Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 25 (18.6.1873)
- Date
- 1873-06-18
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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)י 195 — bcnsmittel erst kaufen, wenn die Araber alle ihre Einkäufe vollendet haben; ihr Zeugniß gilt nicht vor Gericht; jeder Araber kann einen Israeliten ״Verfluchter" schimpfen; wegen Beleidigung und Mißhandlung kann kein Jsraelite Klage erheben; sie dürfen ihr Wasser nicht im Flusse, sondern nur in stehenden Sümpfen aus weiter Ferne holen; sie werden gezwungen, die Straßen und Kloaken zu reinigen und Kehricht und Unrath aus der Stadt zu schaffen rc. rc. — Die Armen bitten ihre europäischen Glaubensgenossen um ihre Vermittlung zur Abstellung dieser schreienden Mißstände. — Die Berichte werden von der Allianz an Hrn. von Camondo und dem Local-Ausschuß in Constantinopel überwiesen, mit der Bitte, bei der Hohen Pforte Abhilfe zu veranlassen. 3) Gleiches geschieht in Bezug auf die Verfolgung der Juden in Smyrna (wovon wir ebenfalls schon gesprochen): ein Jude wurde von einem Griechen hinterrücks ins Meer gestoßen und dabei von einem eisernen Pfahl fast tödtlich verwundet; ein anderer wurde schrecklich mißhandelt, weil einige Weiber gegen ihn aussagten, .er habe ein Christenkind gestohlen und in seinen Korb versteckt. Der Gouverneur und der Erzbischof waren zu Gunsten der Mißhandelten eingeschritten. 4) Die stattgehabten halbjährigen Prüfungen im Lehrer- Seminar zu Paris zeigen den sehr befriedigenden Zustand dieser Anstalt und den großen Eifer der Schullehrlinge. 5) Hr. Alatri aus Rom bestätigt und erwidert seine Berichte über den traurigen Zustand der Judengemeinde dieser Stadt. Durch den hundertjährigen Druck ist sie aller Spannkraft, aller Energie, alles Gemeinsinnes beraubt; sie hat seit mehreren Monaten keine Verwaltung mehr, Niemand will ein solches Amt übernehmen, dessen Schwierigkeit jede menschliche Kraft zu übersteigen scheint. Das ganze Gebäude scheint in Trümmer zerfallen zu wollen. Hr. Alatri glaubt ein Hilfsmittel in der Gründung eines Local-Ausschusses der Allianz zu finden. Eorrejponäenz. Dresden. Der Generalconsul Peixotto weilt augenblicklich in unserer Mitte. Vorigen Sabbath besuchte er die Synagoge, und Hr. 1)1•. Landau benutzte diese Gelegenheit, die Gemeinde auf die Anwesenheit und die hohen Verdienste dieses Mannes aufmerksam zu machen. Dem warm erglühenden Herzen für die Drangsale seiner Glaubensgenossen, von einem halbcivilisirten, in barbarischem, rohem Zustande lebenden Volke verfolgt und bedrückt; dem Manne der ״That", der die idealen Ziele unserer Thora unter Aufopferung alles deffen, was den Menschen an das Haus und die Heimath feffeln kann, zu realisiren die innere Kraft hat; dem wahren, aufopferungsfähigen Nachkommen Abrahams; dem גברא רבא, dem sonst die Welt in ihrer dumpfen Resignation auf Erreichung der idealen Höhe ihre Anerkennung versagt, während sie, gleich den babylonischen Narren, dem Buche, das das Ideal enthält, ihre Reverenz macht — galt vorzüglich seine tiefempfundene, im eigenen Herzen entzündete und entzündende Apostrophe. Seinem Wunsche צלח ורכב גבר schloß sich die Gemeinde durch ein allseitiges Amen! an. Kernburg, 3. Juni. Am vergangenen Freitag Abend erschallten beim Gottesdienste zum ersten Male die Töne der neuen Orgel, und war in Folge dessen der Besuch des Gottes- Hauses ein ungewöhnlich zahlreicher. Man sah, daß die weihevollen Klänge ihren Eindruck auf die Anwesenden nicht verfehlten und die Andacht derselben wesentlich erhöhten. Die Choräle und anderen Gesänge, in Begleitung des Instrumentes von Damen und Herren ausgesührt, wurden trotz der sehr kurzen Zeit zur Einübung recht präcise vorgetragen und fanden allgemeinen Anklang. Den Glanz- und Mittelpunkt des Abends bildete die treffliche Weihrede des greisen und altbewährten Kanzelmeisters Dr. Herxheimer. Anknüpfend an die Anfangsverse des 92. Psalmes wies der Redner aus der heiligen Schrift wie aus der späteren Zeit und Vernunftgründen nach, daß die Orgel zulässig sei (und zu einem geregelten Gottesdienste fast unerläßlich). Treffend löste er die Frage: warum denn, wenn beim Tempeldienste Gesang und Musik Platz hatten, in späteren Jahrhunderten sie verstummt seien, mit den ungefähren Worten, daß die Zeiten der Verfolgung allmälig jede Fröhlichkeit und jeden Gesang auch beim Gottesdienste schwinden ließen, daß aber die Jetztzeit uns alle Ursache gebe, ebenso wie den Gesang auch das entsprechende Musikinstrument in unsere Gotteshäuser einzuführen, und wie wenig auch der bekannte Einwurf חקוח חגר auf Aneignung des Guten anwendbar sei. Schließlich dankte der Redner dem hochherzigen Spender der Orgel und erflehte Segen auf ihn, ermahnte die Gemeinde zur Dankbarkeit gegen den Schenker dadurch, daß das Instrument den Sinn für den Besuch des Gotteshauses immer mehr fördere, damit es nicht ein stummer Zeuge des Jndifferentismus werde. Die Gemeinde verdankt das schöne Geschenk der Munificenz eines vormaligen Mitgliedes, des Particulier M. Heß in Leipzig, welcher wegen Krankheit leider behindert war, der Feier beizuwohnen und als seine Vertreter einige Familienglieder hierher gesandt hatte. Hoffen wir, daß die Orgel den Sinn für fleißigeren Synagogenbesuch rege mache und erhalte und die sehr vereinzelte Opposition gegen diese Neuerung(?) allmälig sich mit ihr aussöhne und befreunde. E. Deft, 5. Juni. (Die Geldkrise und der ungarische Cultusminister.) Vorläufig verschafft die Geldkrise nur unserem Finanzminister das Vergnügen sich beinahe täglich