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Jüdische Volkszeitung · 1873-03-19 · 12 (19.3.1873) · p. Seite 94

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
12 (19.3.1873)
Date
1873-03-19
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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94 51. Laupheim. Sonntag den2. März fand ein schönes! Fest im Gasthofe zum Kronprinzen statt. Der Kirchenpfleger! Raphael Hirschfeld erhielt von Sr. Majestät dem Könige! die silberne Civilverdienstmedaille, die ihm von Hrn. Ober-! amtmann Wernle feierlichst überreicht wurde. Das israelitische Kirchenvorsteheramt veranstaltete ein Festessen, wozu Einladungen an die Bezirks- und städtischen Beamten ergingen. 70 Gäste nahmen an dem Festesten Theil. Herr Oberamtmann Wernle verlas das k. Deeret und setzte in freier Rede die Verdienste des Jubilars auseinander, der seit 30 Jahrenin unermüdlicher Pflichttreue seinem Amte vorsteht. Der Jubilar war zu Thränen gerührt und seine Erwiderung war, wie sein Charakter, schlicht und recht. Der Rabbine tvastirte auf den König, der Herr Oberamtmann auf das Kirchenvorsteheramt, und ein Mitglied des Kirchenvorsteheramts, Oberlehrer Elsässer, auf die Staatsbe- Hörden, vertreten durch den Hrn. Präsidenten v. Schmid in Stuttgart und hier durch Hrn. Oberamtmann Wernle, Herr Stadtschultheiß Hepperle brachte ein Hoch den drei Decorirten: Lehrer Tannenbaum, dem res. Stiftungspfleger Heinrich Steiner und dem Jubilar R. Hirschfeld. Die drei Decorirten sind in Ehren ergraut, der Aelteste zählt 84, der Jüngste 67 Jahre. Das Fest war ein durchaus gelungenes. 52. (Eine Erbauungsstunde in Sistrans.) In Sistrans bei Innsbruck gab's Faschings-Unterhaltung in Form einer Liguorianer-Mission. Es suchte einer der ehr- und hochwürdigen Paters die geneigten Sistcanser zu überzeugen, daß man sich in Glaubenssachen nur bei den Priestern verläßlich belehren könne, und glaubte ihnen dies durch Vorführung eines Vergleiches (nach stenographischen Aufzeichnungen) wörtlich in folgender Weise recht nahe zu legen: ״Ein Vater hatte einen Sohn gehabt. Und dieser Vater wollte aus seinem Sohne einen Schuhmacher machen lassen. Er war ein aufgeklärter Bauer und wollte einen aufgeklärten daraus machen lasten. Was that er? Er schickte ihn zu einen Professor auf die Universität. Dieser Professor wollte aus ihm einen aufgeklärten Schuhmacher machen. Der Professor konnte aber selbst keine Schuhe machen. Nun, meine lieben Christen, seht so gehts. Was würdet ihr sagen dazu? Ihr würdet sagen, er hat es nicht gescheidt gemacht." — Ein Prediger, der über das Schuhmacherhandwerk einen solchen ״Stiefel" spricht, macht es wohl auch nicht ״gescheidt". FeuiUeton. Es hat eine Zeit gegeben, in welcher man von christlichen Gelehrten den Vorwurf hörte, daß die jüdischen Frauen nach den Gesetzen des Judenthums als Sclaven des Mannes bettachtet würden. Ja, aus der Feder eines jüdischen Theologen floß ein Vorwurf dieser Art in der wistenschaftlichen Zeitschrift für Theologie 3. Band, 1. Heft, Seite 1—16, der in der französischen Zeitschrift 1a regeneration abgedruckt wurde; dieser Aufsatz paßte möglicher Weise auf- Pariser Verhältniste, steht aber mit denjüdischen Anschauungen über Liebe und Ehe in grellem Contraste. In neuester Zeit erschien von Alexander Dumas Sohn ein Werk l'bomine-teinms, welches ebenfalls mit den Anschauungen des biblisch-talmudischen Judenthums über das Weib in der Ehe im schreiendsten Widerspruche steht. Cr sagt S. 95, daß die hochbegabtesten Männer aller Zeiten, denen die Gesellschaft ihre Begründung und Fortentwickelung dankt, es für ersprießlich gehalten haben, das Weib einer eigenen- Gesetzgebung zu unterwerfenwelche dem besonderen- Berufe, den die Natur dem Weibe stets angewiesen hatte, möglichst entsprechen sMe, und man könne durch alle Zeitalter die Erfahrung verfolgen, daß die geachtesten, würdigsten und glücklichsten Frauen gerade diejenigen waren und sind-, welche dem zwischen der Gesellschaft und der Natur geschlossenen, durch Gesetze festgestellten Einverständniste sich am willigsten und fteudigsten fügten und fügen.! Diese Art Frauen beklagen sich nie, lehnen sich niemals auf. j Also nicht, weil wir dem Weibe die hergebrachte Erziehung geben, folgert Dumas weiter, ist es so, wie es ist, sondern eben darum, weil es ist, wie es ist, geben wir ihm die her-! kömmliche Erziehung. Dumas nennt das Weib, die Form, die Unterordnung, die Hilfe; den Mann aber — das Wesen der Vermittelung, der Initiative und Bewegung. Oeffnen wir da-! gegen die heil. Schrift, so lesen wir gleich im Anfang: Diese, sagt Adam, ist wahrlich ein Wesen meines Wesens, daher verläßt der Mann Vater und Mutter und hangt an seiner Frau, und sie sind Ein Körper. So lautet auch der Schluß der h. S. ״Wie, hat er sie nicht Eins geschaffen?" Ein Wesen machen also Mann und Weib in jeder Beziehung aus. Knabe und Mädchen haben im Hebräischen Einen Namen naar; nur ein einziges Mal steht im Pentateuch für! Mädchen נערה, da weist das ה nach den Rabbinern auf den! ganzen Umfang des Geschlechtes, analog dem Arabischen hin.! Die dritte Person des persönlichen Fürwortes heißt sowohl 1 für männlich als weiblich הוא. nur elfmal steht im Pentateuch für das weibliche Geschlecht היא zu Gunsten eines halachischen! Moments (Krochmal More S. 154). So bezeichnet איש sowohl den Mann als das Weib, so 2. M. 16, 29. ״Niemand! verlasse seinen Ort am siebenten Tage." So heißt auch 72 איש! irgend einer — eine. Dumas sagt: Wenn sich das Weib anmaßen will, Gesetze zu geben, Heere zu befehligen und!Locomotive zu führen, so macht es sich damit eben so lächcr-! lich, wie das starke Geschlecht sich lächerlich machen würde, ' wenn es Chignons tragen, in ausgeschnittenen Kleidern einher

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