Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 11 (12.3.1873)
- Date
- 1873-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wochenschrift Jüdische Volkszeitmlg. rcittirl c •ßcftcftungcn nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 171!'2 Ngr. in Grmrind, und Ichnkr. Znusgugs und Krbrn. sind an die Berlagshandlung von - Joh. Friede. Hartlnoch in Leipzig Herausgegcben von I. in Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". N0. 11. Leipzig, den 12. März. 1873. I n ft a f t : Wieder vom Cultus (Fortsetzung aus Nr. 9). — Vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebunde. — Correspondenzen: Ingelheim. Aus Schippenbeil. Przemysl. — Rundschau. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Fortsetzung). — Briefkasten. — Druckfehler-Berichtigung. — Anzeigen. X *f■ U|1V‘*<LU־ nimr-flfrHW. Die neuen Gebetbücher. (!1ז Nl י!וזרקווווו) 1 jynTt-f) Nach Absendung meines jüngsten Manuscripts habe ich eine reichlichere Lese in den Seelenfeiern neuer Gebetbücher gehalten und bin erstaunt über die Naivetät, womit man den Allwissenden, Allgerechten, noch mehr, den Allgütigen^ anfleht, nur ja den Todten Frieden zu gewähren und ihnen nur ja nichts schuldig Zu bleiben, nur ja nicht den Lohn vorzuenthalten, auf den sie durch ihre Tugenden und frommen Werke gerechte Ansprüche haben. *) Also das naive Gebet Abrahams: ״Es sei fern von dir . . . der Richter der ganzen Erde wird doch wM Recht üben!" steht noch in voller Blüthe! Sapienti sat. Bei G. war mir in der Seelenfeier I., S. 239 folgendes Gebet unbegreiflich: ״Laß ihr (der Verklärten) innigstes Sehnen und Hoffen und Bangen bei dir Erhörung und Ge- Währung finden um des Glaubens und der Liebe willen, *) Alle diese Unzuträglichkeiten können wir vermeiden und tragen dennoch unseren Gefühlen der Pietät volle Rechnung, wenn wir ihnen, anstatt in bittender Form, vielleicht ungefähr in folgender Art einen positiven Ausdruck geben: ..In jenen seligen Gefilden, im Reiche der reinen Geister, sind in. Gemeinschaft aller Frommen und Edeln auch die Seelen unserer Heimgegangenen der ewigen Seligkeit theilhastig." womit sie sind aus dem Leben gegangen." ^Am Schlüsse S. 242 sind die Worte נחת רוח und למוד תורה הרבה rc nach der unbedingt bessern Fassung S. 70 zu ändern. Bei. *Zf Dr. Jovl ist ausschließlich nur die weniger gute Fassung zu finden. Bevor wir zu mancherlei Einzelheikm übergehen, wir doch noch einige allgemeine Gesichtspunkte hervorheben. In allen Gebetbüchern, alten wie neuen, auch bei G., schließen die sogenannten 13 Middoth*) mit dem Worte,,wenakkeh" und nicht, wie es recht und wahrheitsgemäß wäre, mit״welo jenakkeh." Es ist diese Willkür eine unverzeihliche. Den Alten ist es zwar ebenso unverzeihlich, die Worte der Schrift, und gerade so erhabene und so vor allen andern feierlich verkündete, zu verstümmeln,**) aber bei ihnen ist diese Willkür erklärlich, sie wurzelt in der Schrulle, bei'einer Drohung, bei Verkündigung von Strafen keine Pause zu machen. Daß der Talmud überhaupt sprachliche Schwierigkeit und Widersprechendes in der Stelle fand und darum zu jener bekannten Inter-, pretation Zuflucht nimmt, ***) befremdet uns zwar nicht,׳ es schmerzt uns, nur, daß die, welche als unsere Lehrer und Meister gelten, den einfachen geraden und richtigen Sinn nicht erfaßten, odernicht erfassen wollten. Warum sollten aber wir *) Ich sage sogenannte, denn wir wissen ja, daß nur durch Künstelei sich hier 13 Middoth herauszählen lassen. Wenn es wirklich 13 wären und 13 sein müßten, so würden nicht in dem sonst fast wörtlich übereinstimmenden Gebote 4. M. 14. 18 einige Middoth daran fehlen. **) Auch der Verfasser des Buches Akedah (xorta 54 zu 2. M. 34, 7) rügt diese Zerreißung des wenakkeh lo jenakkeh von Seiten der Liturgem^^wie es scheint, sich des eigentlichen Beweggrundes derseMnbeSußt zu sein. מנקה לשבץ ואינו מנקה לשאינן שבי^.ד(*** 1