Wittwen, zu Unterrichtsstätten für verwaiste Kinder, zur Aufnahme armer Pilger in Anspruch zu nehmen. Die Herren Lehren, Hildesheimer und Hirsch erblicken in einem solchen Bestreben einen Eingriff in wohlerworbene Rechte (הסגת גבול), da die deutsch-polnische Gemeinde in Jerusalem allein befugt sei, Gaben bei den europäischen Juden einzusammeln. Wir gestehen, daß wir beim Lesen dieses Protestes uns eines niederdrückenden Gefühls nicht erwehren konnten. Es ist bekannt, daß in Jerusalem (mit welcher Stadt wir hier zunächst zu thun haben) verschiedene Gemeindekörper (Kolelim) bestehen, welche nach den Nationalitäten der ihnen zugehörigen oder sich ihnen anschließenden Juden genannt werden. Die Differenzen im Gebetritual und in einigen Gebräuchen untergeordneten Ranges mögen hier unberührt bleiben. Im Allgemeinen und in Anbetracht der unangenehmen Zänkereien und Reibungen unter den einzelnen Gemeinden hätte man den Wunsch aussprechen können, daß es möglich gewesen wäre, die Juden in Jerusalem zu einem Gemeindekörper zu vereinigen. Aber, wenn dies auch vorläufig noch nicht zu erreichen ist, so sollte doch in Mem, was Humanität und Wohlthätigkeit betrifft, kein Unterschied zwischen den einzelnen Nationalitäten bestehen. Wir glauben im Sinne aller derer, welche Pietät und Verehrung für das heilige Land haben, zu sprechen, wenn wir behaupten: was wir für die armen jüdischen Bewohner Palästinas gespendet, haben wir für unsere Glaubensgenossen gespendet, ohne danach zu fragen, ob die Vorfahren der zu Unterstützenden vor Jahrhunderten in Spanien oder in Deutschland oder sonstwo gewohnt haben. Als vor einiger Zeit in der ״Alliance isr. universelle" der Antrag gestellt wurde, dieselbe nach Nationalitäten zu gliedern, erhob sich, und gerade (aber nicht vorzugsweise oder gar ausschließlich — Red.) von der Seite, welche Hr. Dr. Hildesheimer vertrat, ein Schrei des Unwillens. Als Juden, sagte man, sind wir weder Franzosen noch Deutsche, weder Asiaten noch Europäer, sondern eben nur Juden, Söhne Abrahams, Isaaks und Jakobs. Und gerade in der heiligen Stadt, dem Mittelpunkte der ganzen Judenheit, sollte es anders sein, und der obdachlose, arme Wanderer zurückgewiesen werden, weil er einer anderen Nationalität angehört? Gesetzten Falles aber, die drei genannten Herren wären der Ansicht, daß die ihnen bisher zugeflossenen Gaben nach dem Sinne der Geber nur für deutsch-polnische Arme zu verwenden seien; sollen denn aber die Spaniolen nicht das Recht haben, auch ihrerseits um Gaben zu bitten? Zu bitten da, wo sie glauben, mit Erfolg bitten zu können, nämlich in Europa; nicht in Asien und Aftika, dessen jüdische Einwohner selbst der Unterstützung bedürfen, während Amerika, was es leistet, über Europa einsendet? Wir können nicht leugnen, daß es einen peinlichen Eindruck auf uns machte, daß drei Männer, deren Namen in jüdischen Kreisen mit Achtung genannt werden, sich zu Verttetern einer so engherzigen Ansicht machen und es offen aussprechen, die Gaben für die deutschpolnischen Juden könnten geschmälert werden, wenn auch die Spaniolen als Bittende erschienen. Wo ist da das ״dein Bruder soll mit dir leben" geblieben?

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