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Jüdische Volkszeitung · 1873-08-13 · 33 (13.8.1873) · p. Seite 262

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
33 (13.8.1873)
Date
1873-08-13
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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262 Zurücksetzung und Rechtsverkümmerung darum besteht, weil der Zufall der Geburt den Einen als Katholiken, den Andern als Protestanten, den Dritten als Juden rc. heranwachsen und erziehen ließ — mehr ist es ja heut zu Tage in den allermeisten Fällen nicht —, so lange also die Sache besteht, werden wir auch des Wortes nicht ledig werden. Zu Thatsachen: In Frankreich sind dieser Tage wieder ein Unterpräfect und ein Bataillons-Commandant aus der Reihe unserer Glaubensgenossen (I. Frank und E. Cahen) angestellt worden. Die Gerechtigkeit erheischt es von uns, dankend anzuerkennen, daß, so wie Frankreich das erste Land Europas war, welches dem tausendjährigen gegen das Judenthum bestehenden Vorurtheile ofstciell entsagte, dies Land auch heute noch, trotz seiner dermaligen clerikal-legitimistischen Regierung, dem viel gerühmten ״Lande der Schulen und Casernen", dem Lande der ״Intelligenz" noch weit voran geht. Daß es hier einem Juden, gegen den die gesetzlichen Schranken allerdings entsernt sind, facti sch fast unmöglich gemacht ist, zu einer noch so niederen Ofstciersstelle aufzurücken — eine oder die andere Ausnahme bestätigt die Regel — ist bekannt; aber es gehört da auch fast zur Unmöglichkeit für den Israeliten, der alle Vorbedingungen in sich vereinigt, — nur eine Anstellung als Lehrer an einer nicht-jüdischen Anstalt zu erlangen. Wir werden gelegentlich einmal darüber zu berichten haben — Ergötzliches, Spaßhaftes, wenn es für uns, leider! nicht gar so traurig wäre. So wenig man aber in Frankreich, im Volke und in den officiellen Kreisen, mit den nun in Fleisch und Blut gedrungenen Principien der Gleichberechtigung aller Bürger brechen kann und will, so sehr werden wir dort, es scheint mit immer größerer Wuth von der Seite angegriffen, welche den Syllabus und die Encyclika als Schild und Fahne vor sich hertragen und die glorreichen Tage der Inquisition, Wundergläubigkeit und Ketzerverfolgung wieder über die Welt zurückführen möchte. In ihrem, im großen Ganzen doch unfruchtbaren Kampfe gegen die Civilisation, die sich doch fortbewegt, finden sie es am leichtesten und sichersten, die Schuld dieser Fruchtlosigkeit den Juden in die Schuhe zu schieben; so ein paar ״Judenhetzen" wären doch eine gar hübsche Einleitung des Rückschrittes, die wer weiß wie weit führen könnte. Thatsachen? Hier find sie: Ein Nanter Blatt, die ״Hoffnung des Volkes" ereifert sich gegen die Gründung eines Rabbinats zu Nantes und hofft zu der jetzigen Regierung, sie werde das ״ungesetzliche" Decret Thiers' als null und nichtig erklären. — Das Gift, das der berüchtigte Veuillot m ״Univers" gegen die Juden schleudert, ist nicht so unschuldiger Natur: ״Als, erzählt das ultramontane Blatt, ״als Rossini gefragt wurde, warum er zu componiren aufgehört habe", erwiederte er mit Beziehung auf Meyerbeer's und Halövy's Erfolge: ״Ich warte, bis der Juden Sabbath aus ist." Auch Kaiser Franz Joseph scheint auf das Ende des Wiener Sabbaths zu warten; er hat sogar Theil genommen an diesem schändlichen Concert; aber die göttliche Vorsehung scheint beschlossen zu haben, Oesterreich den Händen der Juden auszuliefern, bis sein ganzer Wohlstand dahin ist .... Geld und Wohlstand der bereits an den Bettelstab gebrachten Nation ist ungefähr hunderttausend Juden zur Plünderung preisgegeben . . . Die Wiener Ausstellung hat den Charakter einer Ovation angenommen, welche die österreichischen Juden dem Kaiser Wilhelm und seinen Soldaten zur Verherrlichung ihres Sieges darbringen .... Der Anblick eines jüdischen Höllen-Sabbaths ist höchst lehrreich .... Geht nach Wien, wenn Ihr sehen wollt, was aus einem christlichen Volke wird, das dieser verfluchten Ra^e preisgegeben wird .... Das Elend der Petroleum- Herrschaft ist einErzeugniß der Nationalwirthschaft der Juden; der Atheismus und die Wuth der Petrolisten ist der Er- Ziehung zu verdanken, welche jüdische Politik Europa aufgedrungen hat; die Ausstellung ist die Erfindung und Veranlassung neuester jüdischer Raubsucht." . . . So das fromme Blatt eines Geistlichen der ״Religion des Friedens". Was sagen Sie, was sagen Ihre Leser dazu? Wie weit ist es von solchen Beschuldigungen zu denen, um derentwillen Neid, Aberglauben, Pfaffenthum uns Jahrhunderte lang verfolgt haben? Haben wir nicht die Brunnen vergiftet? nicht Chr'istenblut getrunken? Sind wir nicht auch Schuld an Pest und Cholera und verfehlter Ernte?! Doch — Eure Wuth ist erklärlich: Ihr fühlt es, Eure Tage sind gezählt. Traurig i ist es nur, zu denken, daß das — trotz allen seinen Fehlern — edle und hochherzige französische Volk in unseren Tagen unter den Leitern seines Geschickes Männer zählt, die mit solchen Gift- und Schandmenschen Hand in Hand gehen. 130. (In London) wurden, wie alljährlich, am 15. Juni Collecten für die Spitäler der Stadt in allen Gotteshäusern veranstaltet. Nur die Synagoge hat sich durch ihren bei dieser j Gelegenheit bethätigten Wohlthätigkeitssinn ausgezeichnet. Während die große Paulskirche — die erste Kirche der gesammten Christenheit nach St. Peter in Rom — 450 Pfund Sterling steuerte, schoß man in der Synagoge 1000 Pfund zusammen. (N. d. ״Arch. isr." u. ״Jewish Times".) Aiterari^cües. Ingelheim, den 9. Juli 1873. Für den jüdischen Religionsunterricht liegen uns in diesem Augenblicke drei Schriften vor, wenn wir näinlich unter! Religionsunterricht auch den in der biblischen Geschichte mit-! einbegreifen wollen. Wir freuen uns dieses Zeugnisses einer I regen Thätigkeit auf einem Gebiete, das nur von Männern

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