Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 17 (23.4.1873)
- Date
- 1873-04-23
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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132 "/I Ueberdies sind bei den Hauptepochen der biblischen Geschichte die Zeiten der Ereignisse in runden Zahlen angegeben nach Zunz chronologischer Tabelle der biblischen Geschichte, welche jedoch nicht überall zuverlässig ist.*) Ich sprach (ad. 1) von den ersten 52 Erzählungen dieser biblischen Geschichte aus dem Pentateuch, indeß sie doch bis zum ״Moses Tod" 53 Erzählungen enthält; weil die 44. Erzählung, welche eine specielle Belehrung über den ehemaligen Opferdienst gibt, in einer solchen Jugendschrift weder pädagogisch zulässig, noch sür's praktische Leben fruchtbar scheint. Der Opferdienst ist nach Talmud und Midrasch und ganz besonders nach unseren religionsphilosophischen Schriften als eine in Folge des Bilderdienstes, welchen das erst der Sklaverei entronnene Volk mit dem ״goldenen Kalbe" getrieben hatte, zur Zeit erforderliche Accomodation**) zu betrachten; weshalb der Prophet Jirmijah (7, 22) im Namen Gottes spricht: ״Ich habe mit euren Vätern nicht geredet und ihnen nicht geboten zur Zeit, als ich sie aus Egypten führte, in Betreff von Ganz- und Mahlopsern!" Sieht sich ja der Verfasser selbst bemüssigt, hinter dieser seiner Mittheilung Bibelsprüche anzuführen, welche den äußerlichen Opferdienst geradezu paralisiren! Doch soll diese Bemerkung dem guten Werke keinen Abtrag thun; und ist dasselbe vielmehr den jüdischen Lehrern der unteren und mittleren Classe der Schuljugend, sowie dieser selbst bestens zu empfehlen. Corresponäenz. Ingekkeim» 10. April. Wir erhielten neuerdings mehrfach lithographirte Zusendungen von Abraham Baer Cohen, Oberrabbiner aus Safed, die Sammlungen für Palästina durch die Pekidim und Amarklim in Amsterdam (und ihrer Vertreter in Deutschland) betreffend. Wir sind nicht im Stande, die Wahrhaftigkeit dieser Anschuldigungen — die übrigens im Ganzen sich wenig auf Thatsächliches stützen, — zu beurtheilen und — offen gestanden — wir lieben derlei Maneuvre und ihre Träger nicht und halten grundsätzlich Nichts von allen Sammlungen für Palästina. Wir werden jedoch, durch diese vagen Anschuldigungen eines jedenfalls mit den einschlägigen Verhältnissen genau bekannten Mannes in unserer Ueberzeugung bestärkt, daß Alles faul ist in diesen Palästinensischen Sammlungen und daß es Zeit wäre, endlich einmal ernstliche Schritte gegen einen Mißbrauch zu thun, der *) Vgl. Hz. z. B. meine Abhandlung ״über das Buch Ester" im ״Synodalblatt" v. 1872 Nr. 8—11. **) S. hierüber meine ״Erläuterungen zur biblisch reinen Glaubens- und Pflichtenlehre des Judenthums״ Nr. 54. der deutschen Judenheit jährlich viele Tausende entzieht, die dort, wo sie hinkommen, nur entsittlichend wirken. L A. Frankl und Dr. Grätz, die in Palästina und Jerusalem Augenzeugen des Unwesens waren, welches mit diesen Sammlungen getrieben wird, sind doch wahrlich Männer, deren humanes und einsichtsvolles Urtheil schwer wiegend genug ist. Wir unsererseits können uns überhaupt des Gedankens nie entschlagen, daß es an der Zeit wäre, alle Kraft einmal zu sammeln, um den großen und mannichfachen Mißständen innerhalb der deutschen Judenheit wirksam zu begegnen und nicht immer nur nach Außen hin thätig zu sein. Wir können von diesem Gedanken nicht ablassen. Wir hatten jüngst Gelegenheit, zufällig eine Arbeit — vielleicht die letzte, — eines Heroen der Orthodoxie, zu sehen, — von tvdtyem orthodoxen Rabbiner wir freilich aus der Zeit seiner Wirksamkeit in hiesiger Gegend so manche andere ״Eigenthümlichkeit" zu erzählen wüßten, wenn wir nicht an dem Worte fest hielten "״מיתה ככפרת und über den Todten nur schweigen oder Gutes reden wollten, ganz entgegengesetzt einer orthodoxen Zeitschrift, die erst neuerdings wieder einige Verstorbene mit Beschimpfungen überhäufte, wie wir bei derselben Gelegenheit fanden. Nun denn, dieser orthodoxe Rabbi erklärt mit dürrem Worte, ״daß die Armen des heiligen Landes bei gleicher Bedürftigkeit in der Unterstützung den Armen des eigenen Landes vorgehen." Wir brauchen eine solche monströse Behauptung nur anzudeuten, um jeden Redlichen zu überzeugen, daß hier ein grenzenloser Mißbrauch mit der Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen getrieben wird und daß gründliche Abwehr geboten ist. &u8 Württemberg im April. Sie haben ganz wohl gethan, daß Sie von den aus anderen Blättern genügend bekannten Stuttgarter Scandalen keine Notiz genommen. Das Judenthum als solches und die Judenheit hat nichts damit zu schaffen. Es sind social-demokratische Aufwiegelungen mit unterlaufen. Umstände und Verhältnisse, die sich der Oeffentlichkeit entziehen und nur zufällig sich auf die Juden warfen. Aber eines möchte ich doch bemerken: es schadet nichts, daß die Juden Württembergs dadurch etwas ausgerüttelt worden sind aus ihrer Selbstberäucherung. Das Kultuswesen ist hier staatlich geregelt, die Synagoge — als jüdische Kirche, steht fast durchaus den andern Confessionen gleich, die Rabbiner, Vorsänger, Confessions- und Schullehrer, Ober- und Unterlehrer sind öffentliche Beamten, warum sollte man sich da nicht sicher wähnen und entrückt all dem, was Andere bedrückt? Warum nicht glauben: wir sind mehr, denn andere Juden. Und darum sehen Sie, daß die württemberger Juden, trotz ihrer Spaltung im Innern, trotz mancher gerechtfertigten Bemängelung des hierarchischen Baues unserer Synagoge sich wenig an das anschließen, was ״im Ausland" vorgeht! Der Particularismus glaubt sich vollberechtigt. Da