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Jüdische Volkszeitung · 1873-08-20 · 34 (20.8.1873) · p. Seite 268

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
34 (20.8.1873)
Date
1873-08-20
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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268 verlangt, wenn man in den allgemeinen Ruf nach Trennung von Kirche und Staat einstimmt. Wir verlangen mit diesem Rufe eine Stärkung des Staates, dem es nur zum Nachtheil gereicht, wenn seine Interessen mit denen der Kirche identificirt werden. Aber ebenso verlangen wir, daß durch diese Trennung nicht eine zweite Macht im Staate geschaffen werde, sondern daß die Kirche im Rahmen des Staates sich einfüge und daß ihr jede Gelegenheit genommen werde, dem Wohl des Staatsganzen entgegenzuarbeiten. In meinem neuen Werke, welches nächstens die Presse verlassen wird ״Die biblisch-talmudische Glaubenslehre historisch dargestellt", wird eine Abhandlung über Staat und Kirche nach den Lehren des Iudenthums diese Materie eingehend behandeln. Uns dem Monatsbericht der Allianz. 1) (Ackerbauschule.) Das Comits in Neu-Aork hat für die Ackerbauschule in Jaffa 500 Dollars votirt. 2) (Zustand der jüdischen Schulen im Orient.) Der von der Allianz zur Leitung der neu gegründeten Schule nach Adrianopel gesandte Herr Bloch berichtet u. A. in diesem Betreff: ״Die Talmud-Thora-Schule in dieser Stadt zählt 800 Schüler, meist von erbärmlichem Aussehen, dicht gedrängt, auf dem Boden sitzend, darunter 25 Waisen gänzlich nackt vom Kopf bis zu den Füßen; man hat Sammlungen veranstaltet, um ihnen Kleider anzuschaffen" . . . Ein anderer Commiffür der Allianz, Hr. Marx, erklärt die Gründung einer Arbeits- und Handwerksschule in Bagdad als eine unendliche Wohlthat für die dortige jüdische Bevölkerung. Der Central-Ausschuß behält sich Beschlußfassung darüber vor. — Mit unseren Bemerkungen über den letzten Bericht in Hinsicht des Schulplans stimmt ein Correspondent überein, der den Ausschuß auf das Uebermaß von Sprachen aufmerksam macht, die in seinen Schulen gelehrt würden. Man verkennt die Richtigkeit dieser Bemerkungen nicht, hält aber einestheils den Unterricht in mehreren Sprachen für unumgänglich nöthig und beruft sich anderntheils auf die Leichtigkeit, mit welcher der Orientale sich den Gebrauch mehrerer Idiome zu eigen mache. — Ganz wohl, aber was zu viel ist, ist zu viel und: ״Maß halten ist gut". Da schickt wieder ein Engländer 50 Pfund Sterling, damit in der Schule zu Larissa auch noch Englisch gelehrt würde, was dort, wie der Lehrer selbst versichert, ziemlich unnütz wäre. Correspondenz. Ober-Ingellreim, 8. August. Der Artikel der jüdischen Volkszeitung über das Schnorrerthum hat in vielen Kreisen ganz außerordentliches Aufsehen gemacht und ging in die ״Mainzer Ztg." über, die den ersten Theil ganz abdruckte. Wir empfingen diesen Artikel von hochachtbarer Seite; dennoch fühlen wir uns verpflichtet, die Nummern der orthodoxen Zeitschrift uns einmal selbst anzusehen, welche gegen den Gemeindebund agitirten und suchten sie uns zu verschaffen. Um nun unseren Lesern einen kleinen Begriff — wir wissen nicht, sollen wir sagen: von der Kampfesweise oder dem hebr. und deutschen Wissen der Klopffechter der Orthodoxie — zu geben, führen wir weiter unten eine Stelle aus dem Pamphlet L's an. Sie ist so bezeichnend, so instructiv für das ganze Gebahren, so unvergleichlich, daß sich sicher daraus ergibt, daß mit solchen Leuten der Kampf vergeblich ist und daß wir recht thun, sie im Allgemeinen Zu ignoriren, wenn nicht, wie im vorliegenden Falle, die Sache an und für sich Bedeutung hat. Der Redakteur des ״Israelit" in Mainz kämpft gegen die Gefühlswärme, gegen die Aufopferungsfähigkeit und Menschenfreundlichkeit, endlich gegen — die Logik und das richtige Deutsch — sie! — von Männern wie Kohner, vr. Emil Lehmann, vr. Josephthal u.A.m.!! Herr Dr. Lehmann bestreitet z. B. die Anwendbarkeit des Superlaüv von ״baldmöglich"; ״baldmöglichst" ist ihm wider den Din. Die Herren des Ausschusses hätten dem Herrn vr. L. sagen sollen: wir haben uns hier in einem ״sprachrechtlichen" Falle einmal das Vergnügen gemacht, uns strenge nach dem Schulchan-Aruch zu richten, was uns ja in religiösen Dingen nicht immer zusteht, nicht immer möglich ist; מנהג עוקר הלכה: der Gebrauch stößt die — Logik um, regiert die Welt, beherrscht die Orthodoxie — warum sollten wir uns nicht — nach dem Sprachgebrauch richten? Doch, wir kommen zu der oben gekennzeichneten Stelle. Der Ausschuß des Gemeindebunds hatte sich auf Joreh Deah 2563. berufen. Hören wir, was der ״Israelit" hier auskramt. Das Citat von Joreh Deah 256 a beweist nur, daß unser heiliges Schristthum den Gelehrten des Gemeindebundes leider unverständlich ist. Wenn wirklich der Schulchan-Aruch vorschreiben würde, ״nur solche Männer als Armenpfleger einzusetzen, welche die unbedingte Fähigkeit besitzen, sowohl das Maß der Bedürftigkeit der Armen zu erkennen, wie auch die wirklich Bedürftigen von den Betrügern zu unterscheiden" — so hätte es niemals גבאי צדקה gegeben, noch würde es jemals deren geben. In der That sagt der Schulchan-Aruch etwas ganz Anderes. Der betreffende Passus lautet: וצריכים הגבאים שיהי׳ נאמנים וחכמים וידקדקו על העניים שלא יהי׳ רמאים ״Es ist nothwendig, daß die Gabaim vertrauenswürdig (treu, ehrlich) und weise seien und daß sie auf die Armen achten, daß diese nicht Betrüger seien." Es ist also nicht ״die unbedingte Fähigkeit" nothwendig, die wirklich Bedürftigen von den Betrügern zu unter-

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