Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 15 (9.4.1873)
- Date
- 1873-04-09
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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5®ü — 115! '* Eorre^ponäenz. Angclbeim, 1. April. Wir sind avancirt. Aus dem 8. V. Hintcrstübchen, aus dem ״Briefkasten" der ״Jsr. Wochenschrift" sind wir in der letzten Nummer derselben, die sich wieder stark mit unserer Person beschäftigt, in den Correspondenzentheil vorgerückt. Sehr viel Ehre! Wir erfahren daraus, daß auch die revue israelite — die wir einige Zeit nicht erhalten hatten, unsere Be- Ziehungen zur Allianz bespricht. So ungern wir darum unsere geehrten Leser mit unserer Person beschäftigen, so dürfen wir doch, Angesichts dieser vielseitigen Angriffe, nicht schweigen, umsomehr als die betreffenden Thatsachen ganz bestimmte allgemeine Interessen berühren. Wir müssen weit ausholen. Vorerst aber können wir unser Befremden nicht unterdrücken, daß die r6vu6 israelite in den Stand gesetzt ist, unsere Correspondenz mit dem Centralcomite der Allianz wörtlich, wenn auch in der Rückübersetzung vielleicht etwas gefärbt, abzudrucken. Ist diese Zeitung das officielle Organ des Centralcomitos und hat dieselbe einlaufende Correspondenzen und Copirbuch zur fteien Verfügung? Seit wann hat die Allianz ihre officiellen und officiösen ״Preßbengel"? Ist das die Discretion, die das Bureau, — denn nur von dieser Stelle gehen derartige Dinge aus, und das Centralcomito weiß zweifelsohne nichts davon —, den Männern schuldig ist, die ihre Dienste der hl. Sache viele Jahre widmeten? Ist diese Handlungsweise loyal, tactvoll, correct? Wer hat die 16׳vu6 18ra61it6 ermächtigt, in einer Weise gegen uns aufzutreten, die durchaus im Widerspruche steht mit den Briefen des Centralcomitss, die wir noch kürzlich empfangen? Wer hat sie mit Actenstücken ausgerüstet, welche ihr Auftreten als officiös erscheinen lassen? Im Jahre 1867, im September, zu Roschhaschono, schrieben wir im ״Jsr. Lehrer" einen Artikel ״Zeitfragen zum Zeitenwechsel". Wir forderten mit ernsten und entschiedenen Worten die deutschen Juden zum Beitritt zur Allianz aus. In Deutschland waren dazumal im Ganzen nur 314 Mitglieder. In Folge jenes Artikels trat das Centralcomits in Unterhandlung mit uns. Ben Chananjah,^) mit welchem vorher die deutsche Uebersetzung der Berichte als Beilagen ausgegeben wurden, war eingegangen —. Das Centralcomito kam mit uns überein, den ״Jsr. Lehrer", der vorher nur wöchentlich einen halben Bogen umfaßte, auf einen Bogen zu erweitern, um die Berichte in extenso (zu übersetzen und) abzudrucken, wofür wir eine genau die Kosten deckende Vergütung — per Jahr, zu zwei Berichten, frcs. 538! — erhielten. Von den Berichten wurden Sonderabzüge veranstaltet, '*) Wohl auch ein Fortschrittsblatt! für welche wir in den zwei Jahren, in welchen wir die Vergütung bezogen, den Satz natürlich unentgeltlich lieferten. Wir erhielten außerdem sehr oft gelegentliche Mittheilungen von der Allianz, die wir ebenfalls im ״Jsr. Lehrer" zu veröffentlichen hatten. Wären wir sonach nicht Ver^slithtetss im Interesse der Allianz möglichst für die Verbreitung unserer Zeitschrift zu wirken? Die Alliance wurde im Jahre 1860 gegründet. Im Jahre 1867 hatte sie, wie gesagt, in Deutschland 314 Mitglieder; im Jahre 1868, nachdem wir unseren Ausruf ״an die Israeliten Deutschlands" auf unsere Kosten in 10,000 Exemplaren verbreitet hatten: 910, im Jahr 1869: 1,562.— Im Jahre 1869 wurde das Bureau der Alliance umgestaltet, die Vergütung hörte aus. Wir verlangten sie nicht mehr. Konnten wir annehmen, daß dadurch auch unsere Zeitschrift mißliebig geworden und wir jetzt unterlassen sollten, was bisher unsere Pflicht war? — Doch hatten wir die Erfahrung bereits gemacht, daß unsere Zeitschrift nur bei Lehrern Eingang finden konnte und wir verwendeten nur eben ältere Exemplare, so viel wir mußten. Jeder, der je ein größeres Paket vom Buchhändler erhalten, weiß, daß selbst unter dem Pappdeckel Papier untergelegt werden muß. Wir verpackten nur in Papier; wenn die Pakete nicht auf dem Wege auseinandersallen sollten, so mußte diese Unterlage stark sein! Wir sind kein Packer von Profession. Aber wir möchten den sehen, der dies vermeiden kann. Vom Jahre 1869 ab trat noch eine andere Veränderung hervor. Ein Mann in Schlesien, der sich unstreitig Verdienste um die Allianz erworben und dadurch einigen Einfluß in Paris erhalten hatte, machte uns den Vorschlag, bei ihm, resp. bei einem Buchdrucker seiner Gemeinde die Berichte drucken zu lassen. Wir konnten selbstverständlich hierauf nicht eingehen. Von da an datirten sich dann unaufhörliche Nergeleien. Im Jahre 1870, kurz vor dem Kriege, schrieb man uns aus Paris, daß, insbesondere aus Schlesien, Klagen darüber eingelaufen wären, daß wir den Paketen den ״Jsr. Lehrer" beilegten. Wir hatten bis dahin keine Ahnung von dieser Angst der frommen Seelen. Während des Erscheinens des ״manchen Leuten" noch widerwärtigeren ״Synodalblatt" ist überhaupt nur ein Bericht gedruckt worden. Vor dem Erscheinen des anderen — neuesten — Berichts war unsere jetzige Zeitschrift in andere Hände übergegangen, der ganze Lärm daher nunmehr gegenstandslos. Wir müssen noch eins bemerken. Wir hatten im Ganzen etwa 60—70. geschlossene Pakete von Berichten zu versenden. Alles Andere, weitab die große Mehrzahl — mehr als 1000 — gingen unter Kreuzband, wozu wir nie ״Jsr. Lehrer" beilegten. Hätten wir wirklich ״Propaganda für die Neologie" machen wollen, hätten wir dann nicht für weniger als 4״M