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Jüdische Volkszeitung · 1873-02-19 · 8 (19.2.1873) · p. Seite 58

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
8 (19.2.1873)
Date
1873-02-19
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 gehen. Fürst hatte in seinem 13. Lebensjahre auf eine fast wunderbare Weise Gelegenheit gefunden, sich dem deutschen und classischen Wissen zu nahen und schon im 15. Jahre wurde er ins Gymnasium ״Zum grauen Kloster" in Berlin ausgenommen, wo er mit noch anderen strebenden jüdischen Jünglingen zusammen traf. 1825 bezog er die Berliner Universität. Es war damals gerade jene Zeit, in welcher der Berliner jüdische Culturverein seine Thätigkeit entfaltete. Fürst widmete sich den philosophischen und linguistischen Studien, ging im Jahr 1829 nach Posen, um rabbinische Studien zu pflegen und von da an die Universität Breslau. Nach vollendeten Studien ließ er sich in Leipzig nieder und erhielt hier 1839 eine Lectorstelle an der Universität. 1864 wurde er gelegentlich seines fünfundzwanzigjährigen Jubiläums zum Professor ernannt und vielfach ausgezeichnet. ׳ Von seinen für das Judenthum bedeutungsvollen Thaten und wissenschaftlichen Erzeugnissen erwähnen wir vor allen die Zeitschrift ״Der Orient" (1840—51), das ״Hebräische und chaldäische Handwörterbuch", dem das erst neuerdings in zweiter 2luslage erschienene ״Schulwörterbuch" folgte, die ״Geschichte des Karäerthums" und insbesondere sein neuestes, leioer unvollendetes Werk ״ ספרי קודש Jllustrirte Prachtbibel", von welcher jetzt das 52. Heft vorliegt, das bis zu Daniel reicht; viele andere Schriften ähnlicher Art mögen hier unerwähnt bleiben. Wir können hier nur einen kurzen Abriß eines reichen Lebens bringen. Uns gereicht es heute inmitten des Schmerzes * um den herben Verlust zu wahrer Erhebung, daß es uns selbst vergönnt war, dem edlen Verblichenen in seinen letzten Jahren näher zu treten, vielerlei Anregung und Beweise von theilnehmender Würdigung von ihm zu erhalten. Hatte ja das von uns redigirte Synodalblatt in Nr. 11 einen sehr schönen Artikel von ihm, der eine Fortsetzung versprach, die leider nicht erfolgte, und der sein urkräftiges, freies und entschiedenes Denken und Wollen bezeugt. Und auch dieser Zeitschrift hatte er seine Mitwirkung zugesagt, obwohl er bei ihrem Jnslebentreten leider schon zu sehr krank war, um noch eine praktische Thätigkeit entfalten zu können. Unvergeßlich aber bleiben uns die Stunden, die wir mit ihm zusammen im Kreise gleichgestimmter Freunde verlebt haben. Ziehe hin in Frieden; Dein Name sei in Ehren! Dein Andenken bleibe zum Segen! — Ueber das Leichenbegängniß selbst erhalten wir folgende Correspondenz: Leipzig, den 12. Februar. Wiederum ist eine mächtige Säule der jüdischen Wissenschaft umgestürzt, ein Mann dem Erdenleben entrückt, der zu ihren hervorragendsten Vertretern, zu ihren bahnbrechenden Schöpfern und Förderern zählte: Prof. Dr. Julius Fürst, der berühmte Gelehrte, Autor so vieler epochemachender Werke auf dem Gebiete der semitischen Philologie und Geschichte und seit 1839 Docent an der hiesigen Universität, erlag am 9. d. Morgens 3 Uhr seinen mehrmonatlichen schweren körperlichen Leiden. Rief die Trauerkunde in den academischen und literarischen Kreisen, zu deren Zierden der Heimgegangene gehörte, sowie in allen anderen Gesellschaftsclassen eine lebhafte Theilnahme hervor, die sich besonders in dem großartigen Leichenbegängnisse bekundete, so war unsere Gemeinde um so schmerzlicher von dem schweren Verluste betroffen. Ein Tags darauf in den hiesigen Zeitungen erschienener Nachruf des israelitischen Cultus-Vorstandes gab sofort den Gefühlen der Gemeinde einen beredten, tiefbewegten Ausdruck, während die Redactionen selbst unter ihren Localnachrichten dem Andenken des Verstorbenen warm empfundene, ehrenvolle Nekrologe widmeten. In richtiger Erkenntniß der besonderen Umstände und ihrer Erfordernisse hatte der hiesige Vorstand, bekannt durch sein auf der Höhe der Zeit stehendes Streben und Schaffen, für die Trauerfeierlichkeiten Veranstaltungen getroffen, die eben so sehr durch ihre einfache Würde, wie durch die in ihnen zum Ausdruck gebrachte Tiefinnerlichkeit von überwältigender Wirkung auf alle Theilnehmer waren. Im Trauerhause richtete der Gemeinderabbiner Herr Dr. Goldschmidt an der von Universitütsprosessoren und den studentischen Deputationen umgebenen Bahre ergcifende Worte des Trostes an die trauernden Hinterbliebenen und des Abschiedes ״von der geweihten geistigen Werkstätte" an den Verklärten. Sodann sprach der Vorsitzende des Gemeinde- Vorstandes, Herr Moritz Kohner, im Namen des Vorstandes und der Gemeinde über die Beziehungen derselben zu dein theuren Tobten in einer von der Macht des Augenblicks eingebenen und getragenen Rede. Mit der dem Redner eigenen Gemüthsinnigkeit und Gedankenschärfe hob derselbe hervor, wie die Gemeinde, welcher Prof. Fürst weder durch die Geburt noch durch freie Wahl angehörte, sich durch dessen hohe wissenschaftliche Bedeutung geehrt und angetrieben gefühlt habe, ihn sich nahe zu bringen. Als Ausdruck ihrer dankbaren Verehrung habe sie ihn! die höchsten Ehren, die eine Gemeinde überhaupt zu vergeben habe, die der Ehrenmitgliedschast und eines Ehrensitzes in der Synagoge verliehen. Dies sei nicht geschehen, weil der Vorstand geglaubt habe, dadurch Professor Fürst zu ehren, sondern um die Gemeinde, der er bis dahin noch fern gestanden, durch seine Mitgliedschaft zu ehren: um ferner jungen strebsamen Talenten, die sich dem heiligen Dienste des Judenthums, seiner Lehre und Wissenschaft widmeten, eine Aufmunterung zu ausdauerndem Fleiße und zu rüstigen! Schaffen zu geben. Prof. Fürst habe sich alle Juden Sachsens zu tiefem Danke verpflichtet; denn wie er der erste Jude gewesen, dem an der sächsischen Hochschule die akademische

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