Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 34 (20.8.1873)
- Date
- 1873-08-20
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 nennen, die sich um jene recht eifrig bemüht haben. Aber alles das genügt nicht. Darum richten wir die dringende Bitte an alleWohlgesinnten in beiden Provinzen, wie an alle Freunde der Bildung, der Anstalt, die Vielen Mutteranstalt ist, nicht zu vergessen, und ihr die Mittel zu geben, ohne die auch die edelsten Ziele unerreichbar bleiben. Pietät, die Liebe zur Bildung, machen es zur besondern Pflicht, die Anstalt zu stützen. Wir wollen uns der Hoffnung hingeben, daß unsere Bitte nicht vergebens gestellt ist und daß bei allen sonstigen Verschiedenheiten in Stand, Stellung, Ansicht, doch der eine Wunsch uns alle verbindet und das gemeinsame eifrige Streben uns einigt: die Marks-Haindorf'sche Stiftung zu erhalten und zur segensreichen Blüthe zu bringen." Wir sind im Ganzen mit dem Gesagten natürlich einverstanden. Wenn in anderen Gegenden ein anderes Bestreben sich geltend macht, die Bildung von gemeinsamen Schulen und die Anstellung jüdischer Lehrer an diesen Anstalten, so ״schickt sich eben eines nicht für Alle" und wir wissen recht wohl, daß ״der Main noch lange fließt zum Rhein", bis diese Hoffnung der jüdischen Gemeinden und Lehrer zum Heile beider sich überall verwirklichen wird. Einen Gedanken nur können wir unmöglich zurückhalten und gerade, um uns über diesen Punkt noch genauer zu verlässigen, haben wir uns erst nach weiteren Erkundigungen zur Besprechung der Anstalt veranlaßt gefühlt. Im Berichte werden 6 Schulamts-Aspiranten als ״neu ausgenommen" angeführt. Wir erfahren, daß voraussichtlich im nächsten Semester überhaupt kaum mehr als ein halbes Dutzend Zöglinge im Seminare sein werden. Kann man das im Ernste ein ״Seminar" nen- Nen? Wir wissen, daß Zeit und Umstände der Heranbildung jungen Nachwuchses für den Lehrberuf nicht günstig sind. Die Epidemie des Materialismus, der Schwindel und die Sucht, nur recht schnell reich zu werden, haben in den jüngsten Jahren allüberall die Zahl der Schulamtsaspiranten bedeutend gemindert. Das Seminar zu Münster, dessen eminente Bedeutung wir ja stets am wenigsten verkennen, laborirt jedoch schon seit Jahren an Mißlichkeiten aller Art: Mangel an ausreichenden Mitteln, Directorenwechsel und Mangel an Zöglingen. Es ist rein unmöglich, unter solchen Umständen eine Anstalt auf der Höhe ihrer Aufgabe zu erhalten. Unsere Zeit macht mit vollem Recht große Ansprüche an den Lehrern und der jüdische Lehrer darf gegen seine christlichen Collegen in keinem Falle zurückstehen. Wir wissen nicht, wie es eben in den Seminarien zu Hannover und Kassel aussieht; aber das wissen wir und wir wiederholen nur, was wir früher bei ähnlichen Gelegenheiten ausgesprochen haben: diejenigen Männer, welchen es um die Sache ernst ist, welche nicht zweifelhafte Erfolge in gewohnter Weise der relativen Sicherheit höherer Erfolge vorziehen, werden uns zustimmen, wenn wir behaupten: Nur eine baldige Zusammenlegung dieser Anstalten oder der Anschluß an nichtjüdische Seminarien, muß das Streben der Männer sein, welchen diese Sache in die Hand gelegt ist. Nach unserer pädagogischen Ueberzeugung wird ein Seminar nur dann ersprießliche Wirksamkeit äußern, wenn durch eine entsprechende Anzahl von Seminaristen — mindestens dreißig in drei Cursen sich befinden, es dürften jedoch auch 90—100 sein. Nur so kann Einseitigkeit verhütet werden. Hwidfcftcm. 131. (Die Synagoge zu Bordeaux), eine der grüßten und schönsten in Frankreich, ist ein Raub der Flammen geworden. Arbeiter untersuchten das Gasrohr, welches seit einiger Zeit Gas entwischen ließ. Als sie mit einem angezündeten Streichhölzchen der schadhaften Stelle nahe kamen, entstand eine Entzündung, die sich so rasch verbreitete, daß es unmöglich wurde, dem Feuer Einhalt zu thun. Die heiligen Bücher und Geräthe wurden gerettet, von dem prachtvollen Gebäude aber stehen nur noch die Mauern. Ein Theil des Werthes, 140,000 Fr., ist versichert. Der Cardinalbischof Donnet schickte sofort zum Rabbiner Lsvy, und ließ ihm seine Mitwirkung zusichern, wenn Subscriptionen zum Wiederaufbau unternommen werden sollten. — Was wird Monsieur Veuillot dazu sagen? 132. (Die Generalversammlung der Alliance), welche Ende August diesmal bekanntlich in Wien stattfinden sollte, wird, wegen des Börsen-Krachs, nicht dort abgehalten werden. FeuiUeton. David Cinhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Zweites Eapitek. ״Ja", erwiderte Reb Joine, ״ich Hab etwas einzuwenden. Ich will nichts davon reden, daß David ein armer Jung ist, daß er sich die ganze Woch schinden und plagen muß, nur um das Stückel Brod herauszubringen; auch davon will ich nichts reden, daß ihm leider seine Mutter gestorben ist und daß er einsam und verlassen dasteht in der Welt und keine Annehmer hat. Warum? solche Sachen machen doch auf Dich, Reb Perez, keinen Eindruck. Wenn Du ein bissel Barmherzigkeit hättest mit einem armen Menschen, der dasteht und sich nicht zu helfen weiß, und wenn Du ein bissel mehr Gottesfurcht hättest, möcht ich Dich daran erinnern, daß Du auch