Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 35 (27.8.1873)
- Date
- 1873-08-27
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus PrzemMk (25. Juli 1873) schreibt man uns: Im Monat Juni l. I. ging Hr. Hilel Margaretner, Frömmler in Kolomea, Verfasser des galizisch-jüdischen, hebräisch betitelten Buches משכיל אל דל wahrscheinlich auf einen'.Geldfang aus und im höchsten Vertrauen auf seine Geschicklichkeit gelangte er bis nach Przemysl und logirte im ״Hotel de l'Europe", wo er in seinem Zimmer auf der Wand das Bild des berühmten Moses Mendelsohn וצל bemerkte. Gleich beim Anblicke desselben ließ ,sich unser Frömmler eine Speculation einfallen, wie er seinen Namen unter seine Helfershelfer die חסידים berühmt machen könne und ihnen die Taschen leere; 6'68t un specfcacle nouveau!! Er ließ nämlich den Wirth (der ein Israelit ist) rufen, den er aufforderte, dieses Bild ihm zum Geschenke zu machen, worin jener mit größter Ehrfurcht einwilligte. ״Schenkt Ihr mirs besam lew (von ganzem Herzen)?" fragte der Rabbi (der diesen Namen sicherlich nicht verdient). ״Ja", lautete die Antwort des Wirthes, worauf der alte Narr das Bild unseres liebevollen Glaubensgenossen, unseres verdienstvollen Wegweisers in der Wissenschaft in kleine Stücke Zerriß und folgende Worte aus seinem frömmelnden Munde fallen ließ::יאבדו כל אויביך די p Ich sah mich gezwungen, den Schänder des משה עבד ד׳ öffentlich zu kennzeichnen. Runä^eüau. 133. Darmstadt, 2. Aug. Man erinnert sich des vielfach besprochenen Proeesses gegen den in Bensheim erscheinenden ״Starkenburger Boten" wegen Herabwürdigung der israelitischeu Religion, der schließlich mit der Verurtheilung des verantwortlichen Redacteurs zu Gefüngnißstrafe in drei Instanzen endete. Jetzt, nach längerem Aufschub, hat der Genannte seine Strafe dahier angetreten. Materiell völlig unverschuldeter Weise, denn die Redaction jenes Blattes geht bekanntlich von ganz anderen Händen und Köpfen aus, als von dem des jetzt Jnhaftirten. In dresem Augenblicke wird dasselbe Blatt wegen Beleidigung der zweiten Kammer, die unser ganz auf der Höhe der Zeit stehendes Schulgesetz mit allen gegen zwei Stimmen angenommen, gerichtlich belangt werden, — wenn die Kammer ihre Zustimmung ertheilt, woran wir jedoch zweifeln. 134. Das Reichskanzlerarmt hat ein Regulativ für die höheren Lehranstalten von Elsaß-Lothringen erlassen. Ueber den Religionsunterricht wird am Schluß des allgemeinen Theils in § 13 bestimmt: ״Die Behandlung des Religions- Unterrichts bleibt an den nicht öffentlichen Lehranstalten deren eigenen: Ermessen überlassen. An den öffentlichen Anstalten ist es gestattet, die Schüler auf Wunsch der Eltern von dem Religionsunterricht zu entbinden, sofern für ausreichenden Ersatz gesorgt ist." 135. Lissa, 7. Aug. Die Angelegenheit des jüdischen: Religionsunterrichts am hiesigen Gymnasium ist nun endlich, und zwar, wie die ״V. Z." erfährt, zu Gunsten der Petenten entschieden worden. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde hatte nämlich bereits unterm 2. Januar d. I. an das k. Provinzial-Schulcollegium das Ersuchen gestellt, daß der jüdische Religionslehrer, Rabbiner Dr. Baeck, den Religionslehrern anderer Confessionen gleichgestellt, insbesondere ihm das Recht der Censur, so wie die Theilnahme an den Lehrerconferenzen zugesprochen, ferner demselben eine entsprechende Remuneration aus der Gymnasialcasse bewilligt werde. Hierauf hat nun das k. Provinzial-Schulcollegium am 5. April erwidert, daß keine Veranlassung sei, in dieser Angelegenheit dem Cultusminister Vortrag zu halten, da derselbe über einen ähnlichen ihm vorliegenden Antrag noch nicht entschieden habe. Der erwähnte Vorstand wandte sich nun deshalb unterm 21. Mai selbst an den Cultusminister, worauf am 10. Juli das Provinzial-Schulcollegium im Aufträge des Ersteren den Gemeindevorstand dahin beschied: daß der jüdische Religionsunterricht am hiesigen Gymnasium dem gestellten Anträge entsprechend eingerichtet, der jüdische Religionslehrer bei Festsrellung der Censuren jüdischer Schüler zugezogen und ihm die Mitunterzeichnung derselben verstattet werden solle. Gleichzeitig wurde der Vorstand aufgefordert, sich vorab noch darüber zu äußern, welche Remuneration dem betreffenden Religionslehrer zu bewilligen sein dürfte. 136. Die auch von uns gebrachte Nachricht: der Cardinal-Erzbischof von Bordeaux habe dem dortigen Rabbiner seine Mitwirkung bei den Sammlungen für den Wiederaufbau der abgebrannten Synagoge angeboten — wird von dem gut unterrichteten ״Figaro" widerrufen, resp. als unwahr bezeichnet. — Nun, wir bitten die Herren Ultramontanen um Verzeihung, daß wir sie eines ״menschlichen Rührens", eines religiösen Mitgefühls, einer Toleranz für fähig hielten, die ihnen, wie unter so vielen Beispielen auch dieses wieder zeigt, so ganz ferne liegt. Man macht ״Sammtpfötchen" nur da, wo nran sich in der Minderheit und in der Unmacht fühlt, im heutigen Frankreich, wo ihr Weizen so schön blüht, haben die Ultramontanen nicht nöthig, ihre wahren Gesinnungen zu verhehlen. 137. In den drei algier'schen Departementen (Algier, Oran, Constantinehaben 29372 eingeborene Juden durch Annahme der französischen Gesetzgebung die Naturalisation erlangt. Eine mächtige, im Augenblicke ans Ruder gelangte Partei möchte sie dieser Wohlthat, der Folge eines Cremieux'- schen Edicts, wieder berauben. 138. Nachdem ein Hr. Weil-Ricard in Besanyon kürzlich 30,000 Fr. zur Errichtung einer nicht von Geistlichen geleiteten Töchterschule geschenkt hat, macht er soeben seiner Vater-