Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 26 (25.6.1873)
- Date
- 1873-06-25
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Von der zweiten Synode, an der persönlich Theil zu nehmen ich leider behindert war, vermag ich nicht mehr zu sagen. Denn noch immer erwartet man deren Protokolle nach den stenographischen Niederschriften ebenso vergeblich,*) als die Einladung zu einer neuen Synode. Hat Hr. Dr. Geiger von dieser Synode das Mandat zu Beiden erhalten, so ist wohl zu erwarten, daß er demselben Nachkomme; wo nicht, daß das Directorium der vorigen Synode dies thun werde. Denn dringlich ist Beides. Die zweite Synode hat sich mit eherechtlichen Fragen beschäftigt, dabei aber nur die unbedeutendsten sofort beantwortet, die wichtigsten wie z. B. die Gerichtsbarkeit in Scheidungssachen, die Beziehung des Rabbinen zu diesem Verfahren, die noch gültigen Scheidungsgründe unter möglichster Anstrebung einer Gleichstellung beider Geschlechter, einer Commission überwiesen, welche der nächsten Synode sormulirte Vorschläge vorlegen soll. Wer sind die Mitglieder dieser Commission? Ist sie bereits zusammengetreten? Hat sie Vorschläge formulirt? All das sind Fragen, die ins Leben eingreifen. Mir ist neuerdings wieder ein Fall vorgekommen, in welchem die jüdische Frau sich des elenden Mannes, der ihr die Sorge für den Haushalt überlassen, der notorisch Ehebruch treibt und ein bekannter Betrüger ist, nicht erwehren kann. Die rabbinische Ehescheidung wird abgelehnt, weil der Mann die Frau nicht losgibt, wenn diese ihm nicht eine Entschädigungssumme zahlt — und der Rabbiner räth zu deren Entrichtung! Diese empörende Stellung der Frauen muß beseitigt werden. Und wenn, was Gott verhüte, unsere Rabbinen es ablehnen, hierbei mitzuwirken, so müssen wir die Hilfe des Reiches und der Gerichte gegen unsere Rabbinen anrusen, ein schmerzliches Auskunftsmittel, aber ein letztes, wenn kein anderes Hilst. Und so meine ich denn und mit mir hoffentlich noch viele Gesinnungsgenossen, namentlich alle Synodalcollegen, daß eine dritte Synode noch in diesem Jahre des dringlichen Stoffes genug vorfinden würde. Und darum rufe ich hinaus: Laßt die Synode nicht fallen; und will Der und Jener nicht Mittagen, so laßt uns zusammentreten auch ohne ihn. Im Voraus ein Jejascher Koach, denen, die uns einberufen, ein Boruch haboh denen, die kommen werden zur dritten Synode! *) Anmerkung des Correctors. Die Verhandlungen sind soeben, nachdem dies bereits gesetzt war, erschienen. Correjponäenz. Leipzig, 19. Juni- Ich bin in der angenehmen Lage, Ihnen von zwei Auszeichnungen zu berichten, die aus der Mitte hoher Körperschaften unserer Stadt zweien, freilich nach verschiedenen Richtungen und verschiedenem Maße, hochverdienten Männern unseres Glaubens jüngst zu Theil geworden. Von Seiten der juristischen Facultät der hiesigen Universität ist vor Kurzem, wie Ihnen bereits durch die politischen öffentlichen Blätter bekannt geworden, Herr Rechtsanwalt Lasker unter den schmeichelhaftesten Ausdrücken die Doctorwürde honoris causa verliehen worden, als Anerkennung der hervorragenden Verdienste dieses schnell zu einer Weltberühmtheit gewordenen Mannes um die deutsche Gesetzgebung. Der Werth dieser Ehrenbezeugung ist um so höher anzuschlagen, als die deutschen Universitäten die Erwerbung des Doctorats utriusque juris bekanntlich sehr lange und bis in die jüngste Zeit hinein jüdischen Rechtsbeflissenen streitig gemacht. Die zweite Auszeichnung ist gestern Abend seitens des hiesigen Stadtverordneten-Collegiums ihrem mehrjährigen Mitgliede, Herrn Moritz Kohner, 1. Vorsteher der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde und Vorsitzender des Ausschusses des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, zu Theil geworden. Mit einer an Einstimmigkeit gränzenden Majorität wurde derselbe unter vier Canditaten zum unbesoldeten Stadtratl) gewählt. Auch diese Auszeichnung verdient einen besonderen Vermerk gegenüber der Thaffache, daß für die Juden Sachsens die politische Gleichberechtigung erst vor wenig Jahren zur Wahrheit zu werden begann. Hr. Moritz Kohner ist der erste Stadtrath israelitischen Glaubens in hiesiger Stadt wie in Sachsen überhaupt. Die Bedeutung seiner Wahl wird auch in nichtjüdischen Kreisen, wie die Auslassungen der politischen Tagesblätter bekunden, gebührend gewürdigt, ja, war, wenn wir recht unterrichtet find, an zuständiger Stelle zum Theil geradezu ins Auge gefaßt. Den seltenen Charaktereigenschaften und geistigen Fähigkeiten, den Bürgertugenden des Genannten ist durch dessen Ernennung zum Stadtrath die wohlverdiente Anerkennung gezollt worden; der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde gereicht sie zu nicht zu unterschätzender Ehre. Lemberg. Schon in Nr. 10 des hiesigen ״Israelit" — beileibe nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Blatte in Mainz — Organ des Vereins ״Schomer Israel", hatte die Redaction*) in sehr beredten Worten eine Aufforderung zur Berufung einer Vertretung der Gemeinden erlassen, um über die Hebung des Schulwesens zu berathen. Diese Aufforderung schloß mit den (auch für Deutschland theilweise Leherzigenswerthen, Red.) Worten: *) resp. ein Herr B. (Vierer?) Red.