Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 13 (26.3.1873)
- Date
- 1873-03-26
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 — י 1 und sich nicht den Einwand machte, daß ja der göttlichen Verheißung nach von Isaak eben ihm die vorzüglichste Nachkommenschast erwachsen sollte.) Und daß es eben nur aus die Manifestirung dieses seines unerschütterlich festen Willens, dieser unwandelbaren Selbstüberwindung und Selbstverleugnung um Gottes willen und in Seinem Dienste angekemmen, beweist auch der Name, den dieser Act von jeher in der Synagoge geführt, da er nicht Alijah (Darbringung), S'wichah (Opferung), sondern Akedah (Bindung) genannt ward, und in dieser Bezeichnung für immer als eclatanter Beweis dient, daß Gott in Seiner Gnade nicht nur die wirklich vollbrachte, sonoern schon die beabsichtigte gute That als vollkommenes Verdienst anrechne. Wenn das Leben Abrahams bis dahin viele herrliche Züge von Gehorsam, Liebe, Ehrfurcht, Vertrauen gegen und auf Gott, sowie von seiner Gerechtigkeit, Friedlichkeit und Liebe in Beziehung zu seinen, ihm nahe und fern stehenden Mitmenschen aufgewiesen, es fehlte doch dem schönen Lebensbilde;u seinem würdigen Abschluß die Vollendüng, die Krone, das Unübertreffliche, welches die heilige Schrift unzweifelhaft in demselben malen wollte, und weit gefehlt darum, daß der Stammvater Israels durch jene letzte That in unseren Augen herabgesetzt würde, erscheint er, meines Erachtens, ob des Außerordentlichen, Großartigen, ich möchte sagen Gigantischen, das darin liegt, eben erst mittelst derselben in seiner ganzen Hoheit und vollen Erhabenheit, und müßte uns sein Lebensgang, so wir uns diese daraus hinwegdenkcn, wie ein Rumpf ohne Haupt vorkonunen, da sie gerade dieses in demselben bildet. Doch wo Licht ist, da fehlt auch nicht Schatten, und als solcher könnte der bedenkliche Umstand erscheinen, daß Abraham es noch mit seinem hehren Gottesbegriff vereinbar halten konnte, Ihm durch Menschenopfer dienen zu wollen; und gewißwürde uns dies unbegreiflich dünken, so er es aus freiem Antrieb — etwa um vor Gott und Menschen seine Alles übersteigende Frömmigkeit zu bezeugen — gethan, da ihn aber allein ein ausdrücklich — freilich, wie oben bemerkt, nur zu seiner auf Verherrlichung abzielenden Versuchung — an ihn ergangenes göttliches Geheiß, das ihm in einer Vision geworden, ihn dazu vermochte, so gereicht auch dieser darauf fallende Schatten dem glanzvollen Lichtbilde nur zur Vervollkommnung seines Eindrucks. ״Alles mit und für, nichts ohne und wider Gott" in goldenen unverwischlichen Buchstaben lautet darnach die Aufschrift für das Lebensbild des Urvaters Israels! — Wäre demzufolge, die Lebensgeschichte Abrahams ohne diese seine letzte und Höchste Großthat eine Mangel- und lückenhafte, und dürfen wir uns den in ihr liegenden Ruhm , weder von christlichen noch jüdischen hyperkritischen Exegeten und Philosophen wegdisputiren lassen, so können wir ihrer noch weniger als Vor- und Musterbildes für praktische Religiosität!sowohl in der Gesammtheit als bei den Einzelnen entrathen. Die Propheten in Israel freilich mußten von specieller Anpreisung dieses Actes absehen, um nicht bei ihren, dem Heidnischen Wesen überaus zugeneigten Zeitgenossen das schlimme! Mißverständniß zu erregen, als ob Menschenopfer irgendwie 1 dem ewigen Gotte wohlgefällig sein könnten, und mußten sie sich daher damit begnügen, auf Abraham, als ״den Fels, aus dem Israel gehauen, den Einen, welchen der Herr berufen, gesegnet und vermehrt habe" (Jesaj. 51, 1 f.) zurückzuweisen; als jedoch seit den Maccabäerkämpfen die reine Gottesverehrung in Israel festgestellt war, da ward auch alsbald mit Hochgefühl jenes Verdienst gefeiert (s. Ben Sira 44, 20 f.), und seitdem ist es das Neß-Panier geworden, zu dem jenes zwei Jahrtausende lang in unvergleichlichen Nöthen und Drangsalen hinaufschaute, um sich Kraft zu erholen, Alles, was dem Menschen werth und theuer: Freiheit und Ehre, Leben und Lebensgenuß, Weib und Kind, für den Dienst und das Bekenntniß des einig-einzigen Gottes hinzuopfern, und, wie der Stammvater, nicht ein Mal zu fragen: Kann der gerechte und liebende Gott solche Opfer von mir! und meinem Volke, das Er doch sich auserkoren und unter! Seine besondere Obhut genommen, verlangen? Solchem abraj hamitischen Heroismus verdanken wir denn allein die Erhal-! tung des Judenthums bis auf unsere und für alle Zeit, und wir sollten den Fels, auf dein er gegründet, nun verleugnen wollen? Nein, möge er vielmehr auch in unseren Tagen noch denen, welche um ihrer Glaubenstreue willen Schweres erdulden müssen — und erleben wir solches nicht noch fast - täglich? — eine Granitsäule, an die sie sich lehnen, ein! göttlicher Stab bleiben, auf den sie sich fest stützen, auf daß j sie im Vertrauen auf und Gehorsam gegen Gottes Willen > nimmer wankend werden. Wie aber also im Leben der Ge-! sammtheit, so nicht minder in dem des Individuums; denn wenn uns da der Ewige tiefe Wunden schlägt, schwere Opfer auferlegt, das Liebste und Kostbarste uns abfordert, ist nicht auch dann das erhabene Beispiel Abrahams ein Licht, das unsere Augen erhellt, wie Feuer, das unser erkaltendes Herz wieder erwärmt und uns gleich ihm die harte Probe siegreich bestehen läßt? — Was aber in der Idee und Realität, im Allgemeinen und Besonderen so trefflich und nachahmungswürdig uns vor Augen steht, dem gebührt sicherlich auch im Bereich des Gottesdienstes ein bevorzugter Platz, und möchte ich nun zwar zugestehen, daß von den Vorvordern in ihrem Uebereifer wie in vielen anderen Beziehungen auch hierin, besonders in der Liturgie für die Zeit der Bußtage, zu viel geschehen, und das Thema dadurch 1>is zur Erschöpfung ausgebeutet worden sei, so müßte mir doch um des der Akedah, wie wir uns überzeugt, Ümewohnenden hohen religiösen Gehalts willen eine Beseiti- «י..., \ 1 V