Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 27 (2.7.1873)
- Date
- 1873-07-02
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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weil ich in Verbindung mit diesem von einen: anderen Umstände berichten will, derZeugniß gibt, daß in der erwähnten israelitischen Cultusgemeinde, die in scharf ausgesprochener Weise dem religiösen Fortschritte huldigt, auch Sinn und Streben für das speciell Israelitische vorhanden sind. — Der obengenannte Herr Landrabbiner Dr. Dreifuß hat am vorjährigen Schebuothfeste, allwo die Fertigstellung der israelitischen Begrübnißstätte ziemlich vollendet war, die Gemeinde in einem ergreifenden Vortrage aufgefordert, die Zahl ihrer ספרי תורות, die der Würde, der Größe und dem Wohlstände der Gemeinde nicht entspreche, zu vermehren. Diese Aufforderung fand alsbald Verwirklichung durch die Thütigkeit des Herrn Hofbanquiers Maier Strupp, des ersten Vorstandsmitgliedes der Gemeinde, der sich auch anderweitig, namentlich um die Constituirung der Gemeinde, Verdienste erworben hat. Der genannte Herr brachte am folgenden Tage an der Meininger Börse (größtentheils aus Israeliten bestehend) den Gegenstand zur Sprache, und fand dieser ejn solch bereitwilliges Entgegenkommen, daß von fünf Personen mit Einschluß des genannten Herrn die Kosten der fertig zu stellenden סת gezeichnet wurden, die im Laufe des diesjährigen Synagogenjahres eingeweiht werden wird. — Daß die aufblühenden modernen israelitischen Gemeinden für Wohlthätigkeitsanstalten, die Humanitätszwecke verfolgen, gerne geben, spenden und thätig sind, ist eine vielfältig wahrzunehmde löbliche Erscheinung, die sich auch in der Cultusgemeinde Meiningen durch die erst im vorigen Jahre durchgesührte Gründung eines reichlich ausgestatteten Unterstützungsvereins zur Beseitigung der lästigen Bettelwanderer kund gegeben; — daß aber auch anderweitige fromme Zwecke, die außerhalb der sogenannten Humanität liegen, bereitwillige Berücksichtigung finden, ist eine seltene Erscheinung, und verdient daher mit Nachdruck hervorgehoben zu werden. — Uebrigens will ich nicht unerwähnt lassen, daß fast in allen israelitischen Cultusgemeinden des Herzogthums Wohlthätigkeitsvereine, mehr oder minder dem in Meiningen nachgebildet, vorhanden find. Ganz besonders beurkundet folgendes Inserat, aus der Hildburghauser Dorfzeitung genommen, daß bei Einzelnen ein fürsorglicher Sinn für israelitische Cultuszwecke in größerem Maßstabe vorhanden ist. Das Inserat lautet wie folgt: ״Gute und edle Handlungen verdienen stets in weiteren Kreisen bekannt zu werden, wenn auch dieses Bekanntwerden von Seiten der edlen Geber und Spender nicht beabsichtigt ist. Eine solche anerkennenswerthe That können wir von einem Mitgliede der hiesigen israelitischen Gemeinde verzeichnen. Herr Wilhelm Simon hat in neuester Zeit einen an den israelitischen Friedhof anstoßenden Acker aus eignen Mitteln angekauft, denselben als breiten Fahrweg chaussiren und sowohl diesen, als auch den Friedhof selbst in einer schönen und zweckmäßigen Weise mit Bäumen bepflanzen lassen. Wir sprechen hierfür dem wackeren Manne unseren Dank aus." Hildburghausen, April 1873. Die israelitische Gemeinde. Aber auch auf dem Gebiete der Schule zeigt sich eine! anerkennenswerthe Thütigkeit. Im Herbste des vorigen Jahres! wurde von dev: mehrerwühnten Herrn Landrabbiner eine! Lehrerconferenz behufs Besprechung über Fach gegenstände, nai mentlich über den Religionsunterricht und was damit zusam-! menhängt, im Regierungsblatte ausgeschrieben, wozu sich I sämmtliche israelitische Herren Lehrer des Herzogthums einfanden. Den Mittelpunkt dieser Berathung bildete die Einführung eines neuen Lehrbuches. Gegen das vor etwa 40 Jahren herausgegebene, seit mehreren Decennien im Herzogthume eingeführte Württemberger Religionsbuch wurde, unter! Anerkennung der Vortrefflichkeit und der vielen Vorzüge desselben, eingewendet, daß dasselbe bezüglich des Inhalts, resp. des Lehrstoffes zu gedehnt sei, und bezüglich der Form Defi-! nitionen enthalte, die der kindlichen Fassungskraft zu hoch stehen und zu fern liegen. Es sei überhaupt nicht überall der richtige Schulton getroffen. In unseren Tagen aber, in welchen, namentlich in den städtischen Religionsschulen, dem!Religionsunterricht die darauf zu verwendende Zeit spärlich! zugemessen und überhaupt die Liebe zu diesem Unterrichtsgegenstände bei Eltern und Kindern leider in steter Abnahme begriffen ist, sei zur Erzielung eines einigerinaßen gedeihlichen Erfolges vor Allen gediegene Kürze in diesem Unterrichtsgegenstände nöthig und wünschenswerth. Es wurde daher be-! schlossen, die Einführung eines, die erwähnten Ausstellungen! möglichst beseitigenden Lehrbuches im Auge zu behalten und | anzustreben. Der Herr Landrabbiner Dr. Dreifuß hat im ן Laufe des verflossenen Winters viele der bekannten Religionsbücher in eingehender Prilfung durchgegangen und legte das Resultat seiner Beschäftigung mit diesem Gegenstände in einer am 15. März d. I. einberufenen Lehrerconferenz den sämmtlichen Herren Lehrer vor. Auf motivirten Vorschlag des Herrn Landrabbiners wurde die Einführung des Lehrbuches von Herrn Rector Mandus in Breslau, als die erwähnten Mängel am meisten beseitigend, beschlossen, und ist auch die erforderliche Genehmigung von Seiten der Oberschulbehörde bereits erfolgt. — Auch über die Ausdehnung, resp. Begrenzung der Bibel- und Gebetübersetzung wurde viel gesprochen und Manches beschlossen, wobei als leitender Grundsatz aufgestellt wurde, daß die Religionsschule dem öffentlichen Gottesdienste in die Hand arbeiten müsse, und daher auf die Zustände und Vorgänge im öffentlichen Gottesdienste bei den genannten Uebersetzungen ganz besonders Rücksicht genommen werden müsse. —