Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 23 (4.6.1873)
- Date
- 1873-06-04
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Alliance israelite. (Schluß.) 8) Der englische Zweigvercin schlägt vor, daß die Alliance überall hin die näheren Berichte sende, die sie über den Zustand der Juden in Persien besitzt, und jede Gemeinde einlade, danach eine Petition zu entwerfen, die sie dem Schah von Persien bei seinem bevorstehenden Besuche in Europa überreichen solle. — Angenommen. 9) Hr. David B. Russo, Vorsteher des Local-Ausschusses zu Belgrad, theilt nachstehende Thatsache mit: Hr. Jsaac Altara, 22 Jahre alt, aus Bosna-Serai gebürtig, lebte seit mehreren Jahren in Servien, wo er als Hausirer sich redlich ernährte. Am 6. Februar, als er das Städtchen Uziza verließ, um zu seiner Familie nach Bosnien zurückzukehren, wurde er von mehreren Servier» angegriffen, nach kurzem Kampfe niedergeschlagen, mit Beilhieben getödtet, der Leichnam geplündert und eingescharrt. Die Ortsbehörde that nichts, um die Verbrecher zu ermitteln. — Das Bureau der Allianz hat sich in dieser Sache bereits an den französischen General- Consul in Belgrad gewendet. Man beschließt, Hrn. Russo noch um nähere Angaben zu ersuchen. 10) In Rußland scheint, einem Briefe von St. Petersbürg zufolge, die Intoleranz neuerdings wieder um sich zu greifen. Ein kaiserliches Decret vom 10. — 22. December letzthin ertheilt den Gymnasial-Directoren das Recht, israelitische Zöglinge selbst dann zurückzuweisen, wenn sie alle nöthigen Vorbedingungen für die Aufnahme erfüllen. — Da Dr. Landsberg bemerkt, diese Nachricht stehe im Widerspruch mit den bisher allseits gemeldeten toleranten Gesinnungen der russischen Regierung, I)r. Treuenfels aber von Schritten bei der russischen Regierung, als unwirksam, abräth und der Correspondent selbst keine Schritte Seitens der Alliance beantragt, so beschränkt sich diese vorläufig auf die Veröffentlichung der ihr gemeldeten Thatsache. 11) Die Israeliten von Cana in Jemen (Arabien) bitten um Verwendung der Alliance beim Sultan in ihren großen Leiden, die sie in einem äußerst rührenden Briefe schildern. Seit 86 Jahren, sagen sie, hat man die Israeliten gezwungen alle Abtrittsgruben der ganzen Stadt zu reinigen, d. h. wir mußten die Arbeiter bezahlen; seit 12 Jahren aber geht man so weit, Anfangs die Vorsteher der Gemeinde, dann alle Glieder derselben zu zwingen, diese Arbeit selbst zu verrichten. Die Gelderpressungen nahmen kein Ende: bald mußten wir dem Könige beisteuern, weil er in den Krieg ziehen wollte, bald erlitten wir Geldstrafen, weil wir ihm nicht Ehre genug erwiesen; heute mußten wir zahlen, um nicht ausgetrieben, um geduldet zu werden, morgen, weil wir gehen wollten; man zwang uns, zu übermäßigen Preisen Gegenstände zu kaufen, die wir durchaus nicht nöthig hatten" oder die werthlos waren, Schwefel und Blei, die vor langer Zeit als Kriegsbedürfnisse aufgehäuft waren, oder schlechtes Vieh, oder verdorbene Lebensmittel, die man zu diesem Zwecke absichtlich hatte verderben lassen. Seit der Eroberung des Landes durch den Sultan der Türkei im Jahre 1871 sind wir allerdings beschützt und nicht mehr so gedrückt. Aber noch wagen wir es nicht, die schwarzen Kleider abzulegen, die man uns zu tragen zwingt und woran man uns erkennt; auf den Straßen verfolgt man uns mit Schimpfreden, wie Esel, Hunde rc.; kleine Kinder überhäufen die achtungswerthesten Israeliten mit Schmähungen, die sie stillschweigend hinnehmen müssen und fortwährend werden uns die drückendsten Steuern auferlegt. Schreiben wir darüber nach Constantinopel, so werden unsere Briefe aufgefangen." Der Ausschuß wendet sich an das Local-Comits zu Constantinopel und ersucht es, Schritte^hei der Hohen Pforte zu thun, deren wohlwollende Gesinnung ihm so wohl bekannt ist. 12) Die fanatische Bevölkerung in Smyrna, die schon im Juni vorigen Jahres das Judenviertel belagerte und die Juden hart bedrängte, scheint, nach Vorgängen vom 16. bis 20. d. M. zu urtheilen, ihre Verfolgungen von Neuem beginnen zu wollen. Ein Grieche warf einen Juden ins Meer, der glücklicher Weise noch gerettet wurde. Das Local-Comitä zu Smyrna hat beim General-Gouverneur Schritte gethan und wünscht die Beihülfe der europäischen Consuln vermittelst des Central-Ausschusses. Dieser wendet sich an die französische Negierung mit dem Ansuchen, dem französischen Consul in Smyrna die nöthigen Weisungen zukommen zu lassen. 13) Der Ausschuß zu Kaiffa (in Palästina) beklagt sich sehr über den dortigen Consul, einen gebornen Syrer, welcher alle europäischen Mächte daselbst vertritt, und der, anstatt die Israeliten zu beschützen, sie ruhig durch Araber und seinen eigenen Dragoman (Dolmetscher) mißhandeln läßt. — Der Central-Ausschuß sendet das Schreiben an Hrn. Carl Netter in Jaffa mit den: Aufträge, bei Hm General-Consuln in Jerusalem Klage zu führen. 14) Hr. Foy aus Paris gibt eine Schilderung des traurigen Zustandes der Judengemeinde in Rom. Die Gemeinde zerfällt in eine große Anzahl von Corporationen und entbehrt deshalb dis Mittel zur Erhaltung derjenigen Einrichtungen, die für das religiöse Leben unumgänglich nöthig sind. Er fragt an, ob der Central-Ausschuß nicht, für einige Jahre wenigstens, zum Gehalt eines anzustellenden Oberrabbiners Beitrag leisten wolle. Hr. Israel Costa von Livorno hat sich vergebens bemüht, nur einen Local-Ausschuß der Alliance in Rom zu Stande zu bringen. Die Gemeinde, meldet Hr. Costa gleichfalls, sei in völliger Zerrüttung, wahre sich gegen jede