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Jüdische Volkszeitung · 1873-04-09 · 15 (9.4.1873) · p. Seite 116

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
15 (9.4.1873)
Date
1873-04-09
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 einen Thaler denselben Leuten die ״Jsr. Lehrer" unter Kreuzband zusenden können? Wer hätte uns dies versagen können? Glaubt man, ein Propagandamacher ließe sich vor einer solchen Ausgabe zurückschrecken? Haben wir nicht sehr oft einzelne Nummern des ״Jsr. Lehrer" an Allianzmitglieder verschickt, wenn wir glaubten, im Interesse der Allianz etwas unter das Volk bringen zu müssen? Die ganze Behauptung dieser angeblich frommen Angst, der ganze Spectakel ist eben so dummdreist als lächerlich. Aber — jener Mann in Schlesien wollte eben eine Rolle spielen, wollte die Sache an sich ziehen und als es nicht anders ging, reiste er selbst nach Paris, blieb acht Tage dort, und flößte dem Centralcomite und dem Bureau wohl so lange Angst und Widerwillen, vielleicht auch Mißtrauen gegen meine gefährliche Person ein; andere Freunde von dort secundirten, bis man in Paris nachgab und das Manoeuvre gelang. Es ist kein Zweifel und kann nicht anders gedeutet werden: aus Angst vor Parteilichkeit, vor der Orthodoxie, nahm 'man Partei für dieselbe. Die ״Jsr. Wochenschrift" wagt es, uns Eigennutz unterzuschieben. Wir vertheidigen uns gegen solche Beschuldigungen nicht. Wir könnten uns getrost auf das Urtheil von Ehrenmännern in unserer Nähe verlassen, selbst von solchen, deren religiöse Richtung der der ״Jsr. W." vielleicht näher steht als der unsrigen, wie z. B. die Herren Dr. Schwarz aus Cöln, vr. A. Stein aus Worms u. A. — Was uns ver-! anlaßte, die Sache in die Oeffentlichkeit zu bringen, war ganz einfach der Umstand, daß wir jeder Verleumdung im Geheimen von vorn herein die Spitze abbrechen, von unseren zahlreichen offenen und geheimen Feinden in der öffentlichen Achtung nicht geschädigt sein wollten und, wir gestehen es, weil wir auch die Allianz auf ihrem abschüssigen Pfade der allzueifrigen Hingebung an die Orthodoxie warnen wollten. Wir können jedoch den Sachverständigen noch mit Zahlen aufwarten. Wir erhielten im Jahre 1869 und 1870 für Uebersetzung, Satz und Correctur ftcs. 30 14 fl. s. W. und im Jahre 1872, nachdem die Druckkosten bedeutend in die Höhe gegangen waren fl. 15 — ca. frcs. 32 für den Bogen (16 Seiten). Für alles Andere berechneten wir die nackten Auslagen; für unsere Bemühung — nichts. Wir können zum Ueberfluß durch Rechnungen belegen, daß die bedeutende Ersparniß an Satzkosten für unser Blatt, von welcher die ״Jsr. Wochenschrift" spricht, nie fl. 20 betragen hat! Das war der Lohn, der uns den Vorwurf des Eigennutzes von Seiten der ״Jsr. W." zugezogen hat. Und damit genug, für immer. Wir mußten die Sachläge genau und präcis dem Publikum zur Beurtheilung vorlegen, zum Schutze unserer Ehre. Wir haben uns um dieser Sache willen nie einen Märtyrer des Fortschritts genannt. Wir wissen nicht, wer das gethan; und wissen nicht, worin dies Martyrium bestehen sollte. Aber das wissen wir: auf diesem Wege erwächst der Alliance israelite universelle kein Heil. Wer Pech anrührt, besudelt sich. Wer ein Bündniß macht mit den Freunden der Finsterniß, kann nicht erwarten, daß man ihm die Verbreitung und Wahrung des Lichts anvertraue. Wir werden, jetzt wie immer, eben so treu, eben so hingebungsvoll, eben so entschieden eintreten für die Integrität der Allianz, für die ״israelitische", ״allgemeine" Allianz, wie irgend Einer; ja noch mehr, weil wir stets uns treu bleiben, weil uns Jnconsequenz und Zweideutigkeit in der Seele verhaßt ist. Wir werden aber auch, wie schon lange, für die Organisation im Innern eintreten, wo wir können. Wir haben schon vor Jahren dem Centralcomite in Paris Mittheilung gemacht, daß wir damit umgehen, aus den Comites in Worms, Mainz und Frankfurt ein süddeutsches Gesammtcomite zu bilden; die Herren in diesen Städten und in Paris werden sich dessen wohl noch erinnern. Es ist nicht zu Stande gekommen. Die Gegenwart reift vielleicht Anderes. Für unsere eigene Person haben wir nie etwas verlangt, als die Ehre offen und entschieden eintreten zu können fiir das, was wir für gut und gerecht halten. Diese Ehre wird uns Niemand schmälern und rauben. Krakau. Im Jahre 1867 grünbete die hiesige deutsche! Gemeinde ein eigenes, neues Bethaus, zu welchem der auch von der Leipziger Synode her rühmlichst bekannte Hr. Abr. Gumplowitsch 1200 fl. ö. W. zeichnete, da als erster Vorsteher dieser Gemeinde er sich ganz besonders für dieses Unternehmen interessirte. Kürzlich hat Hr. G. der Gemeinde durch notariellen Act diese Summe und seinen für 250 fl. eigenthümlich gekauften Synagogenplatz zum ewigen Eigenthum geschenkt, unter der Bedingung, daß die Zinsen dieser Gelder zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden und zwar zu gleichen Theilen (30 und 30 fl.) für jüdische und christliche Bildungs- und Unterstützungsvereine. (Hamaggid.) Aunäsckau. 58. (Fromme Juden diese Polen.) Warschau hat für seine 89,318 Israeliten nur drei Religionsschulen. — So lange dieses Verhältniß sich nicht bessert, werden wir in Deutschland trotz Allem und Allem uns der polnischen Bettler zu erwehren haben. 59. (Amerikanische Zustände.) Jedermann kennt die scandalöse Untersuchung, die soeben beim Congreß in Washington zu Ende ging, und wodurch sich herausstellte, daß die ersten und bedeutendsten Mitglieder der Regierung und der gesetzgebenden Versammlung sich der Bestechung und des j Gründerschwindels schuldig gemacht haben. Diese Enthüllungen

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