Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 33 (13.8.1873)
- Date
- 1873-08-13
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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268 bebaut wird, die sich den denkenden Israeliten der Neuzeit zuzählen und sich dabei die ״Wärme der Jugend" erhalten haben. 1) ״ יסודי התורהJesode Hathora", Glaubens- und Pflichtenlehre für israelitische Schulen. Von Dr. S. Herxheimer, Herzog!. Landesrabbiner in Bernburg. 22. Auflage. Leipzig, Druck und Verlag der Roßberger'schen Buchhandlung 1873. Der Fall, daß eine jüdische Schulschrift in 22. Auflage erscheint, steht hier wohl einzig da und das Buch bedarf deshalb unserer Empfehlung nicht. Es ist überall bekannt und verbreitet. Bekanntlich hat der Abgeordnete Dr. Pauer es auch im preußischen Abgeordnetenhause erwähnt, indem er sagte: Dieses Religionsbuch enthält eine einfache und klar ausgeführte Glaubenslehre, der zweite, größere Theil eine sehr speciell eingehende Sittenlehre. Vom allgemeinen Gesichtspunkte ist meine Meinung die, daß die Honorirung des Religions- Unterrichts nach diesem Leitfaden der königl. Staatsregierung keine Unehre bringen würde, so wenig Unehre, als daß es ihr bringt, wenn sie den Religionsunterricht der evangelischen und katholischen Confession honorirt" — 2) Biblische Erzählungen für die israelitische Jugend. Bearbeitet von Dr. Jacob Auerbach. 1. Bändchen. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1873. Der geehrte Herausgeber der ״kleinen Schul- und Hausbibel" tritt hier mit einem Schriftchen hervor, das" wohl für jugendlichere Schüler als Vorbereitung zu jenem größeren Werke zu dienen bestimmt ist. Es ist die einfache und erhabene Sprache der Bibel, die uns hier entgegentritt, doch rein und edel und echt deutsch. So mit den Worten der Bibel und " doch schön zu sprechen, daß unsere Kinder es verstehen und nichts Gezwungenes, nichts Fremdartiges darin finden; daß sie sich damit freuen können, ist nicht Jedermanns Sache. In vielen unserer biblischen Geschichtsbücher hat die Sprache keine Spur von dem, was wir die Sprache der Bibel nennen — es ist nur der Faden der Erzählung, der sich trocken und eintönig und darum fremdartig fortspinnt; in anderen soll die Sprache der Bibel erhalten werden und wird — ein Kauderwälsch, die Worte deutsch, die Satzbildung hebräisch. Der Herausgeber dieser Erzählungen hat diese Gegensätze überwunden, diese Klippen glücklich umschifft, wie dies in keiner der uns bekannten ähnlichen Schriften gelungen ist und hat damit sein früheres, bewährtes Werk gleichsam für die erste Jugendzeit umgearbeitet, vollendet. Das vorliegende Bändchen reicht bis zu Ruth. Möge das zweite bald folgen! 3) Israelitische Schulbibel, den gesammten Lese-, Lern- und Lehrstoff des jüdischen Religionsunterrichts umfassend. Von Dr. Julius Popper. 2. wesentlich vermehrte und überarbertete Auflage. (Dessau, Verlag von Albert Reißner.) Sehr reichhaltig, aber nicht im gleichen Grade, wie das oben erwähnte Schriftchen, die Klippe der Schriftsprache umschiffend. Wir glauben, daß eine fast wörtliche, zuweilen sogar buchstäbliche Uebersetzung nicht nöthig war, um die Schüler in den Inhalt der Bibel einzuführen und ihr den Charakter ihrer Sprache nahe zu bringen. Wenn der Herr Verfasser z. B. alle einzelnen Abschnitte des ersten Capitels der Thora, der Weltschöpfung, mit ״Und" Gott sprach anfangen Zu müssen glaubt, so wirkr eine so außergewöhnliche Satzbildung, die nicht einmal der richtigen Uebersetzung des hebräischen Wortes entspricht, sehr störend für die Kinder. Oder wenn es S. 24, am Anfang der Geschichte des Unterganges von Sodom und Gommorah*) heißt: ״Und es kamen die beiden Engel nach Sodom, am Abend, und Lot saß gerade unter dem Thore der Stadt", so wissen wir nicht, warum dies religiös(?) bildender und der Bibelsprache angemessener sein soll, als etwa: Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom; Lot saß rc. Oder: S.57 ״Den wird seinVolk noch richten, wenn auch vielleicht zu Grunde, (wo steht das? in der Thora?) so gut wie einer unter den Stämmen Israels." Auf S. 64 stehen in einem Absätze von 13 Zeilen 16 ״und" als Satz binde- Wörter. Von den sechs Perioden fangen fünf mit ״und" an. Uebrigens ist das Werk sehr vollständig; die mit kleinerer Schrift gedruckten Stellen sollen wohl zur umfassenderen Kenntnißnahme bei einem späteren Cursus dienen. Manches würden wir, weil für die Kinder und deren religiöse Ent- Wickelung werthlos, ausgeschieden haben; so die Vision des Jesaias, die Geschichte von der Bundeslade im Lande der Philister u. A. m. Wie sich zu dieser Vollständigkeit die gelehrt-kritischen Bemerkungen über Esther, Klagelieder Jeremiss u. A. m. stellen, vermögen wir nicht zu ergründen. Sehr dankenswerthe Zugaben sind hingegen der Abschnitt über die nachbiblische Geschichte und die haggographischen Auszüge. Vom letzten Abschnitt, der ״Israelitischen Religionslehre und Spruchbuch" schweigen wir. Der Herausgeber ist Prediger der Reformgenossenschaft in Berlin; dort mögen die Kinder diese philosophischen Ausdrücke, Beweise über das Dasein Gottes u. dgl. mehr fassen. Wir können das bei unseren Kindern nicht anwenden, so wenig, als uns der ganze aus dem Boden jener Genossenschaft hervorgewachsene Ton entspricht. Doch darüber läßt sich nicht streiten. Daß Boruch schem kewod auch zum Bekenntnisse des Juden gehört, also einen Bestandtheil des Schema bildet, war uns neu. Uns galt er immer nur als ein Ausruf, der auf die Heiligkeit des Gottesnamen Bezug hat, wie Boruch adonoj hameworoch als Antwort auf Borchu. *) Warum, we!m der biblische Ausdruck so sclavisch beibehalten werden soll: Gomorrah?