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Jüdische Volkszeitung · 1873-04-30 · 18 (30.4.1873) · p. Seite 141

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
18 (30.4.1873)
Date
1873-04-30
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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— 141 — winden sein. Für die wohlhabenderen ist die öffentliche Meinung gewöhnlich ein mächtiges Hinderniß. In den Großgemeinden möge man eben den Anschauungen und Bedürfnissen der verschiedenen Richtungen gerecht werden und der Omnipotenz der Gemeindevorstände ein Ende machen. Im Allgemeinen wird die Freiheit, das Bewußtsein, eine Organisation zu bilden, die nur durch das Zusammenwirken aller Kräfte gedeihen kann, das Gemeingefühl und die Theilnahme stärken und einen Damm bilden gegen den gränzenlosen Fanatismus wie auf anderer Seite des verheerenden Jndifferentismus. Wir fürchten also nichts von den neuen Gesetzen; wir hoffen von ihnen. Wir haben, trotz der scheinbaren Gleichgültigkeit so vieler Tausende gegen alles Religiöse, doch die Hoffnung, ja die heilige Ueberzeugung, daß die alte Liebe zum Judenthume nicht erloschen ist in den Herzen seiner Bekenner und daß die Freiheit und Selbstständigkeit, die Vollgültigkeit des Individuums in einem sich nach seinem Bedürfnisse organisirenden Vereine die mächtigste Flamme sein wird, die die Begeisterung zu rüstigem Schaffen und Vorwärtsstreben anregt And erhält. Warten also Andere auf das neue Gesetz, um ihre Trennungsgelüste zu befriedigen, so hoffen wir gerade durch das neue Gesetz die Einheit Israels zu erhalten. Die Einheit Israels! Sollte eine Macht der Welt im Stande sein, diese zu zerstören, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aus den Herzen der Juden zu tilgen? Sollte man ״wegen der Orgel" —, denn diese bildet wahrlich in einzelnen Gemeinden das einzige Streitobject — auseinandergehen? Kann bei uns von verschiedenen ״Confessionen" gesprochen werden? Haben wir nicht Alle auch heute noch ein ״Bekenntniß"? Denkt irgend Jemand daran, eine Bekenntnißformel aufzustellen, die das Maß der Zugehörigkeit zur einen oder anderen Partei sein könnte? Die Autonomie der jüdischen Gemeinde wird die ganze Ohnmacht der Hyperorthodoxie beweisen. Sie wird beweisen, daß diese Partei in Wahrheit allüberall nur aus einigen Schreiern und Fanatikern mit selbstsüchtigen Motiven besteht, die aushören, Etwas zu gelten, sobald sie keine Gegner mehr haben, die das Geschrei wegen ״Zwang" rechtfertigen. — Httb wenn schlimmsten Falles hier und dort einige Reibungen und Austritte stattfinden — die Sonne der Freiheit wird die Wunden auch wieder heilen, die sie geschlagen hat. Man hat auch für einzelne Beamten gefürchtet. Diese Furcht ist sicher unbegründet. Den tüchtigen jüdischen Gemeindebeamten eröffnet sich heute überall ein Feld der Thätigkeit. Wir haben keinen solchen Ueberschuß an tüchtigen Rabbinern, Lehrern und Cantoren, daß diese sich auf zwangsweise Aufrechterhaltung ihrer Verträge stützen müßten in Gemeinden, die nur durch Zwang zusammengehalten werden. . . Für die Auseinandersetzung in Vermögensbeziehungen und Schulden wird das Gesetz schon Sorge tragen. Lassen wir also getrost und in Ruhe herankommen, was kommt. Die Einheit Israels kann nicht zerstört werden, sein inneres Leben wird durch selbstthätige freie Entfaltung nur gekräftigt werden. Correjponäenz. Leipzig. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund erläßt soeben folgende Bekanntmachung: An die verehr!. Vorstände der deutsch-israelitischen Bundesgemeinden, die Einzahlung ihrer Beiträge an die Casse des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, und die Ausfüllung der Schemata und der Formulare betreffend. Verehrlicher Vorstand! Wie Ihnen bekannt, ist zum Vorort für den deutschisraelitischen Gemeindebund s. Z. Berlin gewählt worden. Da aber der verehrl. Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde mittelst Schreibens vom 3. d., unter Einsendung des Maximalbeitrags (nach § 4 der Gemeindebund-Statuten) pro 1873, die Wahl nicht annehmen zu können erklärt hat, so ist der Vorstand der hiesigen Religionsgemeinde bis zu der, durch den nächsten Gemeindetag zu treffenden Neuwahl gern bereit, sich der Stellvertretung zu unterziehen. Indem wir Ihnen dies 'zu gef. Kenntnißnahme mittheilen, ersuchen wir diejenigen Bundesgemeinden, die mit ihren Bei-- tragszahlungen für den deutsch-israelitischen Gemeindebund noch im Rückstände sind, dieselben an den Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig baldmöglichst gelangen zu lassen. Gleichzeitig wollen Sie das beigefügte Schema und Beitrittsformular uns ausgefüllt remittiren, falls wir solche von Ihnen noch nicht besitzen. Leipzig, den 4. April 1873. Hochachtungsvoll Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Moritz Kohner. Mittelfrankren In Fürth ist neuestens die Orgel beim Gottesdienst eingeführt worden. Die ersten Eindrücke dieser neuen Einrichtung werden sehr günstig geschildert. Wie nicht anders zu erwarten, wollen sich die orthodoxen Gemeindemitglieder mit dieser ihnen verhaßten Einrichtung d^-chcms nicht befreunden und ist von einer separaten orthodoxen Gemeirrde dortselbst ernstlich die Rede. Im nahen Nürnberg' wo die jüdische Gemeinde bereits auf 500 Mitglieder angewachsen ist, steuert man, wie es

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