Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 27 (2.7.1873)
- Date
- 1873-07-02
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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וך! ן,***■.**&*£ T4r*?-'-*Pd<>wtsö^ — 212 — tragenden Mitgliedern und ein Beweis von der Würdigung der Zeitbedürfnisse. Es wird durch solches Betreten der Bahn der Oeffentlichkeit das Interesse an den Gemeindeinstituten rege gemacht und erhöht. Der Inhalt dieses Jahresberichts ist ebenfalls ein höchst befriedigender. Er erstreckt sich auf alle Gebiete des Gemeindelebens — Statistik der Geburten, Heirathen, Sterbefälle, Einnahme und Ausgabe, Nebenkassen, Wohlthätigkeitsinstituten, Schule und Synagoge und bezeugt die schaffende und umbildende Thätigkeit des Vorstandes und den erfreulichsten Gemeindesinn. — Der Vorstand hat, wie wir erfahren, seinen Bericht allen deutsch-israelitischen Bundesgemeinden zugehen lassen. Mögen derartige Gemeinden noch viele sein in Israel. Der dreißigste Jahresbericht des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten (Oesterreich) liegt uns vor. Wir erfahren in demselben von dem stetigen Fortgang und den erfreulichen Erfolgen dieses Vereins. Wenn wir auch für uns in Deutschland, in Folge der Um- Wandlung aller volkswirthschaftlichen Verhältnisse und der socialen Stellung der Israeliten, diese Vereine nicht mehr für opportun und zeitgemäß halten, weil sie nur selten ihren Zweck erfüllen, so ist dies in Oesterreich doch eine ganz andere Sache insbesondere bei den in großen Massen bei einander wohnenden Juden und bei dem Umstande, daß dort die jüdischen Handwerker ihr Geschäft auch später betreiben und j betreiben können. Das ist in Deutschland nicht immer in gleicher Weise der Fall. Im Jahre 1872 wurden in dem genannten Vereine 58 Gehülfen mit 14 Handwerken aller Art (Schlosser (14), Drechsler, Spengler, Wagner u. a. m.) abgeschrieben. Die Jahreseinnahmen betrugen 9073 fl. 43 kr. ö. W. gegen 8584 sl. 93 kr. im Vorjahre; die Ausgaben 9652 st. 25 kr. gegen 8131 st. 84 kr. im Vorjahre. Die Zahl der Zöglinge stieg auf 352. Höchst erfreulich sind insbesondere auch die zahlreichen Auszeichnungen (silberne, bronzene Medaillen und ehrenvolle Anerkennung), welche Zöglinge des Handwerkervereins bei der zweiten Arbeiter-Industrie- Ausstellung in Wien erhielten. — Herr Dr. A. Wiener veröffentlicht in einer besonderen Broschüre die Artikel ״Wieder vom Cultus", welche s. Z. in diesen Blättern mitgetheilt worden. Er gibt dieser den Titel ״der öffentliche Gottesdienst, ein Wort zur Beherzigung gerichtet an denkende Israeliten, gewidmet der künftigen israelitischen Synode". Ja, die künftige israelitische Synode! Wenn je, so ist von ihr das Wort anwendbar מחרביך ומהרסיך ממך יצא (Deine Zerstörer und Verwüster gehen von Dir aus!) Die, die erste mit volltönenden Phrasen begrüßten und feierten, entzogen sich der zweiten; und denen von der zweiten Alles in die Hand gegeben wurde, haben bis jetzt nichts, gar nichts gethan und es scheint fast, als wollten sie gegen die dritte handeln, wie Andere gegen die zweite! Wir wollen doch einmal sehen, wer stärker ist: das unabweisbare, religiöse Bedürfniß, oder die Arroganz einiger Männer, die annehmen, daß das, was ihnen nicht mehr genehm, darum auch bereits nicht lebensfähig sei. Wir wollen sehen, ob die übrigen Mitglieder und Freunde der Sache sich einen solchen Mißbrauch des Vertrauens gefallen lassen! — Herr Rabbiner Dr. Neubürger in Fürth veröffentlicht zwei Predigten: ״Die schöpferischen Ziele unserer religiösen Bewegung", welche derselbe in den zwei ersten Tagen des Peßachfestes bei Gelegenheit der Aufstellung einer Orgel in der Hauptsynagoge Zu Fürth gehalten. Es spricht eine warme Begeisterung für das Judenthum, ernstes Studium und Charakter aus diesen Predigten, die die gedankliche Durchdringung des Judenthums als Aufgabe der Zeit und die Umbildung der herkömmlichen religiösen Formen ihre Veredelung fordern. Uns haben diese Predigten mit rechter Freude erfüllt! Von dem Redacteur der ״Deborah" und des ״Jsraölite" Jsaac M. Wise in Cincinnati liegt ein Lehrbuch der israelitischen Religion in englischer Sprache vor: Judaism: its Doctrines and Duties. Das Werk steht ganz auf biblischem Standpunkte, wie der Verfasser sagt, der, in eigenthümlicher Auffassung, das neue Testament den Talmud der Christen, den Koran den Talmud der Mohamedaner nennt, während er den hebräischen (?) Talmud diesen gleichsam gleichstellt. Ueber Principien läßt sich nicht rechten, so lange sie sich auf sicherem Boden bewegen, consequent durchgesührt werden und nicht gemeinschädlich wirken. Oft sind solche Erzeugnisse der Literatur eben auch nur verständlich, wenn man den Boden kennt, auf welchem sie erwachsen sind. Für Deutschland wäre dies Princip, consequent durchgeführt, eben einerseits zu eng und andererseits zu weit. Im Uebrigen ist die Arbeit eine sehr dankenswerthe, systematisch, reichlich mit Versen versehen und umfassend. In der Hand tüchtiger Lehrer (natürlich nicht wie ein amerikanisches llnatbook verwendet) wird sie fegenbringenden Erfolg haben. Corresponäenz. Frankfurt a. M., Ende Juni. Sie haben bisher keine Mittheilung über den in Paris erfolgten Tod B. H. Goldschmidt's, Chefs des Banquierhauses gleichen Namens, gebracht und doch verdiente es der Verstorbene in hohem Grade, in diesen Blättern erwähnt zu werden. B. H. Goldschmidt war nicht allein einer der edelsten und wohlthätigsten Männer Frankfurts, sondern auch ein guter Jude im vollen Sinne des Wortes, der an allen jüdischen Angelegenheiten den leb- Haftesten Antheil nahm, in früheren Jahren auf die Ange-