Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 19 (7.5.1873)
- Date
- 1873-05-07
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 148 — 4■» h ן nannten sich Toleranzedicte und waren Zeugnisse der Intoleranz." Im Jahre 1847 wohnten in Wien 197 tolerirte jüdische Familien. Jetzt wohnen in Wien — nach der Zählung vom 31. December 1869 — 40,230 Israeliten, 6,62% der Gesammtbevölkerung, und zwar 22,733 Personen männlichen und nur 17,497 Personen weiblichen Geschlechtes. Während die gesammte männliche Bevölkerung um 2,42°j0 geringer war als die der gesammten weiblichen, repräsentirt die Ziffer der Israelitinnen eine Minderdifferenz von 29,92 %. Eine sehr auffallende Verschiedenheit! Dieses Verhältniß erklärt sich jedoch durch die große Zahl männlicher jüdischer Fremden in Wien, mit der die Zahl der weiblichen Fremden in keinem Verhältnisse ist. Immerhin ist das Sexualverhältniß äußerst günstig. Nachweisbar gibt es Kinder von 1—10 Jahren 12,05% männlichen und 11,03% weiblichen Geschlechtes. Wir können unmöglich dem nach Inhalt und Form ausgezeichneten Merkchen in die Masse der Details folgen, das durchaus interessant ist und gelesen werden muß, und von dem wir mit dem Gefühle der Befriedigung über das Geistesleben und Streben einer edlen jüdischen Gemeinde scheiden, indenr wir zum Schluffe nur noch eine Notiz anfügen. ״Im Jahre 1869 zählte die Cultusgemeinde unter ihren ״Angehörigen: Einen k. k. Hof- und Ministerialrath, 14 an- ״dere Staatsbeamte —, und an Militärs a. D. 1 Major ״und 5 Subaltern-Officiere. Ferner 4 kaiserliche, 4 Gemeinde- ״und 5 Handelskammerräthe, 2 Abgeordnete in den Reichs- ״rath und 2 Mitglieder des Herrenhauses, von denen Einer ״Präsident der Handels- und Gewerbekammer in Wien ge- ״wesen, 16 adelige, 24 ritterliche und 4 freiherrliche Familien. ״Endlich an staatlichen und privatlichen Unterrichtsanstalten: 2״ ordentliche und 2 außerordentliche Professoren an der ״Wiener Universität, 2 Professoren am Consecvatorium der ״Musik, je 1 Professor an der Akademie der bildenden Künste ״und an der Handelsakademie, 2 Primären an öffentlichen ״Krankenhäusern und letztlich 2 pensionirte Gymnasial- ״Professoren." — «fWimlfduiu. 82. Hannover, 16. April. Ein hiesiger geachteter jüdischer Arzt, Dr. Edel, hatte sich geweigert, einen ihm geborenen Knaben der rituellen Beschneidung zu unterwerfen. Als dieses Kind vor einigen Tagen starb und Dr. Edel die Beerdigung desselben auf dem jüdischen Friedhofe nachsuchte, erhielt er vom Vorstande des Wohlthätigkeitsvereins der Synagogengemeinde Hannover, Dr. Sam. Meyer, eine Zuschrift, in welcher es nach dem ״Hann. Cour." heißt: ״Wir haben, so aufrichtig wir Ihren Verlust beklagen, doch im Hinblicke auf die Ihnen s. Z. bei Verweigerung der Beschneidung durch den Unterzeichneten gemachten Eröffnungen zu constatiren, daß wir einstimmig der Ansicht sind, daß dem Kinde, da es factisch dem Judenthum entzogen ist, ein Platz auf dem jüdischen Friedhofe eigentlich nicht gebühre. Jndeß wollen wir Ihrem Wunsche insoweit Rechnung tragen, daß wir die Beerdigung auf einem besonderen Platze unseres Friedhofs gestatten wollen, aber als Verein unsere Mitwirkung dabei zu unserem Bedauern versagen müssen. Unser Pedell wird angewiesen werden, das Nöthige zu besorgen, wobei selbstverständlich vorausgesetzt ist, daß den rituellen Bedingungen in jeder Weise Genüge geleistet werde." Zum Verständniß ist zu bemerken, daß der ״Wohlthätigkeitsverein" die Beerdigungsangelegenheiten der Gemeinde zu leiten hat, und der Vorsitzende desselben, welcher das Schreiben unterzeichnet hat, der Rabbiner ist. Das Kind des Dr. Edel ist in einem abgesonderten Winkel des Friedhofs beerdigt worden. Literarisckre Notizen. Von Herrn Rabbiner Dr. Silberstein in Butten- Hausen (Württemberg) liegt ein Vortrag in einer Brochure vor: ״Die sociale Frage und die mosaische Gesetzgebung", welche wir unseren Lesern aufs Wärmste empfehlen. Sie berührt ein Gebiet, das unsere Aufmerksamkeit in der Gegenwart in hohem Grade in Anspruch nimmt. Der Herr Verfasser hat diesen Vortrag in einer geschloffenen Gesellschast gehalten, in welcher die Elite der Stadt und Umgegend versammelt war und ist vom Vorstande derselben ausdrücklich zur Drucklegung aufgefordert worden. Es ist selbstverständlich, daß ein solches Auditorium Reserve auferlegt und der Redner hat es verstanden, mit großem Tacte der so naheliegenden Versuchung auszuweichen, gleichsam pro domo zu sprechen. Es hat stets seine Schwierigkeit — und gerade in diesem Augenblicke vielleicht mehr als je — vor Christen über Judenthum (Mosaismus) zu sprechen und doch können wir zuweilen nicht ausweichen. Die Leser finden in dieser kurzen Schrift eine reiche Quelle der Belehrung über den beregten, sehr interessanten Gegenstand. — R. A. Prager, Bücher-Auctionsinstitut in Berlin, ver-. sendet gratis den Catalog*) der reichhaltigen Zedner'schen Bibliothek, welche eine große Partie guter und seltener Hebraica und Judaica enthielt, desgleichen einen Catalog juridischer Schriften aus der Bibliothek des Kreisgerichtsdirectors Frank und endlich ein Verzeichniß polnischer Schriften. *) Uns leider erst lange nach der Auction zugekommen. 1V