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Jüdische Volkszeitung · 1873-05-14 · 20 (14.5.1873) · p. Seite 156

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
20 (14.5.1873)
Date
1873-05-14
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 als subjective Meinungsäußerungen und nicht als objecüve Wahrheiten aufzunehmen. Diese Erlaubniß werden aber — deß bin ich überzeugt — mit mir sehr viele andere Leser dieser Blätter für vorliegenden Fall in Anspruch nehmen. Jeden derselben, der meine Exposition über ״Akedah und Akedahgebete" in Nr. 13 und die gegentheilige Darlegung des genannten Herrn, in Nr. 16 aufmerksam durchgenommen, möchte ich nämlich — ohne der Würde des Letzteren im Geringsten nahe treten zu wollen — unparteiisch fragen: Findet auf das, was derselbe im Widerspruche mit meinem Diseurs vorgebracht, nicht die Einrede der Schüler R. Jochanan's gegen seine einem Heiden ertheilte Antwort (Midr. Rabb. Numer. 19) Anwendung: Den hast Du mit einem gebrechlichen Rohr abgewiesen? Abraham und Isaak und allen ihren Nachkommen soll eine für alle Zeiten und durch tausend und aber tausend Tode zu bewährende Cardinallehre durch eine eclatante Thatsache unverlöschlich eingeprägt werden, aber dieses, so anziehend, ja ergreifend und bis in die kleinsten Details umständlich und nachdrucksvoll berichtete Factum soll doch nichts weiter als — eine Mythe, Legende, ein pures Phantasiegebilde sein, das nimmer auf Wahrheit beruhen könne, weil — der ״Gott der Liebe" (den schon Abraham verehrt, der aber — beiläufig gesagt — in Israel doch in wesentlich anderem Geiste aufgefaßt wird als anderwärts) kein fühlendes Vaterherz auf eine so harte Probe stellen könne. Und doch stellt er uns im Einzelleben gar nicht selten auf ähnliche Proben und hat Israel Jahrtausende hindurch dieselben in unzähliger Menge bestehen lassen, wofür eben — wie dies in jenem meinem Aufsatz auseinandergesetzt — Abraham's That als ewiges Musterbild vorleuchten sollte. Wie wenig Aehnlichkeit diese übrigens bei richtiger, nicht gewöhnlicher, Auffassung mit der Idee heidnischer Menschenopfer in sich trage, glaube ich dort ebenfalls ohne Deutelei und ungesucht manifestirt zu haben, was ich gleich allem anderen dort Gesagten jedes Unbefangenen Urtheile getrost anheimstelle. Ohne Akedah — das wage ich darum nochmals und mit verstärktem Nachdruck zu behaupten — ״Jckar chaßar min Hassefer" fehlt in Abraham's Leben der Schlußstein, ist dasselbe wie ein Gebäude ohne Dach und Giebel, wie ein Rumpf ohne Haupt; wollen wir dem Könige Krone und Diadem vom Haupte nehmen? Schließlich möchte ich mir noch die Bemerkungen gestatten, daß das Judenthum von einem Sündenfall nichts weiß und nichts hält, dieser vielmehr behufs ganz antijüdischer Dogmen aus der Erzählung von der ersten menschlichen Sünde, dem Prototyp der menschlichen Sündhaftigkeit überhaupt, herausgekünstelt ward, und daß mir die Deutung des Widders in der Aksdah — mit Verlaub — recht gezwungen und nicht anders als alexandrinische Deutelei erscheint. _ Dr. M. Stern. Torresponäenz. Wien. (Israelitische Allianz.) Montag den 14. v. M. fand im Saale der Handelsakademie die constituirende Ver« sammlung der ״Israelitischen Allianz zu Wien" statt. Herr Joseph Ritter von Wertheimer eröffnete als Alterspräsident die zahlreich besuchte Versammlung, erklärte den Verein für constituirt und verlas sodann den Rechenschaftsbericht. Die Allianz bezweckt zunächst die Unterstützung der leidenden Brüder im Orient. Einnahmen an Fonds und Jahresbeiträgen werden ausgewiesen bis zum 12. April d. I. 30,500 fl. in Rente und 33,251 fl. in Baarem. Verausgabt wurden für Unterstiitzungen in Rumänien 8000 fl., für die Sustentation eines rumänischen Rabbinats- Canditaten 150 fl., an 37 zurückgekehrte Auswanderer 1091 fl. 51 kr., für Unterstützungen in Smyrna 2000 fl. Die Regie-Auslagen betrugen 281 fl. 88 kr. Das Gesammtvermögen des Vereines beträgt 30,500 fl. in Rente und 18,010 fl. in Baarem. Hierauf nahm Hr. Kuranda als Präsident der Cultusgemeinde das Wort und betonte, daß man vorerst für Hebung des Volksunterrichtes in unserem Vaterlande zu wirken habe. (Bravo!) Dies habe durch Gründung und Erhaltung von Schulen in unseren rasch verarmenden Landgemeinden zu geschehen. Die Allianz übernehme auf diese Art nicht nur eine externe, sondern auch eine interne Mission. (Bravo!) Anschließend hieran hebt Dr. Hönigsmann die Nothwendigkeit der Gründung von Filialen, insbesondere für Galizien hervor. Dr. Landesberger constatirt ebenfalls, daß die Gründung der Allianz, welche vor Allem die sociale Emancipation anzustreben habe, einem tiefgefühlten Bedürfnisse entspreche, und legt der zu wählenden Vorstandschaft ebenfalls ans Herz, so viele Filialen als möglich zu errichten. Zum Schluffe wurde zu den Wahlen geschritten. Das Scrutinium ergab als gewühlt in den Vorstand die Herren Gustav Ritter v. Epstein, Moritz Ritter v. Goldschmidt, David Guttmann, Moritz Freiherr v. Königswarter, Joseph Mautner, Adolph Neustadt, M- Ritter v. Pollak, Felix Roth, Dr. Julius Satin, Alfted Tauber, Eduard Freiherr v. Todesko und L. Ritter v. Wertheimstein; in den Beirath die Herren Jacob Brandeis, E. Baumgarten, S. Gottlieb, Dr. M. Güdemann, Hieldburghäußer, Dr. A. Jellinek, Dr. H. Tnepler, Dr. L. L. Kompert, Dr. I. Kuranda, L. Ladenburg, L. Ritter v. Popper, B. Singer, Karl Ritter v. Weil, W. Wertheim, E. Wiener Ritter v. Welten und S. Pappenheim. Przemgsk, 22. April 1873. Am letzten Tage des Passahfestes, Nachmittags, war hier ein starker Regenguß, welcher die ganze Stadt Przemysl überschwemmte. Der dadurch entstandene Wasserstrom riß Mauern und Häuser ein und verursachte großen Schaden. Jämmerliche Hilferufe er-

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