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Jüdische Volkszeitung · 1873-05-07 · 19 (7.5.1873) · p. Seite 149

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
19 (7.5.1873)
Date
1873-05-07
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 Von Dr. Leopold Stein's ״Aus dem Westen" liegt der 12. und 13. Vortrag. Beide sind Fortsetzung einer Serie von Vorträgen unter dem Gesammttitel ״die Quellen des Lebens". 12. Vortrag: die Quelle des Familienlebens zum Vorabend des Versöhnungstages,13 ׳. Vortrag: die Quellen des Geschäftslebens sam Versöhnungstagmorgen). — Die goldenen Worte der Bibel. Ein Lebensbuch für Jedermann. Zum ersten Male systematisch geordnet. Von Adolph Kohut. (Leipzig, A. Herrmann's Verlag.) Ein höchst verdienstvolles Werk! Der Verfasser hat mit großem Fleiße, mit Geschick und Tact den größten Theil der belehrenden Bibelstellen — einschließlich der Apocryphen, Ben Sira und den Sprüchen — zusammengestellt und ihrem Inhalte nach übersichtlich und systematisch geordnet. Wer die Bibel ihrem ganzen Umfange nach selbst nicht kennt, wird durch diese Zusammenstellung erst gewahr, welcher Reichthum, welche Fülle an wahrhaft goldenen Worten sie enthält und wie es in Wirklichkeit kein Werk gibt in der ganzen Weltliteratur ״worin die erhabensten und geläutertsten Ansichten über Gott, Religion und unsere heiligsten idealen Güter, die schönsten und sinnigsten Anschauungen über Natur und Welt, die gewaltigsten und tiefsten Ideen, die nur je ein Menschenherz bewegten, die welterlösenden Lehren der schrankenlosesten Humanität, die unerschütterlichen Principien des Guten und Edlen, des Wahren und Schönen, der Tugend und Gerechtigkeit, sowie auch die wahrhaft vernichtenden Gottesworte gegen alles Schlechte und Gemeine, gegen Laster und Sünde, gegen Lug und Trug in solch unauslöschlichen Flammenzügen eingegraben wären, wie in der Bibel." Das Werk ist darum ein Buch für Jedermann, ein Schatz, in dem wir zu jeder Zeit das finden an Geistes- und Herzensnahrung, was wir gerade zur Erleuchtung und Erbauung suchen und wünschen. Es ist insbesondere aber auch für den Prediger ein Nachschlagewerk, worin er die Worte der Bibel über einen Gedanken wohlgeordnet zusammenfindet. Es ist schließlich für den Lehrer beim Unterrichte das beste und vollständigste Spruchbuch, wie wir es in gleicher Vollständigkeit und Gediegenheit noch nicht besitzen. Es ist eines jener Bücher, welches dem Einen ein unentbehrliches Hilfsbuch, Andern ein Freund in jeder Lebensläge wird. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir an die verdienstvolle Schrift desselben Verfassers: Alexander von Humboldt und das Judenthum. Ein Beitrag zur Culturgeschichte (Leipzig 1871), von welcher nach 6 Wochen schon eine zweite Auflage erschien. Der Verfasser, der eine sehr scharfe Feder führt und unstreitig einer der schneidendsten Publicisten unserer Zeit ist, hat dabei das seltene Geschick, auszuwählen und zu sichten, tntt Kenneraugen die Goldkörner auszuscheiden, und mit dem Ernste eines gewiegten Systematikers anzuordnen. Möge sich seine Kraft zum Guten auch für die Zukunft bewähren. — Hundertundzwanzigjähriger Doppel - Kalender der jüdischen und christlichen Zeitrechnung von 5541 bis 5660 und von 1781 bis 1900 nebst den Jahres- und Monatsformen des immerwährenden christlichen und jüdischen Kalenders. Zur leichteren Umwandlung des einen Datums in das andere übersichtlich dargestellt von vr. Max Simon. (Berlin 1873. Wolf Peiser's Verlag.) Der geschützte Leser erkennt am Titel, was er hier zu suchen hat. Das Merkchen, neun Tabellen, zeichnet sich von ähnlichen anderen Schriften durch Uebersichtlichkeit, Kürze, Klarheit und Handlichkeit aus. FeuiEketon. Eine seltene Selbstverleugnung. Aus dem Englischen übersetzt von Bergmann. Als Raschi, der berühmte, aber arme Lehrer, sein 60. Lebensjahr erreicht hatte und seine Lebenskraft schwinden sah, hätte er gerne erfahren, wer dereinst im himmlischen Eden sein Genosse sein werde. Er sagte sich selbstprüfend, daß seinem Eingänge in die Sphären des Lichtes ein eigentliches! Hinderniß nicht leicht entgegenstehen könne. Vielmehr lebte er der Zuversicht, daß der goldene Stuhl und Tisch, worauf die Perlenkrone für sein Haupt niedergelegt sei, ihm nicht fehlen werde. Nur der Wunsch, wer ihm dort zur Seite sitzen werde, schwebte als unsicherer Gedanke ihm vor. Hierüber möglichst hienieden schon Gewißheit zu erlangen, das war's, was ihn beschäftigte. Nachdem er längere Zeit in Gebet und strenger Enthaltsamkeit und Kasteiung zugebracht hatte, erblickte er im Traumgebilde, daß sein Genosse Abraham ben Gerson, genannt der Zaddik, zu Barcelona wohne. Soweit über die Zukunft verständigt, fühlte Raschi ein heftiges Verlangen, seinen himmlischen Zukunftsfteund schon hienieden kennen zu lernen. Zu diesem Zwecke unternahm er unverzüglich eine Reise nach Barcelona. Er konnte sich seinen imaginären Freund nur mit einem blassen Gesichte, mit tief liegenden Augen, einem langen Barte und gebeugter Stellung denken, kurz, als einen Mann, der Tag und Nacht das hl. Gesetz studiere, faste und bete; denn nur ein solcher verdiene den Beinamen ״Zaddik" der Fromme. Wie groß war aber Raschi's Erstaunen, als er, in Barcelona angelangt, einen Abraham Zaddik nicht auffinden konnte. Allerdings gab es dort der Zaddikim, wie sie das tägliche Leben zeigt, gar manche; unter allen aber keinen Abraham ben Gerson. Auf Befragen hielt man ihm verwundernd entgegen:

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