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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-30 · 31 (30.7.1873) · p. Seite 247

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
31 (30.7.1873)
Date
1873-07-30
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 Diction und sinniger Anlage auszeichnet. Ob ״Don Perez" als Drama bühnenwirksam ist, können wir nicht unterscheiden. Es scheint dem Dichter unbekannt zu sein, daß Gutzkow denselben Stoff bereits zum Gegenstände eines Dramas gemacht hat (Philipp und Perez). FeuiUeton. David Einhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Zweites Eapitek. Bräundel öffnete die Brieftasche zum dritten Male und fügte zu den zwei Hunderten noch eine Fünfzig-Gulden-Note hinzu. ״Jetzt mein ich, werdet Ihr zufrieden sein", sagte sie und wollte die Schnur um die Brieftasche wickeln. ״Laß Du Deine Brieftasche nur noch offen" sagte der Vorsteher, ״zu was soll Dir die Müh?" ״Weh geschrieen", sagte Bräundel, ״Ihr habt noch nicht genug? Dritthalb hundert Gulden sind Euch noch zu wenig? Wie viel soll ich Euch denn geben?" ״Leg noch einmal dritthalb hundert Gulden aus den Tisch, dann werden wir anfangen, mit Dir zu reden", sagte der Vorsteher. Bräundel schlug die Hände zusammen. ״Ich Hab Dir schon gesagt", erwiederte der Vorsteher, ״Moschele Krupp ist untauglich, Ignaz Rosenberger ist befreit, weil er ein Student ist, und Zipperl zahlt für Mandel, was in ihrer Kraft liegt, und Du — —" ״Und ich", rief Bräundel, ״soll Alles allein tragen? Es ist ja noch Einer da! David Finkels ist ja auch neunzehn Jahr alt!" ״David Finkels", sagte der Vorsteher, ״ist ein armer Jung!" ״Und übrigens werden wir ihm auch nichts schenken!" fügte Reb Perez hinzu. ״Nehmt dreihundert Gulden", bat Bräundel. ״Das geht nicht", erwiederte der Vorsteher. ״Vierhundert!" ״Was willst Du da herunter handeln?" sagte Reb Perez, ״wenn Du da niederlegen thust vierhundertneunundneunzig Gulden und neunundsünfzig Kreuzer, nehmen wirs auch nicht. Da darf nicht ein Kreuzer fehlen! Grad nicht, weil Du Dich so spreizen thust." ״Das heißt mir mein Leben verwüstet! Das heißt mir einen ״Jomkipper" (Versöhnungstag) aus dem heut'gen Tag gemacht! Nicht erleben hält ich sollen, ein Jüngel zu haben! Das heißt Narren, was wir Weiber sind! Das heißt eine Freude, was das gewesen ist, wie ich vor neunzehn Jahren mit mein Kalmele bin niedergekommen! Nun ja! Wenn mein Bär, im Paradies soll er ruhen, nicht gestorben wär, hätt ihr Euch nicht getraut, so aufzutreten! Der hätt Euch schon Mores gelehrt, der hätt Euch gewiesen, -ob man für einen Jungen muß fünfhundert Gulden zahlen! Das ist ja Himmelschreiend! Ihr wollt Euch an dem Rekrutirungsgeld bereichern! Vertränken sollt ihr's! ja!" ״Und jetzt ist genug!" schrie Reb Perez, indem er wild aussprang, ״jetzt kein Wort mehr, oder ich laß Dich hinauswerfen. Dein Geld kannst Du Dir nur wieder zu Dir stecken! Wir nehmen jetzt von Dir gar nichts mehr an! Nicht einmal einen Tausender, wenn Du niederlegst! Halt Dir Dein Geld, wenn Du meinst, daß wir uns davon bereichern wollen! Halt Dir's, wir brauchend nicht." Bräundel sah jetzt ein, daß sie in Wahrheit zu weit gegangen war, sie öffnete die Brieftasche und vervollständigte das auf dem Tische liegende Geld zur verlangten Summe von fünfhundert Gulden. ״Nimm Dir Dein Geld nur", schrie sie Reb Perez noch einmal an, ״wir brauchen es nicht! Wir nehmen es nicht! Halt Dir's!" ״Gottes Willen!" schrie das geängstigte Weib jetzt auf und begann heftig zu weinen, ״wollt Ihr mich denn Unglücklich machen?" Der Vorsteher strich die fünfhundert Gulden, die auf dem Tische lagen, ein und sagte: ״Nun, geh schon, geh nur, es ist schon gut! Du hättest Dir die ganze Sache ersparen können." Bräundel schöpfte tief Athem und ging. ״So ein Leben auf ihr, wie ich das Geld genommen hätt", sagte Reb Perez, nachdem sie fort war, ״Du bist ein guter Narr!" ״Was fällt Dir ein", sagte der Vorsteher, ״kannst Du es denn einer Mutter in einem solchen Augenblick übel nehmen, wenn sie etwas reden thut, was sie nicht reden soll? Was ein Mensch in der Leidenschaft spricht, dafür kann man ihn nicht verantwortlich machen. Mich hat es nicht beleidigt, was sie gesagt hat. Warum? Sie wird es morgen, bis sie ruhig geworden ist, schon selber einsehen, daß sie Unrecht gehabt hat. Soll ich mich etwa deshalb an ihr rächen? Das wäre eine Gemeinheit!" ״Du bist ein guter Narr", wiederholte Reb Perrez. ״Nein", sagte der Vorsteher, ״Alles was recht ist; es ist ganz recht, daß sie fünfhundert Gulden zahlen soll; warum? sie hat es im Vermögen und kann es thun. Aber man muß auch eine Mutter nicht zum Aeußerften treiben. Ist David Finkels da?" (Forts, folgt.)

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