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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-02 · 27 (2.7.1873) · p. Seite 215

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
27 (2.7.1873)
Date
1873-07-02
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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215 Aus dem Gesagten ist zu entnehmen, daß in dem mehr erwähnten Herzogthume eine besonnene Thätigkeit im fort schrittlichen Sinne auf dem Gebiete des israelitischen Cultus! und der Schule vorhanden ist, und was daher von jenen ן Zeitungsnachrichten zu halten ist, die die israelitischen Cultus-1 und Schulverhältnisse im Herzogthume Meiningen als der j Stagnation verfallen ausposaunen mochten-! Feuikleton. David Einhand. Erzählung von Eduard K ulke. (Fortsetzung.) Aweite 8 Tapitei- Der Lärm war betäubend und die Leute, die draußen vor dem Gemeindehause auf der Gaffe standen und ungefähr vermuthen konnten, um was es sich in der Gemeindestube handle, bildeten ebenfalls zwei Parteien und stritten miteinander und schrieen nicht minder, als die da drinnen. ״Blutige Köpf muß es geben! Blutige Köpf muß es geben!" schrie Reb Jossef, Bräundels Bruder. ״So ist es recht! Schlagt Euch nur die Köpf aneinander!" rief Chajim Krempelsetzer, der dabei stand. Da kam von ferne Reb Joine Glück die Gasse herunter. ״Was ist das?" fragte er, als er ankam, ״was geht da vor? was schreit ihr so?" ״Wer schreit?" gab ihm Einer zur Antwort. ״Du!" schrie ein Anderer. ״Ich schrei?" schrie wieder der Erste, ״er schreit, schreit er Alles, ich schrei." ״Schämt Euch", sagte Reb Joine Glück, ״was soll das vorstellen? Werdet ihr die Sach denn da auf der Gass ausmachen? Seid stat! Wer etwas zu reden hat, kann ja Zu der Sitzung hineingehn und kann drinnen seine Meinung Vorbringen! Heut kann ja ein Jeder reden!" ״Nun, so geht Ihr hinein, wenn es Euch so gelüsten thut", rief ihm einer der ärgsten Schreier zu. In demselben Augenblicke trat der Diener aus der Geineindestube heraus und verkündigte, es soll Jeder, der für einen von den Rekruten etwas zu reden hat, hineinkommen. Es hatte sich nämlich drinnen in der Sitzung nach vielem Hin- und Herreden die Ansicht Geltung verschafft, die einer der Beisitzer vorgebracht hatte, man werde mit dem Schreien doch zu nichts kommen, und es werde das Beste sein, man solle die Einzelnen, die bei der Sache interessirt find, vorladen und hören, was sie für Vorschläge zu machen haben. Dieser Antrag wurde angenommen. ״Alsdenn", sagte der Vorsteher in Folge dessen zum Gemeindediener, ״geht hinaus und seht, wer draußen ist und sagt, es soll ein Jeder, der bei der Sach etwas zu reden hat, hereinkommen." So war denn der Gemeindediener hinausgegangen, um seinen Auftrag zu erfüllen, und die Meisten der draußen Stehenden stürzten nun in die Gemeindestube hinein, so daß dieselbe in wenigen Minuten zum Erdrücken voll war. ״Alsdenn Kele", begann der Vorsteher, ״Du weißt, daß Dein Moschele —" ״Für mein Mosche-Leben", unterbrach das Weib den Vorsteher, ״Hab ich keine Sorg! Ihm könnt Ihr nichts thun, und wenn Ihr Euch da Alle auf den Kopf stellen thut. Ihn beschützt unser Herrgott, gelobt ist er! Ich Hab mich, wie er noch ein Kind ist gewesen, mannigmal betrübt darüber, daß er mir nicht wachsen thut, wie andere Kinder, und ich Hab mich genug ״gegift" (geärgert) darüber, wenn mich die Leut gehetzt und gefragt haben, ob ich mein Moschele Hab Branntwein zu trinken gegeben, wie man einem jungen Hund geben thut, wenn man haben will, daß er nicht wachsen soll. Aber jetzt freu ich mich darüber, daß er kein schöner großer Jung geworden ist. Jetzt könnt Ihr ihm nichts thun und könnt ihn Gott sei Dank nicht abführen. Alles Schlechte hat auch sein Gutes." ״Was brauchst Du da so eine Predigt zu halten?" sagte der Vorsteher, ״will man Dir ihn denn abführen? Wer hat Dir denn gesagt, daß man ihn abführen will?" ״Nun also", fragte Kele, ״was wollt Ihr denn weiter von mir?" ״Wir wollen von Dir nichts als eine Beisteuer!" ״Eine Beisteuer", sagte Kele, ״das ist etwas Anderes, das ja, das ist eine Red. Wie viel wollt Ihr haben von mir?" ״Wie viel?" sagte der Vorsteher. ״Thu was Du kannst; gib nach Deinem Vermögen. Wir wollen Dir keine Vorschrift machen." ״Wie heißt keine Vorschrift machen?" meldete sich jetzt Reb Perez an, ״das wär mir eine schöne Sach, wenn man es wollt einem Jeden überlassen, wie viel er beisteuern will! Da möchte die Gemeinoe weit kommen! Zu was sind wir denn Gemeindeleute? Zu was sitzen wir denn da? Du wirst da niederlegen hundert Gulden Münz? Verstehst Du mich, Kele?" (Fortsetzung folgt.) Kriefkaften. Herrn W.-K. B. u. M. — Sie sehen, daß der Raum nicht vergeudet wird. Ihre Correspondenzen folgen. Wir bitten um Ge- Redaction. duld.

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