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Jüdische Volkszeitung · 1873-03-12 · 11 (12.3.1873) · p. Seite 85

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
11 (12.3.1873)
Date
1873-03-12
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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85 betrugen in diesem Jahre 1794 Thlr. 14 Sgr. 1 Pfg., die Ausgaben 1550 Thlr. 24 Sgr. 1 Pfg., mithin Bestand 243 Thlr. 20 Sgr.. An verzinslich angelegten Capitalien besitzt das Institut gegenwärtig 8400 Thlr. Przemgfk» 16. Februar 1873. Gestatten Sie gütigst dem von mir geschilderten Ereignisse ein Plätzchen in Ihrer werthen Zeitschrift. In Wielkocz, einem kleinen Städtchen unweit von hier, ereignete sich vorigen Freitag ein schauderhaftes Ereigniß. Als die dortigen Juden, dem Gebrauche nach, im Dampsbade versammelt waren, um sich auf den heiligen Samstag לכבוד שבת 1קודש zu baden, und der Bäder, welcher im besoffensten Zustande bei der Dampfmaschine beschäftigt war, vergessen hatte, den Dampf aus der Maschine zu lassen, und dieselbe in Folge dessen ganz überfüllt wurde, sprang der Kessel, ohne daß dies von den armen Gästen bemerkt wurde. Nach Verlauf einiger Zeit ward es im Bade plötzlich so ftnster, daß Einer den Andern nicht sehen konnte.(אשר לא ראו איש את אחיו) Als die Unglücklichen hierauf bemerkten, daß diese egpptische Finsterniß vom Kessel herrühre, fingen sie an, fürchterlich zu jammern und um Hilfe zu schreien. Leider aber vergebens; es kam keine Rettung. Als nach einigen ,Minuten wieder Licht wurde, zersprang der Kessel mit fürchterlichem Getöse in Zwei Theile, und während der eine Theil am Orte ruhig blieb, sprühte der andere glühende Trümmer nach allen Seiten hin, so daß die, die ganz oben saßen, kaum gerettet, und die auf der 1., 2., und 3. Stufe schwer verwundet (wohl verbrannt?) worden sind. Ein Knabe, welcher zufällig nahe beim Kessel stand, ward augenblicklich ein Opfer des Todes, indem ein glühendes Stück ihm auf den Kopf fiel. Von den Uebrigen haben bereits 4 Männer ihr Leben ausgehaucht, und 25, nebst 2 Kindern, liegen noch gefährlich unter ärztlicher Behandlung. Möge sich Gott ihrer erbarmen, und uns vor allem Unglück bewahren! Osias Atlas. dRmulfHuui. 38. (Schobotniks.) In dem Briefe eines persischen Glaubensgenossen, dessen wesentlichen Inhalt wir in einer unserer letzten Nummern Wiedergaben, erwähnten wir der Schobotniks. Wir geben heute über dieselben (nach dem ״Jsraelite") folgende Details. Die Schobotniks sind keine Juden; sie find griechisch-katholisch, aber von hebräischer Abkunft. Im Jahre 1676 unter dem Czar Alexis Michaelowitsch fand eine grausame Judenverfolgung statt und eine Anzahl Hebräer traten, um ihr Leben zu retten, äußerlich zur Staatsreligion über, blieben aber im Herzen Juden. Um Entdeckung zu vermeiden, verließen sie die Heimath und siedelten zwischen Don und Wolga, nicht fern vom Caspischen Meere an, wo! heute noch zwischen 2 und 3000 ihrer Abkömmlinge leben, denen sich 4 bis 5000 Christen angeschlosfen haben. Sie essen kein Schweinefleisch, beobachten den Sabbath und schlachten die Thiere nach jüdischem Ritus. 39. (Jüdische Schönheiten.) Ein Correspondent des ״Daily Telegraph", der Südspanien und Nordafrika bereist, beschreibt die Schönheit der maurischen Jüdinnen, von der er ganz entzückt ist: ״Spreche man mir immer von nordischem Klima und britischen Schönen; was sind diese gegen die Jüdinnen von Tanger? Hoch und gerade gewachsen, schlanke biegsame Gestalten, und welche Augen! welche Zähne! Ihr Götter — ich war in einer muhamedanischen Stadt und glaubte im muhamedanischen Paradiese zu sein! Mein Glück war die große Zahl der schönen Jüdinnen: mit dem besten Willen ist es doch nicht möglich, sich in mehrere hundert zu verlieben. Man lobt die Feuerblicke der Sevillanerinnen; sie sind Talglichter gegen die Sonnen dieser Jüdinnen!" — Welch' Feuer, welche Begeisterung eines fischblütigen Engländers! 40. Die erste Niederlassung der Juden in Amerika geschah 1610 zu New-Pork, das damals noch unter der Herrschaft der Holländer stand und Neu-Amsterdam hieß; die erste jüdische Gemeinde bildete sich daselbst 1706, und diese baute 1721 ihre erste Synagoge. 1844 gab es in New-Aork 4, 1854 schon 20 und jetzt gibt es mindestens 40 Synagogen in dieser Stadt und etwa 220 im Gebiete der Union. 41. (Aus der französischen Academie.) Der berühmte jüdische Reisende Halüvy hielt kürzlich einen Vortrag, in welchem er, gestützt auf einige Aussprüche des Talmud und von ihm angestellte Forschungen behauptet, die von den Assyrern weggeführten zehn Stämme Israels seien nach Kleinasien, namentlich Cilicien, verpflanzt worden und von dorten nach der Halbinsel Krimm (Reich der Chazaren?) gewandert. — Renan und Derenbourg widerlegten den Redner, suchten ihm Mißverständniß der talmudischen Angaben nachzuweisen und behaupteten: das Aufsuchen der zehn Stämme Israels sei schon so oft und so vergeblich versucht worden, daß es der ״Auffindung der Quadratur des Kreises" gleiche. — Auch wir dächten, der verdienstvolle Reisende könnte seine Kraft und Zeit besser anwenden, als mit Versuchen zur Lösung einer Frage, die wir Epigonen jetzt nicht mehr zu lösen vermögen. 42. Ins Centralconsistorium von Frankreich wurde Anspach, ins Consistorium von Paris wurden Rothschild, Leven, Derembourg, Erlanger und Levy-Bing gewählt. 43. (Das Grab der Esther.) In der Stadt Hamadom in Persien steht ein einfaches Gebäude von Backsteinen, das die umgebenden ärmlichen Judenhäuser hoch überragt und das bei allen persischen Juden als ein großes Heiligthum hoch in Ehren steht. Hierher wallfahrten sie mit jenem frommen Gefühle, welches zur Zeit, da der Tempel stand, ihre Väter zu den

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