Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 12 (19.3.1873)
- Date
- 1873-03-19
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Korms, im Februar 1873. Je öfter im Leben uns die traurige Thatsache entgegentritt, daß das wahre Verdienst verkannt wird und je öfter diese betrübende Erfahrung gerade von den Lehrern und da wieder ganz besonders von den jüdischen Religionslehrern gemacht wird, desto mehr fteut es uns, wenn auch einmal einem solchen die wohlverdiente Anerkennung bald schon nach kurzer Thätigkeit entgegengebracht wird. — Herr Lehrer Rothschild hier (früher in Grötzingen in Baden) ist so glücklich, nach kaum halbjähriger Thätigkeit als jüdischer Religionslehrer in hiesiger Stadt, sich eines solchen! Erfolges zu erfteuen. Der Antritt seiner Thätigkeit hier unterlag vielen Schwierigkeiten. Erst den unermüdlichen Bemühungen des Rabbiners Hrn. D1\ Stein hier war es gelungen, die Anstellung eines jüdischen Religionslehrers an hiesigem Platze durchzusetzsn. Das Bedürfniß nach diesem Unterricht war hier sehr wenig rege; viele Eltern glaubten! gar nicht, daß ihren Kindern auch noch Zeit für diesen Unj terrichtszweig übrig bleiben könnte, und bettachteten daher i dieses Institut mehr als eine Bürde, wie als Wohlthat. —; Ganz anders ist es heute, heute nach kaum ^jähriger Thä-! tigkeit des Hrn. Rothschild als Lehrer. Alle Kinder besuchen regelmäßig den Religionsunterricht, und sie besuchen ihn gerne. Hr. R. ergriff die geeigneten Mittel, um die Liebe zur angeborenen Religion 'und zum Unterricht in derselben zu wecken. Er gründete eine jüdische Schulbibliothek, die, von den Herren Vorständen und anderen hervorragenden Persönlichkeiten durch namhafte Beiträge unterstützt — (jedes Kind als Mitglied hat außerdem einen kleinen wöchentlichen Beitrag zu liefern), jetzt schon nahe an 200 Bänden stark ist. — Außerdem ließ Herr R. zu diesem Zwecke seine größeren Schüler vor einigen Wochen ein kleines Lustspiel ״Ein Stündchen in der Schule" und ״Der Eckensteher" rc. aufführen. Der Reinertrag, der bei übervollem Hause nicht unbedeutend zu nennen war, war ebenfalls für die Bibliothek bestimmt. Die Leistungen der Schüler waren ausgezeichnet und wurde Hrn. R. schon damals durch mehrmaliges Hervorrufen die allgemeine Anerkennung des versammelten Publikums ausgesprochen. Am verflossenen Sabbath überbrachten ihm seine Schüler nun noch, einige Gymnasiasten an der Spitze, von denen der Eine in recht herzlichen und gelungenen Worten im Namen seiner Mitschüler seinen Dank aussprach, für die viele Mühe, die er sich wegen ihrer verursacht rc., unter Versicherung ihrer Liebe nnd Achtung und der ihrer Eltern und Angehörigen — eine sehr schöne goldene Cylinderuhr im Werthe von mindestens 60—70 sl. Gewiß, eine schöne und liebevolle Anerkennung. Diese Uhr zeigt, daß auch für den jüdischen Lehrer zuweilen noch eine glückliche Stunde kommt! Ehre dem Lehrer, der so seinem Berufe lebt und sich in so kurzer Zeit die allgemeine Achtung in solchen: Grade zu erringen weiß! Ehre aber auch den Schülern und ihren Angehörigen, die ihrer Dankbarkeit in so herzlicher und wohlthuender Weise j Ausdruck zu verleihen verstehen! j Möge sich Hr. Rothschild einer noch recht langen segensreichen Wirksamkeit hier erfteuen: N . . . . n. Aus Kufcll (in Rumänien) wird der ״Rumänischen Post" geschrieben: An den Herrn Redacteur der ״Rum. Post". Die schmerzlich berührte israelitische Gemeinde vom Huscher Kreise ersucht Sie im Namen der Humanität folgende Begebenheit, die sich am Abend vom 5.—6. d. M. im kleinen Städtchen Bransa, Huscher District (Eigenthum des Hrn. M. Cogalniceanu), zugetragen, in Ihrem werthen Blatte zu veröffentlichen. Ein Jsraelite, Namens David Moses, welcher vom Unternehmer, ebenfalls Israelit, der Taxen für die Ueberfahrt der Brücke über den Pruth beim genannten Städtchen Bransa mit der Behebung der Taxe betraut war, begab sich zur angegebenen Zeit zum Primär des Städtchens, Namens Scarlat Mighiu, um von ihm die Taxe für die Ueberfahrt seiner Effecten über genannte Brücke zu erheben. Da "er denselben nicht zu Hause fand, begab er sich in die nächste Schenke, wo! er auch richtig den Primär in Gesellschaft eines Herrn Grigoriu Volsky (ein rumanisirter Pole) an einem Tische sitzend bei einem Glase Rum traf. Der Jude bat die Herren für die Störung um Verzeihung und brachte dem Primär sein Anliegen vor. Dieser schien darob nicht böse und bezahlte ohne Anstand die Taxe. Als David Moses sich entfernen wollte, hielt ihn der Primär mit freundlicher Miene zurück, lud ihn ein, an seiner Seite Platz Zu nehmen, bot ihnr ein Glas Rum an, und forderte ihn auf, es auf seine Gesundheit zu leeren. Der Jude, die Einladung zurückzuweisen fürchtend, gehorchte und trank auf des Primars Wohl. Hierauf füllte , auch der andere Herr, dessen wir oben erwähnt, ein Glas und forderte nun auch seinerseits den David Moses auf, aus sein Wohl zu trinken. Der arme Jude, allgemein als Nichttrinker bekannt, und der besonders keinen Rum mochte, entschuldigte sich, und bemerkte, daß ihm schon das eine Glas zu viel sei. Da aber beide Herren in ihn drangen, that er sich Gewalt an und leerte auch das zweite Glas. Beide Herren füllten nun nach einander die Gläser und drangen in den Israeliten, noch mehr zu trinken. Da er stch aber weigerte, wurden die beiden Herren böse, sperrten dem Juden mit Ge-