Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 9 (26.2.1873)
- Date
- 1873-02-26
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67 וי- ן sionsschulen und für Trennung der Kirche vom Allgemeinen; wir können also nicht verlangen, daß man unsere Cantoren und Lehrer anstelle, unsere Friedhöfe einrichte und unsere Todtengräber bezahle. Dieses sind Einrichtungen, die kilnftig nur noch Sache der betreffenden Religionsgesellschaften sein werden. Die Herren Vorsteher Rothschild aus Echzell, Lilienstern aus Ortenberg und Goldstein aus Langsdorf sprachen sich gegen diese Ansicht aus: Man mag die Toleranz eben noch so sehr im Munde führen und von Trennung sprechen — man wird es uns nicht übel nehmen, wenn wir nach dieser Seite hin etwas mißtrauisch und vorsichtig geworden sind; gerade weil man von neuen Gesetzen spricht, ist es unsere Pflicht, uns darum zu kümmern. Hr. Simon kann sich allerdings durch diese Gründe nicht zu einer gegenth eiligen Ansicht bringen lassen; allein dahin kam man überein, uns auf der Landesversammlung vertreten zu lassen. Es werden hierzu die Herren Simon in Gedern, Liliensterr^ in Ortenberg und Heidingsfelder in Nidda gewählt. Die Gemeinde Hungen entschuldigt ihr Ausbleiben und Herr Vorstand Schiff in Nidda wird beauftragt, die Correspondenzen zu führen. Frankfurt a. M. Der 28״. Jahresbericht des israelitischen Kranken-Unterstützungs-Vereins in Frankfurt a. M. für das Jahr 1872," der soeben veröffentlicht wird, sagt in seinem Eingänge: ״Bei Veröffentlichung dieses 28. Jahresberichtes befindet sich die Unterzeichnete Verwaltung in der angenehmen Lage, den erfreulichen Aufschwung bestätigen zu können, welchen der so wohlthätig wirkende Verein im Laufe der letzteren Jahre genommen hat. Bei dieser Gelegenheit sagen wir allen den edlen Gönnern, welche auch im verstoffenen Jahre uns so vielfache Geschenke zugewendet haben, unfern herzlichsten Dank, indem wir vertrauensvoll die Hoffnung hegen, daß hochherzige Menschenfreunde dieses Streben auch ferner durch beträchtliche Gaben unterstützen möchten." Die Einnahmen betrugen fl. 3857. 51. kr.; die faktischen Ausgaben etwa fl. 1300. Für den übrigen Betrag wurden Obligationen gekauft. Das Vermögen beträgt fl. 12,470. 30 kr. Vorsitzender des Vereins ist Herr Reallehrer Adolf Teblee (jetzt auch Vorsitzender der Achawa). Kattowitz O/Z., 7. Februar 1873. Sehr geehrter Herr Redacteur! Mit diesem meinem verbindlichsten Danke für Ihre geschätzte Zuschrift und für gütige Erfüllung meines Wunsches möchte ich Ihnen weder lästig, noch irgendwie aufdringlich erscheinen, und doch drängt es mich, Ihnen die Beruhigung zu geben, daß, so viel sich im Allgemeinen die jüdische Laienweltz von: Laien beurtheilen läßt, der so oft beklagte Jndifferentismus in Wirklichkeit nicht — wenn aber auch — so doch in sehr vielen Fällen nur scheinbar vorhanden ist und dann meist nur aus guter Absicht, um nämlich nicht durch übereilte Durchführung von Reformen die Harmonie in der Gemeinde zu stören, insbesondere so lange für diese Reformen selbst keine Einigung erzielt ist. Die gute Presse trägt dagegen, möchte ich sagen, aber wohl die Schuld, insofern sie nicht selten sich auf zu spärliches Annonciren beschränkt, darum nicht bekannt genug wird und schließlich mit Unrecht über Jndifferentismus klagt. Gestatten Sie mir folgenden Beweis dafür: 1) Lehmann's ״Höre Israel" ist in der hiesigen, über 200 Mitglieder starken Gemeinde kaum mehr, als in meinem Exemplar vorhanden und ziemlich ungekannt, aber-den Extract daraus zur Reform des Gottesdienstes u. s. w. haben 2/3 derselben mit Vergnügen unterschrieben und diese freuen sich dessen, was im — so zu sagen — friedlichsten Kampfe erreicht worden. 2) Nur einem zufälligen Hinblicken auf eine kurze, klein gedruckte Empfehlung Ihres Blattes verdanke ich dasselbe; es ist in den vielen fast gleich großen Nachbargemeinden gar nicht oder viel zu wenig bekannt geworden, wogegen es jetzt hierorts bereits mehrere Abonnenten hat. Probeexemplare sind wohl gewiß nicht versandt worden? Ich meine also, daß, mögen nur erst die deutschen Gebete und Lieder festgestellt und die hebräischen Bibelstellen ausgewählt und dieses Gebetbuch nur erst gedruckt und verbreitet worden sein — über Jndifferentismus dann nicht zu klagen sein wird, wenn es sich nur um diese Einführung handeln sollte, daß ein Experimentiren aber gegenwärtig zum Wenigsten nicht erwünscht wäre, wo der Gemeindebund-Ausschuß sich hoffentlich mit Erfolg mit der Sache beschäftigt, worüber Ihr Blatt zu berichten sich gewiß beeilen wird. Es soll mich freuen, wenn Sie diesen Trost, so wie er gemeint ist, dahin auffassen, daß ich wünsche, Sie möchten fortgesetzt dem Fortschritt des Judenthums mit Vertrauen und Zuversicht Ihr Interesse widmen. Ihre freundlichen Grüße herzlichst erwidernd mit vorzüglichster Hochachtung Julius Ring. Eperieg, im Januar. Leider sind auch einige Gegenden des nördlichen Ungarns von der Cholera heimgesucht worden. Der Rabbiner Hirsch, — nicht in Frankfurt, sondern in Lißko, einem Dorfe im Zempliner Komitate, — hat sich veranlaßt gefühlt, die Mittel gegen die Cholera auch aus seiner Apotheke zu vermehren. Das von ihm verfaßte, von seinem Sofer auf Pergament geschriebene Anmlet erfreut sich in Ungarn eines starken Absatzes. Für einen Elcmentarlehrcr in hiesiger Gegend hätte aber dasselbe leicht verhängnißvoll werden können. Die zweite Zeile des ftaglichen Amulets lautet nämlich: בזה הדלת לא יברא 22לת.