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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-16 · 29 (16.7.1873) · p. Seite 231

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
29 (16.7.1873)
Date
1873-07-16
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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231 Ehegatte an die hiesige Judengemeinde, welche die Beerdigung der verstorbenen Christin auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe genehmigte. Die Beerdigung fand am 14. d. Mts. in feierlicher Weise unter zahlreicher Betheiligung der Angehörigen statt. — cfcuiücton. David Einhand. Erzählung von Eduard Kulte. (Fortsetzung.) Zweite« Eapitek. ״Nun, und was soll da noch mehr sein", entgegnete Reb Henoch, ״wird mein Ignaz-Leben, wenn es zu der Rekrutirung wird kommen, wieder ein Zeugniß heim schicken mit lauter guten Classen und wird wieder zeitlich befreit sein." ״Das kannst Du nicht wissen, mein lieber Reb Henoch", sagte der Beisitzer, ״Dein Ignaz kann bei der nächsten Prüfung eben so gut ein Zeugniß mit lauter schlechten Classen bekommen." ״Was? Mein Ignaz schlechte Classen?" schrie Reb Henoch, ״da mußt Du hören, was sein Professor sagen thut. Der Ignaz Rosenberger, sagt sein Professor, ist mein Lieblingsschüler. Verwichene Woch, wie ich bin in Nikolsburg gewesen, hat mir das sein Professor selber gesagt. Du mußt wissen, mein Ignaz hat ein Kopf wie Ristoteles und auf seine guten Claffen brauchst Du keine Sorgen zu haben." ״Nun?" sagte Reb Perez, was soll die lange Her- und Hinrederei? Willst Du da einen Hunderter niederlegen?" ״Auf was hinauf?" ftagte Reb Henoch. ״Weil die Gemeinde es so haben will und es nicht anders thut", sagte Reb Perez barsch. ״Hör zu, Reb Perez", sagte jetzt Reb Henoch, indem er sich stolz aufrichtete, ״mit Kele, die da weggegangen ist, um sich zwanzig Gulden zusammenzukratzen, hast Du in der Art reden gekonnt! Warum? Sie ist ein arm Weib und hat keine Annehmer. Du mußt aber nicht meinen, daß Du auch mit mir auf die Art reden kannst." ״Warum?" Wer bist Du denn?" ftagte Reb Perez gereizt. ״Wer ich bin? Sag Du mir, wer Du bist? Mir wirst Du mit Dein Geschrei kein Schrecken einjagen und keine Furcht!" ״Pst! stiller!" sagte der Vorsteher. ״Du willst doch ein gebildeter Mensch sein, Reb Henoch? Ha? Du wirst Dich doch bei der Rekrutirung nicht ausschließen?" ״Ausschließen? Wer sagt denn, daß ich mich ausschließen will? Hab ich denn das schon gesagt? Ich will Reb Perezen 'vor der Hand nur weisen, daß er mir nichts vorzuschreiben und nichts zu befehlen hat. Er muß nicht meinen, er ist der Oberherr von der ganzen Gemeinde und es muß ein Jeder tanzen, wie er geigen thut. Wenn man mit mir redt wie ein Mensch, so weiß ich, was recht ist und weiß, was ich zu thun Hab. Es kommt mir, Gott sei Dank, auf ein paar Gulden nicht an. Wenn man mir aber so kommt, wie er, dann weiß ich mich auch auf die Hinterfüße zu stellen! Es gibt Herren über Herren, und ich dulde keine Gewalt!" ״Alsdenn", sagte der Vorsteher, ״ich Hab doch gewußt. Du wirst Dich nicht ausschließen." ״Nun, was denn?" erwiederte Reb Henoch. ״Weiß ich denn nicht, was im Perek steht? Weiß ich denn nicht, daß es heißt: Schließ dich nicht aus von der Gemeinde?" ״Alsdenn, Reb Henoch", sagte der Vorsteher, ״wir schreiben Dir gar nichts vor! Gib zu Steuer so viel, als Du selber meinst!" Reb Henoch nahm seine Brieftasche heraus, öffnete dieselbe und legte zwei Hunderter auf den Tisch. Reb Perez schlug die Augen nieder, Reb Henoch entfernte sich und der Vorsteher sagte: ״Nun, siehst Du, Reb Perez, daß man in der Güte mehr ausrichten thut, als wie mit Deiner Grobheit. Geht zu Zipperl", wendete er sich hierauf an den Gemeindediener, ״und sagt ihr, sie soll zu der Sitzung kommen." ״Sie ist ja da! draußen steht sie", sagte der Gemeindediener. Er rief sie auf, sie kam herein, man machte ihr Platz, daß sie bis an den Tisch vortreten konnte. ״Die wird wohlfeil davon kommen!" flüsterten sich die Leute in die Ohren. ״Reb Perez-Leben" begann Zipperl im weinerlichen Tone, ״Sie werden doch mit einer Wittwe, die kein Vermögen hat, ein bissele Barmherzigkeit haben!" ״Zipperl versteht's", sagte Einer. ״Sie weiß, an wen sie sich zu wenden hat", meinte ein Zweiter. ״Nun was denn", fügte ein Dritter hinzu, ״wenn sie Reb Perezen auf ihrer Seit hat, hat sie Alles. Der Vorsteher ist ihr Geschwisterkind." ״Sie werden doch wissen, Reb Perez-Leben", setzte unterdessen die Wittwe fort, ״ich führ ein klein Geschästel und wenn, ich mein Mandel-Leben nicht bei mir hätte, könnte ich mich nicht ernähren und wäre, Gott soll hüten, angewiesen auf Gaben von Menschenhand." (Forffetzung folgt.) Lrerimtigung. ז Aeitartikel Nr. 28, S. 217, Col. 2, Z. 4 von unten ist statt .sandige Boden der Religion", — ״sandige Boden der Negation zu lesen, ferner S. 219, Eol. 2, Z. 10 statt ca. 500 Synagogengememden ca. 800 Synagogengemeinden zu lesen.

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