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Jüdische Volkszeitung · 1873-06-25 · 26 (25.6.1873) · p. Seite 206

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
26 (25.6.1873)
Date
1873-06-25
Page
Seite 206 (sequence 6)
Language
German
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Staat bin ich" nicht mehr zeitgemäß ist und daß, wo man sie zu offenbarer Gewalt nöthigt, die sittlichen Grundlagen der Gesellschaft erschüttert werden und demzufolge selbst ihr Thron und Leben keine Stunde sicher sind. Sehen wir einmal zu, ob es uns wundern kann, wenn man in Rumänien die Juden mit unerhörter Grausamkeit mißhandelt. Vor wenigen Jahren wurde Fürst Kusa durch eine Palastrevolte verjagt und ihm dazumal kein Schimpf erspart. Heute, nachdem er gestorben ist, ehren dieselben Männer, die ihn verjagt haben, seinen Leichnam, als wäre er der eines Heiligen und der Tod des Mannes, der in Heidelberg in der Verbannung gestorben, wird von den Zeitungen ein Nationalunglück genannt, — wohl nur, um seinem Nachfolger wehe zu thun. Die Abgeordneten des Landes gestehen selbst zu, daß der Ruin des Landes vor der Thüre stehe, weil Casse und Credit erschöpft sind, und daß kein Land der Welt in Wien bei der Weltausstellung armseliger vertreten sei in Natur- und Kunstproducten als Rumänien, — trotz seines ergiebigen Bodens und seiner freien Verfassung. Die Aerzte erzählen in öffentlichen Schriftstücken, daß mehr als 4/5 des Volkes an den Folgen der eingefressenen Unsittlichkeit krank ist; kurz — — מכף רגל ועד ראש אין בו מתם-vom Fußballen bis zum Scheitel ist nichts Gesundes mehr da! — und man staunt noch über die grausamen Ungerechtigkeiten, mit welchen man den Stamm, der noch etwas gesundes Mark, Sittlichkeit und Streben in sich hat, behandelt? — Zwei Länder in Europa gaben neuerdings das Schauspiel, daß man Monate lang auf ״die Königssuche" ausging. In dem einen hat nach zwei Jahren der König die Dornenkrone bereits freiwillig niedergelegt; im anderen steht der Fürst im Begriffe, dasselbe zu thun. Man prüfe, ob nicht Analogie in der Geschichte beider Länder zu finden sind, nur daß das Schicksal bei dem einen sich schneller vollzieht, als bei dem anderen. Spaniens Niedergang begann mit der Vertreibung der Juden, der Fanatismus, die Jahrhunderte lange Verfolgungen führten zum vollständigsten Untergang. Nur ein vollkräftiges Eingehen auf die Ideen der Neuzeit, das jedoch das ganze Land durchdringen müßte, kann Spanien, das einst so herrliche, reiche und mächtige Land noch retten. Was wird einst das Loos Rumäniens sein? 104. Wir entnehmen dem ״Cincinnatierr, Jsraelite" folgende Mittheilung: ״Einige Freunde übermitteln uns folgende Stelle aus einem öffentlichen Blatte und bitten uns um Erörterung dessen was Wahres an der Sache sein möge: 2000״ von den 30,000 in London lebenden Juden sind bereits zur christlichen Kirche übergetreten und sind würdige Mitglieder der verschiedenen christlichen Confessionen. In Berlin sind von 18,000 Juden ebenfalls 2000 bekehrt. 28 Professoren der (Berliner) Universität sind vom Judenthum übergetreten. Die Gesammtzahl der europäischen Juden beträgt 3,431,000, von denen 20,000 zum Christenthum bekehrt sind. In der englischen Hochkirche gibt es 100 Geistliche, welche geborene Juden sind. In diesem Augenblicke herrscht große ״Erweckung" unter den polnischen Juden; einer der dort Bekehrten war vormals Rabbiner und verbreitet jetzt mit außerordentlichem Erfolge das Evangelium nnter den Kindern Abrahams/ ״Was hieran Wahres ist? Nichts. Es ist im Gegentheile jetzt allgemein anerkannt, daß alle Gesellschaften, alle öffentlichen und Privatbemühungen zur Bekehrung der Juden vollkommen fehlgeschlagen sind. Seitdem die Juden als gleichberechtigte Bürger anerkannt wurden, wo dies auch immer sei, beschränkt sich die Zahl der Abgefallenen in unseren Reihen auf einige wenige Betrüger, bewußte oder sich selbst täuschende, die für das Judenthum kein Verlust, für das Christenthum kein Gewinn sind. . . Die Missionsgesellschaften halten seit 50 und mehr Jahren genaue Rechnung über jede Judenseele, die mit ihren Missionen und mit ihren Künsten und Belehrungen erkauft wurden. Was wars? Die meisten der armen jüdischen Dulder, welche durch Hunger und Kummer, Noth und Elend, Aussicht auf Brod oder Stellung in den Schooß der Kirche hinüber gebracht wurden, gingen davon und traten bei erster Gelegenheit ins Judenthum zurück. Andere ließen sich an den verschiedenen Plätzen verschiedene Male taufen und suchten auf diese ehrlose Weise ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Einige, sehr wenige sind Gläubige geblieben oder vermeinen es zu sein. Aber einen Juden glauben zu machen, daß Gott eine Jungftau zum Weibe nahm und daß diese Jungftau die Mutter Gottes wurde, und daß ihr Sohn sein eigener Vater und ihr Vater war, und daß der Vater der Sohn ist und der Sohn der Vater und beide Eins — einen Juden zu dem Glauben bringen, daß ein Gott am Kreuze starb und begraben wurde, oder daß ein Mensch starb und dann in den Himmel hinauf stieg und zu Gottes Rechten sitzt — gerade so gut könntest Du versuchen, mit den Bergen der Erde den Ocean auszufüllen oder das Meer mit einem Theelöffel auszuschöpfen. Um derlei zu glauben, muß man von ftühester Jugend darin einexercirt, dazu erzogen sein, anders gehts nicht. Eine Gefahr zum Abfall ins Christenthum besteht also für das Judenthum nicht; die Zahl der Abgefallenen ist, trotz aller jener frommen Lügen, höchst unbedeutend und» nimmt noch immer mehr ab. Was insbesondere die polnischen Juden anbelangt, so findet dort wirklich eine ״Erweckung" statt, aber eine Erweckung für Arbeit und Erziehung und nirgends, wir bürgen dafür, arbeitet dort ein Rabbi, weder mit noch ohne Erfolg, an der Bekehrung der Söhne Abrahams zum Evangelium. Das Ganze ist pure Erfindung." -

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