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Jüdische Volkszeitung · 1873-03-05 · 10 (5.3.1873) · p. Seite 75

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
10 (5.3.1873)
Date
1873-03-05
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 Wir glauben, in den angeführten verschiedenen Punkten die Aufgabe ^gezeichnet zu haben, welche uns bezüglich des Religionsunterrichts unserer Kinder obliegt. Schwierig und fast unerreichbar mag Vielen die Erreichung des Zieles erscheinen, das wir dem deutschen Judenthume hiermit stecken. Und doch haben wir die Ueberzeugung, daß Alles erreichbar ist bei gutem Willen. Kommen wir nur einmal aus der Zersplitterung heraus, finden wir eine einigende Macht, die die nach verschiedenen Richtungen auseinandergehenden und theilweise unklaren Einheitsbefirebungen concentrirt und organisirt und den Weg zeigt, so werden sich auch die Mittel finden zur Erreichung des Zieles, zur Erfüllung der selbstverständlich ersten und heiligsten Aufgabe — der Selbsterhaltung. Bis dahin aber werden wir und dürfen wir nicht rasten. Arbeit gibts, es nehme nur Jeder Theil daran! Eorrejponäenz. Kerlia, 19. Febr. Wieder ist ein hervorragender Mann zu Grabe getragen worden. Der Herausgeber des ״Magazins für die Literatur des Auslands", Joseph Lehmann, ausgezeichnet als Mensch und Schriftsteller, voll warmer Liebe zum Judenthum, dem er stets eine besondere Theilnahme zuwendete, ist gestorben. Die ״Nationalzeitung" schreibt von dem in weiteren Kreisen geachteten Mann: ״Nicht nur auf literarischem Gebiet, durch die Sorgfalt und Feinheit, mit der er jenes nach vielen Seiten hin musterhafte Journal leitete, das viele Jahre hindurch beinahe allein den literarischen Verkehr Deutschlands mit dem Auslande vermittelte, auch in bürgerlicher hingebender Thätigkeit in Vereinen, so noch in seinen späteren Lebensjahren bei Er- Achtung der ״Berliner Volksküchen", hat er sich ein großes und nicht genug zu schätzendes Verdienst erworben. Unermüdlich thätig, von einer geistigen Frische, die dem Alter und der Krankheit trotzte, voll Herzensgüte und Aufopferung, gehörte Joseph Lehmann nicht allein dem engen Kreise seiner Freunde, sondern recht eigentlich unserer Stadt an, zu deren wackersten Bürgern er gezählt werden wird." Berlin, 25. Febr. Wir erfahren mit Bestimmtheit, daß im Schooße der kirchenrechtlichen Commission des Abgeordnetenhauses die Berathung des Gesetzes über den Austritt aus der Kirche ausgesetzt ist, weil man den Juden den Austritt aus den Synagogengemeinden gestatten möchte, ohne daß sie deshalb aus dem Judenthume auszutreten brauchen. Eine solche Freiheit wäre denn doch stark, wenn andererseits den Christen mit der Austrittserklärung zugleich die Eigenschaft als Christen factisch entzogen. Will man gerade beim Juden liberal sein, wo es sich um Bestand der Religionsgemeinde handelt? Wir wollen den Verlauf dieser wichtigen Angelegenheit abwarten. Die Zeitungen schreiben jetzt hierüber: Bei Art. 9 des Gesetzes über den Austritt aus der Kirche waren im Interesse des Austritts der Juden aus den 1847 gesetzlich eingerichteten Synagogengsmeinden mehrere Amendements gestellt. Es sollte nämlich zu der Bestimmung: ״Was in den §§ 1—8 für den Austritt aus der Kirche bestimmt ist, findet auch auf den Austritt aus solchen Religionsgemeinschaften, welchen Corporationsrechte gewährt sind, Anwendung", noch hinzugefügt werden, entweder a) ״insbesondere für den Austritt aus der mit Corporationsrechten versehenen Religionsgemeinschaft der Juden", oder 5) ״insbesondere auch, wenn Juden aus der durch das Gesetz vom 23. Juli 1847 eingeführten Synagogengemeinde austreten". Die Commission verzichtete indeß zuletzt auf diese Amendements und blieb bei dem Wortlaut der Regierungsvorlage stehen, theils weil auch nach diesem Wortlaut Juden unzweifelhaft aus der Synagogengemeinde austreten können, theils weil es der Mehrheit unmöglich schien, die vorliegenden complicirten Verhältnisse anders als durch ein Special-Gesetz zu regeln. Ingekkeim, im Februar. (Die hessische Israeliten- Versammlung in Frankfurt a. M.) Der von uns in Verbindung mit einigen befreundeten Männern in Nr. 4 und 5 erlassene Aufruf hat gute Früchte getragen. Zugleich mit uns war ein Comitä im Kreise Vilbel zusammengetreten und mit einem ähnlichen Aufrufe vorgegangen, der jedoch in seiner Ausführung ein festbestimmtes Ziel, eine Petition an Grh. Regierung und Stände im Auge hatte und bestimmte Beschwerdepunkte der hessischen Israeliten aufzählte. In Folge dieser beiden Anregungen fand denn nun. auch in Frankfurt a. M. am 16. d. M. eine sehr zahlreich besuchte Versammlung statt. Es dürften wohl 150 Männer aus allen Ständen und allen Theilen des Landes anwesend gewesen sein; unter ihnen der Landtagsabgeordnete Marcus Edinger von Worms, die Herren Rabbiner Dr. Landsberger aus Darmstadt und Dr. Stein aus Worms, viele Vorstände und Lehrer. Bevor wir zu dem Berichte über die Thätigkeit dieser vom besten Geiste beseelten Versammlung übergehen, müssen wir noch eines Umstandes Erwähnung thun, um Mißdeutungen vorzubeugen. Wir hatten bei unserem Aufrufe wohl andere, theils engere, theils weitergehende Ziele im Auge, als das Comitä zu Vilbel und wir wollen auch diese noch weiter verfolgen. Wir haben felsenfestes Vertrauen zu den in der Entwickelung begriffenen Bestrebungen der Gegenwart und hoffen mit Bestimmtheit, daß die Tage der Confefsionsschule gezählt sind und die baldige völlige Trennung der Kirche vom Staate und der Schule von der Kirche nur eine Frage der Zeit ist. Damit fällt natürlich der größte und bedeutendste

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