Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 17 (23.4.1873)
- Date
- 1873-04-23
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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131 dann die anderen Regierungen folgen, dann wird der obengenannte Verein auf der ganzen Linie seine verderbliche Wirksamkeit, seinen Kampf gegen jede, auch die unschuldigste Reform mit erneuerter Kraft und mit ausdauerndem und unnachgiebigem Fanatismus aufnehmen. Wenn wir dann nicht gerüstet sind, so wird eben die energische und organisirte Minderheit die zerfahrene und indifferente Majorität besiegen. Wehe dann den Rabbinen und Lehrern, die auch nur ja einmal einem Gedanken von Reform Raum geben! Das ist unsere vollste Ueberzeugung und wir werden daher nicht aÄassen, zu mahnen; wir hoffen, daß unsere Mahnung nicht vergeblich ist, und daß wir bald im Stande sind, von den Vorbereitungen zur dritten Synode zu sprechen. f die Mittelklassen der israelitisclien Vollrssclnrken. Bearbeitet von I. Weil, pens. Lehrer in Stuttgart. Verlag von Paul Neff daselbst.*) Recensirt von vr. Hochstädter, Bezirksrabbiner zu Bad Ems. Der erste in deutscher Sprache nach den Grundsätzen der Pädagogik bearbeitete Auszug aus den Geschichten der heiligen Schriften (a. T.) erschien im ersten Viertel unseres Jahrhunderts von dem gemüthlichen Kinderschriftsteller Christoph Schmidt in Baiern, wobei der Verfasser sogar hinter jeder Erzählung, die moralischen und religiösen Lehren, welche daraus folgen, umständlich hinzufügte, somit dem Lehrer gleichsam in den Mund legte, was bei dem Leichtfertigen und Faulen gar leicht zur Schablone werden kann. — Auf jüdischein Gebiete veranstaltete der geistreiche David Samostz, eine biblische Geschichte in hebräischer Sprache mit deutscher Uebersetzung in hebräischen Lettern und setzte hinter jeder Erzählung in gleicher Weise a) Fragen zur Beantwortung seitens der Schuljugend, b) Nützliche Lehren zum Vortrag für den Lehrer und 6) Dichterische Verse zur Aufbewahrung für das Gedächtniß. — Seitdem sind in gleicher und ähnlicher Weise viele biblische Geschichtsauszüge erschienen, die mehr oder weniger für israelitische Schulen empfehlenswerth waren. Namentlich haben sich die betreffenden Werke vom seligen Büdinger wegen der biblischen Sprachart, die er bei den Erzählungen nachahmte, und von Hrn. Flehinger, welcher gleich dem Zuerst genannten Chr. Schmidt den Kinderton zu treffen verstand, einer größeren Verbreitung zu erfreuen. In neuester Zeit hat *) Wir bringen erst jetzt diese eingehende Besprechung, welche uns schon früher vorlag, weil wir erst jetzt das betr. Buch erhielten, und wir grundsätzlich Recensionen nur von solchen Büchern aufnehmen, die uns vorliegen. Red. vr. Auerbach in Frankfurt a. M. einen größeren biblischen Geschichtsauszug unter dem Titel ״Kleine Bibel für Jsrae- Uten׳' verfaßt, welche auch die wichtigsten Bestandtheile aus den poetischen Schriften der Propheten (נביאים) und Hagiographen (כתובים) enthält und allenthalben der biblischen Sprechart folgte. Dieselbe ist zunächst für die obere Classe der Schuljugend und in weiterer Beziehung für jeden Erwachsenen, welcher die heilige Schriften nicht im Urtexte lesen kann, oder überhaupt nur das Wichtigste und Geist und Gemüth Ansprechendste daraus in der Muttersprache lesen will, bestimmt. Hr. Flehinger hat noch neben seinem größer» Auszuge eine kleine biblische Geschichte für Anfänger resp. für die untere Classe der Schuljugend geschrieben, worin er aber in beschränkter Weise Erzählungen aus der ganzen heiligen Schrift ausgenommen; was für diese Classe einerseits zu viel und andererseits zu lückenhaft ist — Letzteres besonders aus der Richterzeit. Ein Jahres-Cyclus von resp. 52 gemüthlichen Erzählungen aus dem Pentateuch (חומש) wäre — meines Erachtens — für diese Classe vollkommen genug. Was jedoch dessen größere biblische Geschichte sowie die von dem sel. Büdinger anlangt, so geben sie für den gewöhnlichen Lehrer der Mittelclasse zu wenig Anleitung zur Erörterung der moralisch-religiösen Lehren, die daraus folgen, und sind für die obere Classe nicht umfassend genug, für welche letztere die kleine Bibel von vr. Auerbach wohl am zweckdienlichsten ist. Dagegen dürfte die rubricirte neueste Erscheinung auf diesem literarischen Gebiete dem angedeuteten pädagogischen Zwecke am besten entsprechen, indem Weil's biblische Geschichte — abgesehen von dem billigeren Preise und der hübschen Ausstattung des Buches — folgende Vorzüge besitzt: 1) Läßt sich dieselbe in ihren ersten 52 Erzählungen auch seitens des Lehrers in der unteren Classe für seine Vorbereitung zum mündlichen Vortrag biblischer Erzählungen aus dem Pentateuch benutzen — und anders sollen die Geschichtsauszüge in dieser den Inhalt des blos Gelesenen selten begreifenden Classe nicht mitgetheilt werden. 2) Gibt sie dem Lehrer durch die in Anmerkungen stehenden passenden Bibelsprüchen, welche die aus den Erzählungen resultirenden moralischen und religiösen Lehren — wozu aber ein einzelner Bibelspruch in der Ueberschrist selten ausreichen wird — kernhaft andeuten, die beste Anleitung zur Nutzanwendung des Erzählten nnd Gelesenen; ohne daß solche ihm schablonenartig in den Mund gelegt werden. 3) Ist der Ton, worin erzählt wird, der kindlichen Fassungskraft angemessen, und folgt nebenbei der biblischen Sprechweise, wodurch diese Schrift zugleich für den Gebrauch der ״kleinen Bibel" in der oberen Classe zweckmäßig vorbereitet.