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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-02 · 27 (2.7.1873) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
27 (2.7.1873)
Date
1873-07-02
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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;ffi• t*•]. «»י«.. _.s 213 legenheiten der Gemeinde belebenden Einfluß hatte. Die ״Rabbiner-Wittwen- und -Waisenkasse" ward s. Z. eigentlich nur durch ihn namhaft unterstützt. Er war bis zu seinem Ableben deren Director und erhielt die Anstalt, welche am Jndifferentismus der deutschen Juden zu Grunde gegangen, mit großer Aufopferung. Seine große Stipendienstiftung für jüdische Studirende — im Jahre 1857 von dem Verstorbenen mit 50,000 fl. dreiprocentiger österreichischer Metallique- Obligationen fundirt, — eine der ersten Stiftungen dieser Art, hat, wie dem Schreiber Dieses bekannt, schon vielen Segen gestiftet und mancher schönen Kraft, die ohne diese Stiftung zu Grunde gegangen wäre, zur Ausbildung verhalfen. Der Achawa sendete derselbe bekanntlich vor zwei Jahren 1000 fl. vom Rigi, wo er sich dazumal aufhielt. So glänzt sein Name überall in öffentlichen und privaten Sammlungen in erster Reihe. Sein Andenken wird gesegnet bleiben. Mainz, im Juni. Am Sabbath vor dem Wochenfeste trat Dr. Julius Fürst, bisher Rabbiner in Bayreuth, die Stelle als Religionslehrer und Prediger in hiesiger Gemeinde an, nachdem der bisherige Inhaber dieser Stelle, Hr. Schauer, dieselbe — niedergelegt hatte. Alle denen das Heil und die Ehre unserer Gemeinde am Herzen liegt, begrüßen mit Freude diese Ernennung und hoffen mit Zuversicht, daß Hr. 01׳. Fürst mit Energie und Begeisterung arbeite auf dem schwierigen, verantwortungsvollen, aber auch desto reichlicheren Erfolg versprechenden Posten, den die Vorsehung ihm zugewieien. Es ist Zeit, das der Zerrüttung Einhalt geboten und unsere Gemeinds von dem Abgrunde hinweggerissen werde, in welchen fie die Fanatiker, die ihr Hauptquartier hier haben, zu stürzen beflissen sind. — Hrn. Dr. Fürst's Antrittsrede ״Unser Verhältniß zu Gott ein unauflösliches, auf sittlichen Grundlagen beruhend", im Anschluß an 2. Kap. des Propheten Habakuk, Vers 21, 22, ist beredt, schön, tactvoll. Wir wollen hoffen, daß die Fortsetzungen ebenso freimüthig, offen, ernst und energisch find; den Verhältnissen und den — Gegnern entsprechend. Wir erwarten aber auch besonders, daß es Herr Dr. Fürst verstehe, den Religionsunterricht zu heben und mit sittlicher Kraft zu durchdringen, um von hier aus für die lichtvolle, aber auch warme Auffassung des Judenthums, für die Zukunft unserer Gemeinde zu wirken. Berlin, im Juni. Die königl. Gewerbe-Akademie veröffentlicht unterm 3. d. M., daß das Stipendium der Benny Burchardt'schen Eheleute zu Landsberg a. d. Warthe, bestehend aus den jährlichen Zinsen von 4000 Thalern Capital ä 5 °/0 für junge Leute jüdischen Glaubens, welche die Anstalt zu ihrer Ausbildung als Techniker besuchen und sich in bedürftiger Lage befinden, vom 1. Oltober d. I. ab wieder verliehen werden soll. — Die Bewerbung ist bis spätestens den 1. September d. I. schriftlich bei dem Director der königl. Gewerbe-Akademie anzubringen. Prag. Der ״Unterstützungsverein für mittellose israelitische Universitätshörer dahier" hat eben seinen Rechenschaftsbericht für die Zeit vom 1. Februar bis 31. December 1872 ausgegeben und versandt. Einnahme hatte derselbe incl. Cassabestand (1580 fl. 98 kr. ö. W.) 2483 fl. 84 kr. ö. W. Ausgaben 606 fl. 66 kr., wovon 21 Darlehn an 18 Mitglieder! Der Verein gehört zu denjenigen, welche die dringlichste Unterstützung verdienen. Wer selbst gekämpft hat in seiner Jugend und Studienjahren, weiß, was es heißt: den idealen Gütern nachstreben und materiell — Noth leiden. Unsere stets bereiten Glaubensgenossen sind leider durch das Schnorrerunwesen daran gewöhnt worden, immer am meisten diejenigen zu berücksichtigen, die direct fordern. Mögen sie einmal bedenken, ob es eine wichtigere Aufgabe geben kann, als die materielle Noth derjenigen zu lindern, die berufen sind, die Cultur unseres Stammes zu fördern. Gegenüber dieser Bedeutung unseres Instituts find die Gaben — 2, 3 und nur einige Mal 10 fl., im Ganzen 576 fl. von 41 Monaten in der großen Gemeinde Prag und Böhmen sehr gering. Cassircr des Vereins ist der ,jur. 801(1. Felix Feigl (Prag, Lange Gasse 41); Vorsitzender des Ausschusses med. cand. Fantl. (Der Vorstand hat auch uns gebeten, für den Verein nach Kräften zu wirken durch Entgegennahme von Spenden u. dgl. m. Daß wir hierzu gerne bereit sind, ist selbstverständlich. Wir fürchten nur, daß in Deutschland und in unseren Kreisen hierzu wenig Gelegenheit sich bieten wird, so sehr unsere besten Wünsche solchen Bestrebungen zugewendet sind. Redaction.) Äu8 dem Kerzogtbnm Meiningen, Anfangs Juni. Heute habe ich Ihnen manches Erfreuliche in Bezug auf israelitische Cultus- und Schulverhältnisse unseres Herzogthums zu berichten. Ich beginne mit der Cultusgemeinde in der Residenz Meiningen. Diese Gemeinde, vor noch wenigen Jahren klein und winzig, kaum ein sogenanntes Jischuw bildend, zählt nun nahe an 60 Familien, deren Zahl in steter Zunahme begriffen ist. Sie besitzt nun die nöthigen Anstalten, die zu einer wohlgeordneten israelitischen Cultusgemeinde gehören. Am 2. v. M. ist der israelitische Friedhof auf eine einfache, aber auf eine erhebende und feierliche Weise vom Herrn Landrabbiner Dr. Dreifuß eingeweiht worden. Diese Einweihung hat zur großen Freude der Cultusgemeinde, aber zur Verwunderung und fast zum Neide der dortigen nichtisraelitischen Bevölkerung lange auf sich warten lassen. Ich erwähne dieses Umstandes nur deshalb.

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