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Jüdische Volkszeitung · 1873-03-12 · 11 (12.3.1873) · p. Seite 82

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
11 (12.3.1873)
Date
1873-03-12
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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— 82 - uns noch sträuben, mit jenem gerechten heiligen Ausspruch,! eine Erzählung so unerbartlichen Inhalts, warum als Hastara daß der Heilige bei seiner Güte und Barmherzigkeit den das Capitel von Chana gewählt? Der Legende und wiederum Frevel doch nicht ganz ungestraft lasse, den Vers zu schließen?*)! der Legende zu Liebe, ״an diesem Tage seien Sara und Chana Mögen diejenigen, die sich von )hrem Aberglauben nicht bevon Söhnen entbunden worden." Im Orient wird freilich auf freien können, auch das, wenakkeh'fortlassen und mit^wechatoo^ Kindererzeugung ''4^ hoher Werth gelegüj/^hon aus zarter endigen.**) Warum aber sollten wir gleichsam an einemjauf kinderlose Ehen sollte jene Vorlesung an Delict, einer Fälschung des Textes, participiren? einem ohnehin so aufregenden Tage lieber unterbleiben. Geiger Wir kommen zum traurigsten Kapitel in unserem Gottesdienste, zur Thoravorlesung. Dieser Theil des Gottesdienstes, welcher der fruchtbarste sein sollte und sein könnte, ist leider der sterilste geworden. Es leidet für den Nachdenkenden gar keinen Zweifel, und wir haben dies an einer andern Stelle des Ausführlichen nachgewiesen, d«ß»ftüha> daß die Thoravorlesung der Zukunft nur die einer Auswahl und begleitet von mündlicher Uebersetzung werde sein können. Wir wissen, das Vorurtheil der bei Weitem überwiegenden Mehrheit ist noch dagegen. 2^r MLnigstensfm^Äe^Festtaaek^Z»tm^i d gleichsam, die wir diese neuen Gebetbücher recipirt ha^en, ^an die bisher üblich gewesenen Vorlesungen zu binden. Freiaber war es der Sache, die er mit Recht als beredter Anwalt literarisch so warm vertrat, und sich selber schuldig, in der Frankfurter. Gebetbuch-Commission darauf zu beharren, daß die Akedah, wenn schon an dem Sabbath, an welchem dieses Capitel an der Reihe ist, doch nicht noch besonders alljährlich am Neujahrstage verlesen werde. Und die Haftara? Die für den ersten Tag ist in ihrer vorgenommenen Kürzung sehr schön und erbaulich^ahEdie für den zweiten Tag? Welch grelle Dissonanzeiy/A/Aer Stimmung der Büßenden, nach Sühne Lechzenden und der^,unter Spiel und Scherz mit Tympanen und Reigen ausgehenden freudeberauschten Jungfrauen, Jünglinge und Greises Für diesen Tag ist vielmehr der von Dr. Stein gewählte Psalm 103 sehr geeignet, er ist wie lich ist es für den größten Theil der Synagogenbesucher, die! eigends für diesen Tag gedichtet. Ebensowenig frommt uns ja leider des Hebräischen unkundig sind, ganz gleichgültig, was! am Scl-^uoth die Merkhaba, deren Vorlesung (Meg. 4, 10) vorgelesen wird; warum aber soll auch denen, die ein Urtheil!ja nur R. Jehuda gestattet; wie nun erst, wenn wir sie in haben^und in der Thoravorlesung nicht die Beobachtung! der Muttersprache vortragen?! Wenn schon einmal der Offeneiner todten Observanz, sondern lebendige Belehrung suchen, barung am Sinai eine Glanzscene an die Seite gestellt werdieselbe durch Beibehaltung der bisher üblich gewesenen un-! den soll, so wäre Jesaj. 6 zu wählen, passenden Auswahl verleidet werden? Wir wissen ja aus j Bevor ich daran gehe, einzelne Jnconvenienzen im Gebet- Mischnah, Gemara und den Thossaphisten recht gut, daß für!buche bei G. nachzuweisen, erlaube ich mir noch — und es die Wahl der Thoravorlesung an den Festtagen keine stE«»! ist mir dringendes Bedürfniß — auf eine nothwendig vor- Normen herrschten, und haben ja beide Herren, Dr. G. und zunehmende Weglassung die Aufmerksamkeit zu lenken. Vier die Vorlesung für den zweiten Neujahrstag gekürzt, bis fünfmal des Tages werden in den allermeisten Synagogen Dr. I. und hat ja Geiger, wofür wir ihm aufrichtigen Dank zollen, schon vor 20 Jahren die früher üblich gewesene ungeeignete Vorlesung für dei^Versöhnungsabend mit einer sehr passenden vertauscht. Warum also dabei schon stehen bleiben, warum noch immer die Vorlesung / für den ersten Neujahrsmorgen beibehalten, in der nicht nur kein erhebendes, dem Ernst des Tages Rechnung tragendes Moment, im Gegentheil Manches enthalten ist,, das herrschsüchtige lieblose Benehmen der Erzmutter gegen Hagar und ihr Kind? was unsere versöhnlichen, an diesem Tage so weichgestimmten Gemüther verstimmt? Die Mischnah selbst (Meg. 3, 5) hatte ja in der That für diesen Tag eine andere Perikope. Und warum wurde denn später hi *) Noch ganz abgesehen davon, daß ja, wie auch Jerem. 30, 11, der Sinn dieser Worte vielleicht ist: ״er reibt nicht ganz auf." So interpretirt ja Maimon. M. N. 1, 54. **) Im Gebetbuch von Merzbacher und Adler (New-Aork 1855 und 1864) wird auch wirklich mit wechatooh abgeschlossen. folgende Worte gesprochen: ״Er der Barmherzige . . . nimmt oft seinen Korn zurück und läßt nicht seinen Lgar^zn 'Grimm Erwachen." Wenn auch der Psalmist (78, 38) diese Worte gesprochen, wir sollten diese schroffe Anthropopathie und zumal ihre so oftmalige Wiederholung aus dem Gebete entfernen. Hat ja der HMpM Jochanan (Mischna Sota und Maasser Scheni Ende)^ nach Ps. 44, 24 täglich von den Leviten gesprochenen Worte: ״Erwache Herr, warum schläfst du?" aus eigener Machtvollkommenheit inhibirt, weil sie das bessere Bewußtsein beleidigen; so sind auch wir nicht blos berechtigt, sondM^gar^rpflichtet, eine Anthropopathie zu beseitigen, die^Mr^em^nachtheiligen Einfluß auf den schlichten, zum Nachdenken wenig beanlagten Israeliten zu üben geeignet ist. Dieser glaubt. Andern grollen, zürnen, Dissentirende verfolgen zu dürfen, ja religiös dazu verpflichtet zu sein, da ja sein Gott selbst von Zorn und Grimm, die er nur bisweilen zurückdrängt, nicht frei ist. Und so sollte denn auch bei G. an den heiligsten

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