Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1873-04-30 · 18 (30.4.1873) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
18 (30.4.1873)
Date
1873-04-30
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9588641-9578452-9578606--162-9578613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 143 — Judenthums: Für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder ergeben sich im Durchschnitte der Jahre 1861 bis 1870: Trauungen 2,280; Geburten 22,978, Sterbefälle von Kindern bis zum 5. Jahre 9286, Sterbefälle im Ganzen 17,568. Die Mehrzahl dieser Zahlen zeigen für die Juden unbestreitbar günstige Ergebnisse. So überwiegen die Geburten über die Sterbefälle bei den Juden um 30,8, bei den übrigen Confessionen um 28,6 Procent, und wenn nach der gemeiniglich angewendeten Formel die eheliche Fruchtbarkeit, als Quotient der auf eine abgeschlossene Ehe entfallenden Kinder, berechnet wird, so ergeben sich für die Israeliten 10,1, für die übrigen Confessionen 4,5 Kinder auf eine Ehe*), wodurch die eheliche Fruchtbarkeit der Israeliten mehr als doppelt höher steht. Dagegen ist die Sterblichkeit der Kinder bis zum 5. Lebensjahre bei den Juden eine erheblich größere, sie beträgt 52,9 Percent allez: Sterbefälle, gegen 48,1**) Percent bei den übrigen Confessionen. Daß die Israeliten viel eher zur Ehe schreiten, als die Anhänger anderer Confessionen — in jenen Ländern — ist bekannt und oft genug gerügt worden. Aus diesem Theile der vorliegenden Schrift führen wir noch an, daß nach dem Durchschnitt der Geburten 128,5 Knaben auf 100 Mädchen entfallen, was ein äußerst günstiges Sexualverhältniß wäre. Auffallend und eigenthümlich ist die Aufftellung der unehelichen Geburten. Hiernach wären unter den geborenen jüdischen Kinder« uneheliche: in Niederösterreich 3,5 °/0; in Böhmen 2,2°/0; in Mähren l,9°/0;,in Schlesien 1,9°/0; in Galizien 13,9 °/0 und in der Bukowina sogar 44,80/0. In den vier ersten Ländern ist dies Verhältniß dem der Gesammtbevölkerung gegenüber äußerst günstig; denn es entfallen hier in Niederösterreich 30,9, in Böhmen 16,6, in Mähren 13,7, in Schlesien 10,2 °/0 uneheliche Geburten, während in Galizien — wo die Gesammtbevölkerung nur 8,7 und in der Bukowina, wo sie 11,2 zählt — das Verhältniß ein äußerst ungünstiges wäre.***) Die Sterblichkeitsstatistik zeigt für die Juden in den Sudetenländern, Böhmen- und Mähren, bessere Verhältnisse als für die übrigen Glaubensgenossen, während sie in Galizien und besonders in der Bukowina weit höher sind und hier insbesondere viele Kinder unter 5 Jahren sterben. Es knüpfen sich hieran so außerordentliche sprechende Beweise für den ) Es scheint uns dies jedenfalls auf einen falschen Schluß zu beruhen. Red. **) In Deutschland nur 33,5%. Red. ***) Diese Zahlen würden eine erschreckliche, in der Judenheit unerhörte und beispiellose Jmmoralität Nachweisen, wenn wir nicht annehmen, daß wahrscheinlich illegale Ehen von Rabbinen ohne Ersüllung der gesetzlichen Vorschriften die Ursache sind. Red. Einfluß der Cultur auf Sittlichkeit, Wohlsein u. A. m., daß wir nur ungern der Versuchung widerstehen, diese Schlüsse zu ziehen, die übrigens der Leser selbst ziehen kann! Den weiteren reichen Inhalt dieser in ihrer Art einzigen Schrift können wir nicht berücksichtigen. Er enthält die Details und Statuten einzelner Gemeinden. Wir werden uns demnächst der schon ««'gedeuteten Schrift von Jeiteles ״die Cultusgemeinde in Wien" zuwenden. Cbiengen, Baden. Nachdem die hiesige israelitische Gemeinde ihrem seit zwei Jahren daselbst wirkenden Lehrer im Vorjahre eine ansehnliche Remuneration zu Theil werden ließ, bekundet dieselbe d. I. ihre wohlwollende Gesinnung in einer noch viel anerkennenswertheren Weise, indem sie in Hinblick der Wichtigkeit des Lehrerberufes und dessen theilweise noch sehr üble Lage erkennend, dessen Gehalt um 80 fl., mit Januar l. I. beginnend, erhöhte. Ehre einer solchen Gemeinde, die Verdienste am rechten Platze zu würdigen und anderen als musterhaftes Beispiel vcranzuleuchten weiß. Kunä^au. 80. Aus Bukarest wird gemeldet, daß das Spirituosengesetz vom Fürsten sanctionirt worden ist. Das Gesetz beraubt eine große Zahl der jüdischen Einwohner ihrer Erwerbsquelle. Mit Recht können die rumänischen Juden schreiben: ״Woher kommt mir Hülfe?" Bis jetzt ist Alles vergeblich gewesen, was unternommen wurde, um das Loos der Unglücklichen zu verbessern. Alle Schritte der Alliance israelite universelle, die Brüsseler Conferenz ist erfolglos gewesen. Wo bleibt das Wiener Comite, das die letztere errichten wollte? 81. Strelitz, 18. April. Auf die Anordnung des Bundesrathes, den jüdischen Senator Sanders in den städtischen Schulvorstand eintreten zu lassen, richtete die großherzogliche Regierung an den hiesigen Magistrat die Zumuthung, das städtische Schulstatut dahin abzuändern, daß der Schul- Vorstand nur aus Lutheranern bestehen dürfe. Auf die Ablehnung des Magistrats antwortete die Regierung mit der Entziehung der bisherigen Staatssubvention von 200 Thalern. Kriefllaften. Löbl. Redaction und Expedition des ״Israelite und Deborah" in Cincinnati: Wir bitten wiederhok um directe Zusendung Ihrer Zeitschriften unter eigener Adresse. Herrn Dr. L. Leider unmöglich! Zeit und Kraft sind mehr als billig in Anspruch genommen. Man wird älter und die Strapatzen früherer Tage machen sich fühlbar. Doch — trotz alledem, Muth und Energie sind geblieben. Die Hauptarbeit im Berufe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.