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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-30 · 31 (30.7.1873) · p. Seite 246

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
31 (30.7.1873)
Date
1873-07-30
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 und der orientalischen Sprache überhaupt in England fast ganz von deutschen Professoren — darunter verhältnißmäßig vielen Israeliten — ausgeht. Der Londoner Universität gei bührt die Ehre, die Professur der orientalischen Sprachen er-! richtet zu haben, wozu sie vr. Rosen, einen Deutschen, berief,1 der sich unter Sylvestre de Sacy in Paris ausgebildet hatte.; Sein Nachfolger war der ercentrischs Dr. Theodor Goldstücker, j der von seinen Vorlesungen nie eine Zeile drucken ließ; er hatte in Königsberg, Rom und Paris seine Bildung erhalten. - vr. vr. Nöhden, Rost, Eggding, dann Deutsch, berühmt ge-! worden durch seine Mittheilungen über den Talmud in! englischen Blättern, Haas, Professor der semitischen Sprachen;! Leitner, Professor des Arabischen, und Aufrecht, Professor des. Sanscrit und des vergleichenden Sprachstudiums in Edinburg 1 — sie alle sind Deutsche. 115. Seitdem es den jüdischen Ackerbau-Colonien in Süd-Rußland gestattet wurde — das betreffende Verbot wurde 1847 aufgehoben —, mit den deutschen Coloniften zusammen Zu wohnen, haben sie das deutsche Ackerbausystcm, angenommen und befinden sich jetzt (wie der ״Ungarische Lloyd" : meldet) in gedeihlichem Zustande, während sie ehemals in ן fortwährender Noth schmachteten. Diese Colonien bildeten! 1809 bereits 9 ausschließlich jüdische Dörfer, deren Zahl; später auf 25 anwuchs. — Der russischen Regierung sollen Bitten persischer Juden unterbreitet sein, sich im Kaukasus niederlassen zu dürfen — was voraussichtlich gerne gestattet werden wird. * 116. Das Frankfurter Journal schreibt aus Rußland: Die Regierung scheint den bis in die neueste Zeit noch ungerecht behandelten jüdischen Staatsangehörigen einige Erleichterungen gewähren zu wollen. Bis heute ist nämlich den Juden noch immer der Zuzug in die inneren Gouvernements untersagt. Jüdischen Gelehrten und Handwerkern ist freilich durch Specialgesetze die Zulassung erlaubt, aber diese Specialgesetze sind meist wieder durch Verordnungen der verschiedenen Ressorts wirkungslos geworden. Als Grund des Verbotes wird die Befiirchtungen angegeben, daß die Handel-. treibenden Juden das Landvolk ausbeuten. Andererseits durf-! ten auch früher die Juden bekanntlich nicht in der Nähe1 der Grenze wohnen, weil man glaubte, daß sie dem Schmuggel: Vorschub leisten würden. Nunmehr berichten russische Blätter, daß man in Regierungskreisen damit umgehe, den Juden voll-. ständige Freizügigkeit im ganzen Reiche zu gewähren, weil die! Verschleppung der Lösung dieser Frage eben so lästig für die Juden selbst als für die sogenannte ״Zone der jüdischen Ansiedelung" ist. In dieser Zone nämlich, dem den Juden offen stehenden Westrußland, bilden dieselben zehn Procent der Bevölkerung und machen sich als Händler oder Gewerbetreibende so erdrückende Concurrenz, daß ihnen die Möglichkeit, das Leben durch gesetzlich erlaubte Mittel zu fristen, beinahe vollständig benommen ist. Dagegen sind in dem größten Theile der innere Gouvernements, besonders in den ackerbautreibenden, die gewerbliche Thätigkeit und die speculative Initiative sehr schwach entwickelt, deshalb wird daselbst die Einverleibung des industriellen jüdischen Elements in die Masse der Bevölkerung dieser sowohl, als den Juden selbst unbezweifelten Nutzen bringen. Demgemäß hat das Finanzministerium vorgeschlagen: ״den Juden, welche russische Unterthanen sind und sich mit Handel, Industrie und Handwerken beschäftigen, zu gestatten, sich in allen Theilen des Reiches niederzulassen und dieselben commerciellen und industriellen Rechte zu genießen, wie alle anderen Bewohner des Reiches." Nachdem vor zehn Jahren bereits in Folge einer Anfrage des Ministeriums des Innern alle Ministerien, Generalgouverneure und Gouverneure, mit Ausnahme eines einzigen, sich für Zulassung der Juden ausgesprochen, viele sogar die vollständige Gleichstellung der Juden mit der ganzen übrigen Bevölkerung gefordert haben, steht nunmehr wohl zu erwarten, daß die Regierung endlich diese alten Mißstände beseitigen werde. tßitcrarifclic Notizen. Den Besitzern des Grätz'schen Geschichtswerkes wird es angenehm sein zu erfahren, daß der 1. Band desselben sich endlich unter der Presse befindet und demnächst von Oscar Le in er in Leipzig in Lieferungen herausgegeben wird. Der Zweite Band ist in Vorbereitung. Unsere geschätzten Leser wissen, daß Grätz behufs eingehender Studien zu diesen die biblische Epoche behandelnden Bänden eigens eine Reise nach Palästina unternommen hat. Wir begrüßen die Vollendung des (elsbändigen) Werkes mit warmer Freude. Wir gehören bekanntlich nicht zu den Freunden der religiösen Richtung, welcher Grätz sich angeschlossen; aber wir ehren aufrichtig jedes redliche wissenschaftliche Streben; und welche einzelne Ausstellungen man auch mit Recht gegen das Grätz'sche Geschichtswerk machen könnte und — auch in diesen Blättern — gemacht hat, immerhin gehört sein Werk zu den größten wissenschaftlichen Thaten aus dem Gebiete des Judenthums in der Neuzeit und ist eine Zierde der jüdischen Literatur, ein Zeugniß jüdischer Energie. Wir haben in gleicher Weise stets den wissenschaftlichen Bestrebungen der Männer am Breslauer Seminar unsere wärmste Anerkennung nicht versagt. Wir wissen ja, daß wahrhaft wissenschaftliches Streben, daß die Leistungen Frankel's und Grätz's eben auch mit oder gegen ihren Willen dem Fortschritte des Judenthums unterstützen und im weitesten Umfange dienen. Von unserem geehrten Mitarbeiter Eduard Kulte ist! ein Drama erschienen ״Don Perez", das sich durch warme

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