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Jüdische Volkszeitung · 1873-02-05 · 6 (5.2.1873) · p. Seite 46

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
6 (5.2.1873)
Date
1873-02-05
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 Arad (Ungarn), im Januar. Die Direction des ungarischen Nationalmuseums in Pesth hat beschlossen, die Büsten Aron Chorin's in die Reihe der berühmten Männer! Ungarns aufzunehmen. Da das Museum große Ausgaben und! über keinen Ueberfluß materieller Mittel verfügt, so hat die! hiesige Gemeinde beschlossen, die Kosten zu bestreiten. Der j in Rom lebende Bildhauer Aradi, ein Enkel Chorin's wird! die Marmorbüste seines Großvaters noch im Laufe dieses Jahres vollenden. Einige moderne Orthodoxe in Pesth wollten auch die Aufstellung R. Moses Sofers im Museum beantra-! gen. Die Altorthodoxen stellten jedoch die Bedingung, daß die! Büste Sofers keine Nase haben dürfe. So wurde der Plan i im Keime vereitelt. Kundfchau. 21. (Die Geistlichen im Elsaß.) Es ist in Frank-! reich ausgefallen, daß unter den christlichen Geistlichen die! Option für Frankreich fast —0 war; Alle scheinen bereits' mit dem neuen Zustande der Dinge ausgesöhnt. Nach der! Revue israelite läge der Grund darin, daß das Gehalt dieser! Herren bedeutend erhöht worden sei (beim Bischof von Straß-! bürg z. B. 6000 Fr.); nur drei protestantische Pfarrer und. die zwei Rabbinen von Metz und Colmar seien ihrem bis-! hörigen Vaterlande treu geblieben. Die beiden letzteren hätten, trotz Gehaltserhöhung, ihre reichen und von Juden zahlreich ’ bewohnten, daher sehr einträglichen Sitze mit Lille und Vesoul ׳ vertauscht, wo kaum 20 jüdische Familien wohnen und wo die Regierung noch außerdem Consistorien mit Oberrabbinern an der Spitze gebildet habe. 22. In Marseille wohnen unter 312000 Seelen 2672, - in Perpignan unter 27400 Einw. 73 Juden, in Wilna gibt! es 47373 Juden und 33627 Christen. ’ 23. Das Haus David Sassan u. Cie. in Bombay, welches kürzlich 50000 Fr. für die jüdische Schule in Bagdad gegeben, schenkte zur Errichtung einer jüdischen Hochschule in Bombay den Beitrag von 350000 Fr. 24. (Jüdische Zustände in New-'Iork). In New-! Jork befinden sich, nach dem ״Israelite", nicht weniger als! 30 wohl eingerichtete jüdische Gemeinwesen, eine Zahl, die sich! für die Feiertage, vorübergehend nahezu verdoppele; die meisten! derselben unterhalten zahlreich besuchte Schulen, in denen drei-! mal wöchentlich jüdische Religion, Geschichte und Sprache ge-! lehrt wird; zahlreich und im besten Zustande sind die Wohl-! thätigkeitsanstalten aller Art, Spitäler, Waisenhäuser k. rc.' und manche Gemeinde besitzt ein Gotteshaus, so kostbar und! prächtig als in irgend einem Theile der Welt; in den be-! deutendsten derselben, 2 oder 3 ausgenommen, hat die Reform Eingang gefunden. Fünf jüdische Zeitschriften, drei Wochen-! und zwei Monatsblätter erscheinen hier und ihr Leserkreis ist fast nur auf die Stadt beschränkt. 25. (Justiz in New-Aork.) Zeigt uns die vorhergehende Skizze ein erfreuliches Bild, so führen uns die ״Jewish Times" aus derselben Stadt ein erschreckendes vor über den Zustand der Justiz in Criminal-Sachen. Seit dem 1. Jan. 1870, sagen sie, wurden in New-Aork 149 Mordthaten begangen. In 6 übten die Thäter durch unmittelbaren Selbstmord Gerechtigkeit gegen sich selbst; in 10 wurden die Mörder bereits durch den Spruch des Coroner, d. h. Leichenbeschauers, entlastet, da der Beweis zu schwach gegen sie war, um sie vor Gericht zu stellen; in 12 Fällen wurden die Thäter nie entdeckt, in 2 wurden sie, obgleich bekannt, nie verhaftet. Einer starb an seinen Wunden im Gesängniß; also wurden 118 vor Gericht gestellt. Davon kamen 2 in's Irren-, 1 in's Rettungshaus, 17 wurden freigesprochen, 2 dürfen eine neue Prozeßverhandlung beginnen, 2 wurden hingerichtet; 4 zum Hängen verurtheilt, erwarten den Spruch des Apellgerichtes; 1 wurde zu 15 Jahren, 2 zu unter 7 Jahren Gesängniß verurtheilt; in 16 Fällen fand gar keine Anklage, in 11 andern zwar eine Anklage, aber kein Gerichtsverfahren statt, 3 wurden gegen Caution steigelassen, 16 erschienen in der Liste des Coroners als Mörder dem Gerichte überwiesen, aber dann verschwindet die Sache spurlos und keine Gerichtsacte thut ihrer irgendwie Erwähnung — (und der Rest der 118?) kurz, von 149 Mördern erlitten 3 eine Capitalstrafe, alle übrigen sind, früher oder später, wieder auf die menschliche Gesellschaft losgelassen. Veraltete Formen des englischen Gerichtsverfahrens und Gewissenlosigkeit Seitens der Advocaten, nicht selten auch der Richter und selbst der Geschwornen — dieß wird als Ursache einer so schandbaren Handhabung der Justiz angegeben. Unsicherheit des Lebens nimmt aber auch in New-Aork von Jahr zu Jahr zu, es scheint der Zustand der Justiz im Allgemeinen (die Richter werden nur auf 1, 4 oder 6 Jahre angestellt und dann eine neue Wahl vorgenommen) eine der größten Schattenseiten der großen Republik zu sein. Feuikketon. Die ^ocllter tlesi ^ommerrieiinltliesi. Novelle aus der Gegenwart von I. (Fortsetzung.) Ahnte die Commerzienräthin, daß der Stern ihres Hauses zu erbleichen drohte? Es gibt Menschen, deren ganze Lebenskraft mit einem wahren oder eingebildeten Lebenszwecke oder einer Leidenschaft verknüpft ist und daraus ihre geistige Nahrung ziehen. Brechen diese Stützen, so bricht das Leben mit. Ungemessener, eitler Hochmuth war Alles, was das Herz der Commerzienräthin erfüllte. Selbst ihre früheren Verirrungen

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