Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 9 (26.2.1873)
- Date
- 1873-02-26
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Hundfchau. 30. Kassel, im Februar. Die k. Regierung zu Kassel hat nachstehende, die Schulaufsicht über die israelitischen Schulen betreffende Verfügung erlaffen: ״Behufs Regelung der Schulaufsichtsgesetze hinsichtlich der israelitischen Schulen bestimmen wir hierdurch, daß, insoweit dies seither noch nicht der Fall war, die für die christlichen Schulen bestellten Local-Schulinspectoren in dieser Eigenschaft fortan auch für die israelitische Schule zu fungiren haben. Eine Ausnahme hiervon ist jedoch zulässig, wenn sich am Orte eine zur Uebernahme dieses Amtes geeignete Persönlichkeit mosaischer Religion (z. B. ein Rabbiner) stndet, und wollen wir in solchen Fällen bezüglichen Antrag erwarten. Im Uebrigen erleiden die den Provinzial-Vorsteher- Aemtern in Ansehung des israelitischen Schulwesens eingeräumten Befugnisse hierdurch keine Aenderung." Nachdem dem ״Fuld. Anz." beabsichtigt der hiesige Schulvorstand, den Rabbiner Dr. Enoch zum Local-Schulinspector vorzuschlagen. (Gute Nacht, Schule!) 31. Am 31. Januar Nachmittags machte eine in der Berggasse in Brünn wohnende 65jährige Frau bei einigen Behörden die Anzeige, daß von den Juden Europas die österreichische Monarchie occupirt und ein Dritttheil der Menschen umgebracht werden soll. Die Frau, welche diese confuse Anzeige machte, wurde als geisteskrank in die Landes-Jrrenanstalt zur Heilpslege überbracht. Feuikketon. Das Mormonentkum auf äem Wege na<& Dakäftina. Aus dem Schooße der ״Heiligen der letzten Tage" am Salzsee wird eine Bewegung berichtet, der man mit gutem Herzen den besten Erfolg wünschen kann, und welcher das amerikanische Volk mit seiner Regierung mit allen Mitteln Unterstützung anzedeihen lassen sollte. Ein deutsch-amerikanisches Blatt, der trefflich redigirte ״New-Dorker Demokrat" berichtet darüber Folgendes: Der Prophet Brigham Joung ist zu der weisen Erkenntniß gekommen, daß es nutzlos sein würde, sich dem nach Westen gehenden Strom der Weltgeschichte länger entgegen zu stemmen, und daß der einzige Weg, sich selbst und die Einheit seiner Kirche zu retten, der sei, die Fronte, an der er bisher gestanden hat, zu verlassen und sich in den Rücken des Stromes der Einwanderung und der modernen Civilisation zu begeben. Brigham soll nämlich den Plan gefaßt haben, zu einer Ansiedelung des Volkes der Mormonen nach Palästina, und es soll sich bereits eine Gesellschaft von Würdenträgern der Heiligen zur Reise nach dem gelobten Lande anschicken, um sich nach einer passenden Gegend für die Anlegung einer neuen Heiligen-Stadt umzusehen. Man muß ansrichtig wünschen, daß dieser Plan zur Reife und zur Ausführung gedeihen möge. Von Seite der Mormonen selbst würden ihm schwerlich Hindernisse in den Weg gelegt werden, denn der kluge Prophet hat jedenfalls nicht versäumt, seinen Gläubigen den Plan als eine directe göttliche Offenbarung darzustellen, und fast könnte man versucht sein, ihn wirklich für eine solche zu halten, denn es ist nicht zu verkennen, daß, wenn es irgend einen bewohnten Meck auf der Erde gibt, an welchen die Mormonen passen und gehören, dies das alte Vaterland der Israeliten ist. Es ist dies nicht scherzweise, sondern ernsthaft gemeint, denn die mit dem Wesen des Mormonenthums näher Vertrauten versichern, daß es seinen Hauptgedanken und Formen nach nichts als ein Versuch der Wiederbelebung der alten jüdischen Theokratie sei. In allen, vom Christenthum beherrschten Theilen der Erde muß das Mormonenthum ein R)׳st6ron potsron bleiben, und selbst in diesem, auf der unbedingtesten religiösen Duldung beruhenden (oder wenigstens beruhen sollenden) Lande hat es sich als eine mit dem allgemeinen Volksgeiste unvereinbare Anomalie erwiesen. Sein eigentlicher Ursprung ist in Asien, dem uralten Vaterlande der positiven Offenbarungen, der Theokratien und Priesterherrschaften, und noch jetzt der Wiege des Sonderinstitutes der Vielweiberei, welches selbst in unserem Lande der persönlichen und Glaubensfreiheit die an sich harmlose Secte zu einem nicht zu assimilirenden Eleinente, zu einem nicht duldenden ״Staat im Staate" machte. Wenn das Mormonenthum wirklich Keim zu einer längeren Lebensdauer in sich trägt, so kann es für die Entwickelung derselben offenbar nur in Asien einen geeigneten Boden finden. Daß dieser Secte im Ganzen wie im Einzelnen, in diesen: freier: und toleranten Lande wiederholt schon wirklich bitteres Unrecht angethan worden, und sie mehrfach das Opfer durch nichts zu rechtfertigender Gewaltthat gewesen ist, kann nicht in Abrede gestellt werden, und schon das Unmöglichwerden der Wiederholung solchen Unrechts und die absolute Errtfernung einer fortwährenden Quelle für die Nahrung des Fanatismus und der Verfolgungssucht würde ein im Interesse der Ehre der arnerikonischen Nation wünschenswerthes Ereigniß sein. Was die Mormonen in Amerika thun wollen, könnten auch die persischen und rumänischen Juden thun, sie könnten nach Palästina gehen, und dort — arbeiten, oder, unterstützt von europäischen Capitalien, dort Handel und Gewerbe treiben und fördern. (Die gehen doch besser nach Amerika; .sie sind nicht das Ferment der Entsittlichung, was denn doch die Mornwnen uns