Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 24 (11.6.1873)
- Date
- 1873-06-11
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m 189 heranzubilden. Wir empfehlen daher das Unternehmen unseren geehrten Lesern. Herr M. Gottschalk Lewy in Berlin, Französische Straße 17, nimmt Mittheilungen entgegen, versendet Aufrufe und ist zu jeder Auskunft bereit. Jlumlfcliau. 95. Mannheim. Hier starb der verdiente Lehrer Weil, früher an der jüdischen, zuletzt an der städtischen Gemeindeschule angestellt. Die jüdischen Lehrer, welche am Tage seiner Beerdigung in Heidelberg eine Versammlung hatten, gaben ihrem Collegen Zahlreich das Geleite. Er war Allen ein treuer Genosse gewesen. Mit ihm sei Friede! 96. Zur israelitischen Wohlthütigkeits-Lotterie in Paris hat der Präsident der Republik, Thiers, zwei sehr hübsche Vasen von Sövres-Porzellan beigesteuert. 97. Die französischen israelitischen Blätter widersprechen der vom ״Moniteur" gebrachten Nachricht, als beabsichtige das Pariser Consistorium einen Vorsänger und einen Religionslehrer für die als Theilnehmer an der Commune zur Verbannung verurtheilten Israeliten nach Neu-Caledonien zu senden. Die Zahl der vor Gericht gestellten oder gar verurtheilten Israeliten sei dazu viel zu unbedeutend. — Desto besser! ' 98. Lobsens. (Posen.) (Eine Abiturientenplatze.) Ein hiesiger junger Mann, Namens L., machte vor Kurzem das Abiturienteneramen in Thom, und als der dortige Director die schriftlichen Arbeiten für die ganze Woche auch für Sonnabend ankündigte, erklärte L., von der Prüfung zurücktreten zu müssen, falls die schriftliche Arbeit am Sonnabend nicht verschoben würde. Der Director bestand auf seinem Befehl, indem er behauptete, die sechs schriftlichen Arbeiten müßten gesetzmäßig in einer Woche beendet sein, und müßte sonach auch Sonnabend eine solche geliefert werden. Wenn er auch L. zu Gunsten seinen Sonntag opfern wollte, so könnte er es nicht thun künftiger Fälle wegen; doch sollte L. die Arbeiten nur bis Freitag machen, vielleicht würden dessen religiöse Bedenken inzwischen gehoben werden. Am folgenden Tage erhielt L. auf seine nochmalige Anfrage einen ähnlichen Bescheid mit der Bemerkung, daß die Schule mit jener Forderung die jüdischen Schüler nicht zwinge, das Religionsgesetz zu übertreten, da dieselbe kein Interesse daran habe, daß die Schüler das Examen machen. Hierauf wandte sich L. an den Thorner Synagogenvorstand, und als auch der Rabbiner D1-. Oppenheim vorn Director eine abschlägige Antwort erhalten hatte, wandte sich der Vorstand an das Provinzial-Schul-Collegium zu Königsberg. Es gelang hier auch den Bemühungen des Vorstandes der Thorner Gemeinde, namentlich des Herrn Nathan Leiser und des Rabbiner Dr. Nürnberger zu Königsberg, daß ein Ausnahmefall gestattet werde. Die Arbeit am Sabbath wurde auf Montag verschoben, nachdem die übrigen Abiturienten gern in die Verschiebung eingewilligt hatten. In seiner Zuschrift an den Vorstand erklärte der Director, es sei ihm vom Schulrathe erlaubt, vom Gesetze in diesem Falle abzuweichen, wenn sonst kein Nachtheil für die anderen Abiturienten daraus hervorginge. Er thue dies gern, da er L. persönlich besonders gewogen sei. (N. d. Schz.) 99. N., den 17. Mai 1873. Die französisch-jüdischen Zeitblätter, indem sie ihren Lesern Bericht über die Krawalle zu Stuttgart — den eines derselben, durch einen Druckfehler wohl, nach Carlsruhe verlegt — zu Mannheim und Frankfurt erstatten, weisen mit einigem Hohne darauf hin, daß in dem sich so hoch civilisirt dünkenden Deutschland solche Scenen gegen die Juden möglich seien. Aber sie sollten bedenken, daß nur bei dem Krawall in Stuttgart der Streit eines Soldaten mit einem jüdischen Händler den Anlaß gab, daß aber weder in Mannheim noch in Frankfurt die Bewegung in irgend einer Weise gegen die Juden gerichtet war. Wenn die ״Juden" genannt wurden, so geschah dies nicht etwa aus Haß gegen das Judenthum, sondern aus leicht begreiflichen, in diesen Blättern hervorgehobenen ״socialen" Antipathien. Wer die Gesinnungen und Ansichten der niederen Kreise kennt, von denen der Tumult ausging, weiß, was er davon zu halten hat: es ist dies die Art, wie der Plebs die allerdings noch der Lösung harrende sociale Frage seinerseits zu lösen versucht und die Anregung zu der Weise, wie dies geschieht, — wir sprechen aus Erfahrung von selbst Gehörtem und Gesehenem — haben wir zunächst der Pariser Commune zu danken. So wenig wir aber gemeint sind, diesen Auswuchs der französischen Gesellschaft mit Frankreich und dem französischen Volke zu identisiciren, so wenig sollte man in Frankreich die deutsche Nation und ihre Civilisation für die rohen Ausbrüche eines zumeist aus leichtsinnigen jungen Arbeitern bestehenden Pöbels verantwortlich zu machen suchen. Feuilleton. Eine Parabel aus der Darwinschen Schöpfungsgeschichte. Herr Professor vr. E. Richter in Dresden, ein geborener Leipziger, hat sich durch sein rüstiges Vorwärtsstreben seit lange einen hochgefeierten Namen gemacht. Nicht zufrieden mit dem Ruhme, ein außerordentlich gefeierter Arzt zu sein, hat er unaufhörlich für Reform in der körperlichen und geistigen Ausbildung unserer Jugend gekämpft — oft mit einer