Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 35 (27.8.1873)
- Date
- 1873-08-27
- Page
- Seite 278 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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278 stadt ein neues Geschenk von 50,000 Fr. behufs Herstellung I einer Wasserleitung. — Das ״jüdische Herz" schlägt nochj immer warm in allen Theilen der civilisirten Welt. 139. Die ״Arch. isr." enthalten den genauen authentischen Bericht über die Audienz, welche Crsmieux und die Pariser Nabbinen beim Schah von Persien hatten. Das wesentliche Ergebniß dürfte die Versicherung des Letzteren sein, den von der Allianz in Persien zu gründenden Schulen seinen! Schutz angcdeihen lassen zu wollen. Komisch klingt die mehrmals wiederholte Versicherung des Halbwilden: daß alle Nachrichten über den Druck, unter dem die persischen Juden seufzen, erfunden und unwahr seien. Möglich, daß er selbst! davon nichts weiß. ״Sein Großvezier, sagte der Selbstherrscher,! sei ein solch warmer Freund der Juden, daß diese von den! Muselmännern beneidet würden!?" Wäre das wahr, in! welchem Zustand des Drucks und der Rechtslosigkeit müßte! sich selbst die herrschende Classe im Reiche des Schahs befinden! — Der anwesende Großvezier verneigte sich bei diesen Worten seines königlichen Herrn — und lächelte. Der ״Jewish Chronicle" erwartet nur dann eine Besserstellung der persischen Juden, wenn es gelänge, die britische Regierung zu bewegen, zu ihren Gunsten einzutreten. 140. Ein Hr. Moses von Charleston wurde zum Gouverneur von Süd-Carolina ernannt. Es ist dies das erste Mal, daß in den Vereinigten Staaten ein Jude diese hohe Stelle bekleidet. 141. Stuttgart, 13. Aug. Heute wurde die alljährliche freiwillige Conferenz israelitischer Lehrer und Vorsänger in der Liederhalle abgehalten. Sie war auf diesen Tag bestimmt worden, um sich an die am 12. vorangegangene Plenarversammlung des Volksschullehrer-Vereins anzureihen. — Eine Abordnung der Conferenzmitglieder hatte die Ehre, von Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister empfangen zu werden und erhielt die erfreuliche Auskunft, daß die Frage über die Pensionsberechtigung der israelitischen Vorsänger bei den betreffenden hohen Behörden in Behandlung ist. — Eine an die Versammlung vertheilte Liste von außerordentlichen Beiträgen zu dem Verein zur Unterstützung armer israelitischer Lehrerswittwen und Waisen gibt davon Kunde, wie dieser Verein sich sowohl der Munificenz des königlichen Hauses, als der Sympathie vieler Genwinden und Privaten zu erfreuen hat. Ein Vortrag des Vorsitzenden, des pensionirten Oberlehrers Liebmann, behandelte in erschöpfender Weise und anziehender Form die Lehrer- und Vorsänger-Bildung. Hieran schloß sich eine längere Besprechung und Debatte über die Auffindung von Mitteln zur Beseitigung der Hindernisse, die sich der Ertheilung des Religionsunterrichts an solche israelititsche Schüler, welche christliche Lehranstalten besuchen, entgegenstellen. Mit zweistündiger Unterbrechung währten die Verhandlungen von 10 Uhr Vormittags bis gegen 6 Uhr Abends. Obwohl nur 25, etwa die Hälfte sämmtlicher Lehrer und Vorsänger des Landes anwesend waren, so waren doch alle Gegenden des Landes vertreten, und man schied in der freudigen Stimmung, angenehme, das Interesse für das Berufsleben auffrischende Stunden in der Mitte von Cyllegen und Freunden zugebracht zu haben. 142. AusMecklenburg-Schwerin, 14. Aug.,schreibt man der ״Voss. Ztg.": Ein neuer Leichenwagen-Conflict, ähnlich, wie er im vorigen Jahre in Lübz spielte, bereitet fich jetzt in der Stadt Schwaan vor. Dort ward vor einiger Zeit von einem Bürger ein Leichenwagen angeschafft und für Beerdigungen zu einem billigen Preise zur Verfügung gestellt. Vor Kurzem wurde dieser Wagen bei der Bestattung einer jüdischen Frau benutzt. Hiervon nahm der Pastor primarius Müffelmann zu Schwaan Anlaß, den Eigenthümer des Wagens vor sich zu bescheiden und ihm zu eröffnen, daß er, der Pastor, darauf dringen müsse, daß der Leichenwagen künftig nur für christliche Leichen benutzt werde. Das Mittel, welches der Pastor im Hinterhalt hat, um sein Verlangen durchzusetzen, wird wohl dasselbe sein, welches im vorigen Jahre der Präpositus Dabelstein zu Lübz unter dem Beifall des großh. Oberkirchenraths zur Anwendung brachte: die Versagung der : Assistenz bei Beerdigung von Christen, wenn bei derselben ein auch für jüdische Leichen zur Verfügung stehender Leichenwagen benutzt wird. 143. Königsberg, 30. Juli. Die ״Ostpreußische Zeitung" constatirt den Ausbruch der Cholera Hierselbst. Das königl. Polizeipräsidiums hat, um der Weiterverbreitung der Krankheit zu steuern, angeordnet, daß die zahllosen, mittelosen polnischen Israeliten, welche sich hier aufhalten, in ihre Heimath gewiesen werden. 33 polnische Israeliten sind bereits zwangsweise ausgewiesen, während 50 bis jetzt fteiwillig, unterstützt durch das Jsraelitencomite, die Stadt verlassen haben. Feuitketon. David Einhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Zweites Capitek- ״Wenn ein Jeder allweil nur an sich selber denken möcht", sagte Reb Joine Glück, ״dann könnt auf der ganzen Welt niemals etwas Gutes und Wohlthätiges geschehen. Auf drei Sachen ruht die Welt: Auf Thora, auf Gottesdienst und auf Ausübung von Barmherzigkeit." ״Das ist schon ganz recht", erwiderte Reb Perez, ״ich