Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 36 (3.9.1873)
- Date
- 1873-09-03
- Page
- Seite 283 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 283 nur eintägiger Krankheit erfolgten Hinscheiden des Rabbinen, Kirchenrath 1)1׳. Josef von Maier in stnttgart. Diese Nachricht wird bei allen denkenden und fühlenden Juden, welchen die Culturgeschichte des Judenthums in den letzten vier Dezennien nicht unbekannt geblieben ist, die tiefste Theilnahme erregen. Wir behalten uns vor, diesen Gefühlen der Genossen im Streben in einem Nekrologe in einer der nächsten Nummern unserer Zeitschrift den gebührenden Ausdruck zu geben. Jagelkeim. 20. August. (Die palästinensischen Sammlungen.) Wir geben in Nachfolgendem zwei Artikel der ״Jsr. Wochenschrift", der man wohl sicher keine ״Feindschaft" gegen die Armen des hl. Landes vorwerfen wird. Unsere geehrten Leser mögen urtheilen, ob die Agitationen gegen die für uns in Deutschland wie für unsere Brüder im hl. Lande selbst schädlichen Sammlungen berechtigt sind. Sie mögen beurtheilen, ob wir Recht haben, wenn wir sagen: Wir wollen die Alliance isr. universelle unterstützen, wenn sie im Stande ist, die Juden Palästinas erwerbsfähig und arbeitsam zu machen; aber es ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein stehender, vollberechtigter Grundsatz für alle Fälle: Keinen Pfennig für professionelle Faullenzer! Sehen wir hier nun Ungerechtigkeit und widerliche Parteilichkeit mit einem durchlöcherten Bettelsack im Bunde, — wie können wir es wagen, Gelder ohne Maß dahin zu senden, während wir vor unseren Augen tausendfältige Verpflichtungen haben, ernste und heilige Verpflichtungen, wie die Erhaltung von Anstalten für die Bildung unserer Jugend, die Erhaltung ganzer in Noth versunkener Gemeindewesen, für die unser Arm zu kurz ist? Kann es eine heiligere Anforderung geben, als die: Religionsuntericht für unsere Kinder, genügendes Auskommen für unsere Lehrer! Und die ״Frommen" schweigen, obschon sie es wissen, wie es in dieser Beziehung aller Orten aussieht? Die bezeichneten Artikel aus ״Berlin" und ״Hamburg" lauten: Berlin. Wir erhalten vom״Central-Comite für Armen- und Pilger-Wohnungen in Jerusalem" folgende Bekanntmachung: ״Die Unterzeichneten erfüllen hiermit die angenehme Pflicht, den Gönnern und Freunden unseres Unternehmens eine hocherfteuliche Mittheilung zu machen. Seitdem der mitunterzeichnete Dr. Hildesheimer seinen Rabbinatssitz zu Eisenstadt in Ungarn aufgegeben hat, und nach Berlin übergesiedelt ist, bemühte sich das Central-Comite ununterbrochen, die dadurch für Ungarn entstandene Lücke durch entsprechende Wiederbesetzung auszufüllen. Abgesehen nämlich von der Dringlichkeit an sich, daß die Vertretung einer so großen, nach Hunderttausenden zählenden, jüdischen Bevölkerung im Central-Comite stattfinde, machte dies die specifische Organisation dieser Angelegenheit noch viel dringender, ja nothwendig. Bekanntlich nämlich sind fast ausschließlich einerseits unsere Glaubensgenossen in der österreichischungarischen Monarchie, andererseits Holland und Deutschland die Begründer dieses heiligen Institutes der israelitischen Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem, und die Interessenten dafür; weshalb auch reciprok die Vertheilung der Armenwohnungen in Jerusalem mit je einem Drittel den Landsleuten der genannten Gruppen, und nur einem Drittel, und auch dies nur aus purer Humanität, den übrigen Kolelim in Jerusalem zu Gute kommt. Theils nun um des והייתם נקיים willen, theils um die unmittelbare positive Agitation und das Wacherhalten des thätigen Interesses auch in jenen auch hierin so segensreichen Kreisen zu ermöglichen, war es unsere unausgesetzte Sorge, den richtigen Mann zu finden und zur Annahme zu bewegen, der die Autorität und das Vertrauen genießt, durch welche allein ein wesentlich ersprießlicher Erfolg zu hoffen ist. Unseren Bemühungen im Vereine mit denen des ungarisch-böhmisch-mährischen Kolel in Jerusalem ist es Gott fei Dank gelungen, den gelehrten Oberrabbiner in Ungvar, Chasim Zwi Hirsch Mannheimer, zu erbitten, in das Central-Comite einzutreten. Wir wünschen uns und unserer Sache hierzu Glück, insbesondere aber unseren theuren Brüdern in Ungarn, Mähren, Böhmen, und richten an Euch, theure Brüder jener Länder, die innige Bitte, Eure thätige Theilnahme für dieses heilige Institut, zu dessen Begründung und Erweiterung Ihr zu der Zeit, als jenes bisherige Mitglied des Central-Comites in Eurer Mitte weilte, so vieles Wesentliche beigetragen, jetzt wo diese Stellung durch einen Eurer hervorragendsten Vertrauensmänner wiederbesetzt ist, wieder neu zu beleben und durch reiche und häufige Spenden immer mehr würdige Glaubensgenossen in Jerusalem mit der unsäglichen Wohlthat von Freiwohnungen zu beglücken. Nachschrift. Vor Absendung dieser Kundmachung erhalten wir fernere Veranlassung, uns mit einer dringenden Bitte an unsere Brüder und Schwestern zu wenden und fügen diese gleich hinzu. — Im ״Halebanon" (Nr. 44) avisirm nämlich die Leiter der sefardischen Gemeinden in Jerusalem einen Sendboten, den sie im Interesse der von ihnen in Angriff genommenen Bauten von Wittwen-, Waisen-, Armen- und Pilgerwohnungen abgeschickt, und bitten um thätige Betheiligung auch Seitens sämmtlicher europäischen nichtsefardischen Brüder. Im Hinblicke auf die durch diese Concurrenz unserer Sache drohende Gefahr, die abzuwenden unsere heilige Pflicht