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Jüdische Volkszeitung · 1873-03-12 · 11 (12.3.1873) · p. Seite 84

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
11 (12.3.1873)
Date
1873-03-12
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 von der Schule, der guten Schule, mithin vom Lehrer ab. Die Lehrer aber waren und sind bis heute noch die Stiefkinder der menschlichen Gesellschaft; man fühlt es wohl, was sie bedeuten und wir können nicht umhin, zuzugestehen, daß unter Juden viel, sehr viel für die Bildung der Kinder geschieht. Doch, noch lange nicht genug, nicht genug für die Hebung und Kräftigung der Schule, und insbesondere nicht genug, mn den Lehrerberus zu einem auch materiell einigermaßen ansprechenden zu machen. So lange noch der horrende Lehrer,nangel um sich greift, so lange noch der irgendwie gut situirte Familienvater, der bei der Berufswahl seines Sohnes nicht an Rücksichten gebunden ist, — ja selbst der Lehrer seine Söhne mit gutem Gewissen nicht dem Lehramte zusühren kann, weil die Stellung des Lehrers eine im Allgemeinen traurige und gedrückte ist, so lange versündigen sich die Gemeinden noch an den Lehrern, mithin an der Schule, d. i. an sich selbst. Doch, was ist zu machen? Es sind einmal Lehrer da; sollen diese im Alter, wenn sie dienstunfähig sind, darben? sollen ihre Wittwen und Waisen betteln? So erniedrigt ist Israel noch nicht; und diesem zu steuern, wurde die Achawa errichtet. Reichlichen Segen hat dieser Verein bereits gestiftet. Wir dürfen ihn getrost als die bedeutsamste gemeinsame Institution für das deutsche Judenthum bezeichnen, als die wohl-1 thätigste Anstalt desselben. Aber noch lange ist nicht genug geschehen. Viel, sehr viel wird von uns gefordert, was wir nicht erfüllen können, weil unser Arm zu kurz ist. Noch immer werden die Bedürfnisse sich steigern. Traurig, fast erschrecklich traurig sind einzelne Fülle, in welchen wir unsere Hülfe bieten mußten. Wir fordern daher die israelitischen Gemeinden Deutschlands auf, mehr als bisher geschehen, für die Achawa zu thun. ■— Wir bitten die löbl. Vorstände der Gemeinden und wohlthätigen Anstalten, feste Summen auf ihr Budget zu nehmen und unserer wohlthätigen Anstalt, die im Interesse der Gesammtheit geschaffen wurde, alljährlich zufließen zu lassen. Wir ersuchen jeden denkenden, wohlthätigen Jsraeliten, für die Achawa zu wirken, als Ehrenmitglied (mit einem Beitrage von jährlich 2 Thlr.) beizutreten und des Vereines bei freudigen und traurigen Veranlassungen zu gedenken, bei Festessen Sammlungen zu veranstalten rc. Der Redacteur d. Bl. wird mit Vergnügen jederzeit bereit sein, Auskunft zu geben, Statuten und Berichte zu senden und Gaben an den Rechner (Herrn Leopold Dann in Frankfurt a. M.) zu ver- Mitteln, die im ״Jsr. Lehrer" regelmäßig öffentlich quittirt werden. Wir wiederholen: es gibt keine heiligere Pflicht in dieser Richtung für das deutsche Judenthum. Aus SAippenßcif. Aus dem dritten Rechenschaftsberichte über das israelitische Provinzial-Waisen-Jnstitut für Knaben und Mädchen in Ostpreußen zu Schippenbeil entnehmen wir Folgendes: ״Nach unserem letzten Berichte hatten wir die Zahl der in unser Institut aufgLUEmenen Waisenkinder auf sechs Köpfe angegeben, darunter vier Mädchen und zwei Knaben. Im Laufe des verflossenen Jahres ist es uns, Dank der gütigen Unterstützung der Frau Louise Herz, gelungen, eines der Mädchen, Rahel Mendelsohn, in der Erziehungsanstalt des FrauenvereinZ von 1833 für israelitische Waisenmädchen in Berlin unterzubringen. Am heutigen Tage haben noch drei Waisen in unserem Institute Aufnahme gesunden; so daß nunmehr acht Kinder in unserem Institute vorhanden sind. Von dem Landrathsamte zu Marggrobowo um Aufnahme von weiteren zwei Kindern angegangen, beabsichtigen wir mit Aufnahme derselben die im Beschlüsse des Vorstandes vom 20. Mai v. I. auf 10 Köpfen festgesetzte Anzahl zu erfüllen. — Wie im Vorjahre besucht einer der Knaben, Max Mendelsohn, die hiesige Elementarschule und erhält nebenbei noch Privatunterricht; während der im Vorjahre confirmirte Albert' Levin die Quarta des Gymnasiums frequentirt. — Die Mädchen besuchen nach wie vor die hiesige Töchterschule und genießen außerdem noch Privatunterricht in weiblichen Handarbeiten. Wie bisher, so werden wir auch ferner bemüht sein, die unserer Obhut anvertrauten Zöglinge unter steter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten und Anlagen zu tüchtigen Menschen heranzubilden. — Hierbei dürfen wir nicht unerwähnt lassen, mit wie unermüdlicher Sorgfalt und großer anerkennenswerther Umsicht unser bisheriger Hausvater, der Kaufmann Herr I. Abramowski nebst seiner Frau, die den Segen eigener Kinder entbehren, sich die körperliche Pflege und moralische Leitung unserer Zöglinge haben angelegen sein lassen, und müssen wir mit großer Befriedigung aussprechen, daß der von ihnen geübte Einfluß ein überaus günstiger und zufriedenstellender gewesen. In Folge Beschlusses des Vorstandes vom 20. Mai v. I. ist die Beaufsichtigung und religiöse Erziehung dem hiesigen Cultusbeamten seit dem Monat October v. I. übertragen, der auch den Religions- und Unterricht im Hebräischen leitet. — Der Gesundheitszustand war im Verlaufe des ganzen Jahres ein durchaus erfreulicher und zufriedenstellender, Dank der anerkennenswerthen und uneigennützigen Sorgfalt des Herrn Dr. Feller, durch dessen Abzug nach Danzig wir einen Freund 'und Förderer unserer Anstalt eingebüßt haben. Seit dem 1. September v. I. ist die ärztliche Behandlung bei etwaigen Erkrankungen dem jüdischen Arzte Herrn Dr. Rosenthal hier übertragen worden." Die Einnahmen

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