Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 16 (16.4.1873)
- Date
- 1873-04-16
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 •ידיי***־ ■ Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin. Verzeichniß der im Sommer-Semester 1873 zu haltenden Vorlesungen. Herr Dr. Cassel wird lesen: 1. Jüdische Geschichte und Literatur vom Abschluß des Talmuds bis zum Ende des Mittelalters, Montags, Donnerstags und Freitags von 2—3 Uhr. 2. Die kleinen Propheten, Montags und Donnerstags von 3—4 Uhr, Dienstags von 2—3 Uhr. 3. Ausgewählte Stellen aus dem Commentar des Aben-Esra zum Pentateuch, Dienstags von 3—4 Uhr (seminaristisch). Herr 7h׳. Geiger wird lesen: 1. Allgemeine Einleitung in die Wissenschaft des Judenthums (religions-philosophischer Theil), Donnerstags von 3—4 Uhr. 2. Specielle Einleitung in die biblischen Bücher, Dienstags von 4—6 Uhr und Donnerstags von 5—6 Uhr. 4. Genesis, Mittwochs von 5—7 Uhr. Herr Dr. Lewy wird lesen: 1. Einleitung in die Mischna, einmal wöchentlich. 2. Mischna, Montags und Mittwochs von 9—10 Uhr. 3. Talmud Pesachim, dreimal wöchentlich je zwei Stunden. 4. Jore-Dea, Montags und Mittwochs von 10—11 Uhr und Freitags von 9—11 Uhr. 5. privatissime Talmud Jeruschalmi, Sonnabends von 2—4 Uhr. Herr Dr. Steinthal wird lesen: Religionsphilosophie, Montags, Dienstags und Donnerstags von 7—8 Uhr Abends. Alle Vorlesungen an der Hochschule sind unentgeltlich. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Reihe die rite immatriculirten Studirenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Facultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen Theil nehmen. Die Anmeldung zu den Vorlesungen erfolgt bei dem zeitigen Vorsitzenden des Lehrer-Collegiums, Hrn. Dr. Cassel, vom 1. April bis zum 15. Mai er. Montag und Donnerstag, Vormittags von 11—12 Uhr im Locale der Hochschule, Spandauerbrücke 8. Berlin, im März 1873. Das Curatorium der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums. Lazarus. N0(ü einrnak über ,Mkeättk". Nicht in eine neue Polemik will ich mich einlassen, um die vorgebrachten Gründe und Gegengründe abzuwägen, sondern ich versuche, die Bedeutung der Erzählung in eigener und selbstständiger Weise klar zu legen. Die Erzählung von Isaaks Opferung ist wie so Vieles in 'der Bibel alten und neuen Testaments und im orientalischen Schriftthum überhaupt eine Parabel. So Vieles, was bisher in der Bibel im buchstäblichen, eigentlichen Sinne verstanden worden, ist bildlich zu deuten. Die Schöpfungsgeschichte, der Sündenfall, enthalten ja nicht naturgeschichtliche und historische Ereignisse: die Bibel tritt damit in parabolischen Erzählungen den Anschauungen des Heidenthums gegenüber von der Entstehung der Welt und des natürlich wie sittlich Bösen in ihr. So auch die Akedah. Abraham sollte und wollte der sittlichen und geistigen Verkommenheit der Welt durch Verbreitung seine'r wahren Gotteserkenntniß entgegentreten, um dadurch zum Segen für die Völker der Erde zu werden. Er hatte nach Kräften dafür gearbeitet, aber er war alt geworden und entbehrte eines Sohnes, der in seine Fußtapfen tretend das heilige Werk fortsetze. Gott gab ihm Isaak, da Jsmael dazu nicht geeignet befunden wurde. Sollte Abraham, sollte Gott durch Tödtung Isaaks das fromme Werk wieder haben vereiteln wollen? Gewiß nicht. Nach gewöhnlicher Auffassung streift die Erzählung auch trotz aller Deutelei ganz nahe an die Idee heidnischer Menschenopfer. Wie könnte auch der Gott der Liebe einem fühlenden Vaterherzen solche Prüfungen auferlegen und darin den Beweis des Gehorsams finden! Und das liebesthätige Leben Abrahams beweist doch, daß sein Gott der Gott der Liebe ist. Die Deutung ist vielmehr folgende: Die Bibel gibt Abraham für Isaak und alle nachfolgenden Geschlechter die Bedingungen auf, unter denen er sich dem heiligen Berufe zu widmen habe, und unter denen er sich demselben nur mit Erfolg widmen könne. Jeder Vater in Israel müsse nämlich im Kampfe gegen die geistige Verblendung und sittliche Verkommenheit der Welt, im Kampfe für Gott, Wahrheit und Gerechtigkeit auf die größten Opfer an Gut und Blut gefaßt sein; der Vater müsse bereit sein, im heiligen Martyrium des Glaubens lieber sich und feilt Stfrlb zu opfern, der Sohn müsse bereit sein, sich opfern zu lassen, ehe sie von der Wahrheit und Gerechtigkeit, von Gott und seiner heiligen Sache etwas vergeben. Und wie oft, wie Viele sind in Israel diesen heiligen Märtyrertod für Gott und seine Lehre gestorben! Nur so wird Sieg und Segen am Ende der Erzählung verheißen. Das durch Isaak repräsentirte Volk Israel wird nicht untergehen; der den schützenden Genius, womit Gott sein Volk umgibt, zu durchbrechen versuchende Widder (der verfolgende Feind Israels) wird statt seiner zum Opfer fallen. Die Erzählung vom Kampfe Jakobs mit dem Geiste der Nacht, der mit der anbrechenden Morgenröthe besiegt ist und entflieht, zeichnet allegorisch dieselbe Situation. Jakob wird am Fortschritt gehemmt, aber die Erreichnng des Ziels ist doch gesichert. Jakob kämpft und kommt dem Gegner bei, der Jakob segnet, weil er erkennt, daß er zum eignen Heile bekämpft und be-