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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-22 · 4 (22.1.1873) · p. Seite 29

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
4 (22.1.1873)
Date
1873-01-22
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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29 lassen wird. Auf das Gesuch des schweizerischen Bundesrathes wurde vom österr. Ministerium die Erhebung des statistischen Materials z. Z. angeordnet, jedoch nachträglich bestimmt, daß dasselbe uns nicht im Original ausgehändigt und Zugestellt, sondern, weil die daraus zu gewinnenden Resultate auch 'für die dortige Verwaltung vielfach von höchstem Interesse sein dürften, von dem österr. statistischen Bureau in Wien ausgearbeitet werden solle. In freundlichster Weise hat der Director genannten Bureaus sich von vornherein bereit erklärt, diese für Oesterreich unternommene Arbeit der Art anzulegen, daß sie, wenn auch selbständig erscheinend, sich doch später der Gesammtstatistik leicht an- und einreihen läßt. Der N. fr. Pr. wird über dieses Werk berichtet: ״Eine Fülle interessanter Daten geht daraus hervor, die bisher nur in allgemeinen Umrissen bekannt waren. Hervorheben wollen wir blos die relativ große Zahl der Israeliten in Galizien, wo ein Jude auf neun Bewohner kommt, in der Bukowina kommt einer auf elf Bewohner. Ferner geht aus der Statistik hervo die große Fruchtbarkeit (10,5 Kinder^ auf eine Ehe) und auch ein ethisches Moment, der hohe Gemeinsinn und die werkthätige Nächstenliebe der Israeliten/' Als Gesammtergebniß kann ich Ihnen noch mittheilen: Cultus-Gemeinden 550; Cultus-Vereine 60; Mitglieder 590,930; Rabbiner Prediger 235; Lehrer 513; Gehalt 405,572; Eigene Synagogen 960; gemiethete Synagogen 104; Elementarschulen 180; Religionsschulen 216; eigene Schulhäuser 255; gemiethete Schulhäuser 69; Schulkinder 25,908; Begräbnißplätze 497. Hoffen wir, daß dieser österr. Statistik andere bald Nachfolgen können. Das statistische Material der Schweiz ist bereits vollständig eingegangen, ebenso das von den meisten deutschen Staaten. Nur Pxeußen, Bayern, Baden, das Königreich Sachsen, Mecklenburg-Schwerin und Hamburg fehlen noch. Doch hierüber ein ander Mal. Dr. E. Kmulfdiau. 6. (Israelitischer Gottesdienst in der protestantischen Kirche.) In La Chaux-de-Fonds — schweizerische Stadt, berühmt durch ihre Uhrenfabrikation, woran die Israeliten einen bedeutenden Antheil haben — sollte der neu erworbene israelitische Gottesacker eingeweiht werden. Wegen des schlechten Wetters erbaten und erhielten die Israeliten die Erlaubniß, zu dieser Feier die protestantische Kirche benutzen zu dürfen. Der (übrigens streng orthodoxe) Geistliche machte selhst die Honneurs, lud den Rabbiner ein, seine Kanzel zu besteigen und gab auf des Letzteren Predigt eine kurze Erwie- * Wir halten dies für einen Jrrthum. (Red.) derung, worin er die Berührungspunkte zwischen Israeliten und Protestanten hervorhob und betonte, ״daß der Gott der Israeliten auch der ״unsrige" sei". — Nur aus Amerika (Cincinatti) konnten wir vor einiger Zeit Aehnliches berichten. 7. (Sitten in Africa.) Eine ächt barbarische That meldet man aus Marocco der Alliance israelite: Es hatte, wie gar häufig der Fall, eine Revolte gegen den Sultan stattgefunden. Unweit Tanger besiegten die Regierungstruppen die Aufrührer, deren Führer, 40 an der Zahl, hingerichtet wurden. Nun kam der siegende Pascha auf die Idee, die 40 Köpfe der Aufwiegler .... einsalzen zu lassen, um sie als Geschenk dem Sultan Zu übersenden. Zu dieser abscheulichen Operation zwang er, unter Todesdrohungen, die Juden-Metzger und noch dazu an einem Sabbath!— Welch' ein Land und welche Sitten! Nur der italienische Consul, so sagt man, war menschenfreundlich und thatkräftig genug, um gegen diese Barbarei Protest einzulegen. — Jetzt, da nach 400jähriger Verbannung, Spanien sich wieder den Juden öffnet, (König Amadeo hat am 14. August 1871 den ersten Juden Jos. Eldery naturalisirt,) sollten unsere Glaubensgenossen aus Asrika wieder dahin wandern, von woher sie gekommen. — 8. (Ackerbauschule zu Jaffa.) Während der Abwesenheit Karl Netter's von der Ackerbauschule zu Jaffa, (die sich übrigens in fortwährendem Aufblühen befindet) sind dort Grenzstreitigkeiten mit den Nachbarn ausgebrochen. — Die bevorstehende Rückkehr des klugen und wackern Mannes zu seiner Schöpfung wird dieselben gewiß heben und ihnen in Zukunft Vorbeugen. 9. (Spanische Judenchristen.) Hapworth Dixon, ein englischer Gelehrter, der die Geschichte Katharinens von Aragonien schreibt — bekanntlich Gemahlin Heinrich's VIII. von England, Wittwe seines -Bruders Arthur, von der jener sich scheiden ließ, um Anna Boleyn, die Mutter Elisabeth's, zu heirathen — kam unlängst nach Alcala de Henares in Spanien, um über Katharina, die da geboren sein soll, Forschungen anzustellen. Im dortigen, dem Erzbischöfe von Toledo gehörigen, seit langen Jahren unbewohnten Palaste fand er in einem sehr geräumigen von unten bis oben mit Aktenfächern ausgefüllten Zimmer eine Masse von Protokollen, betreffend die Processe der spanischen Inquisition gegen die Marannen oder Onstm d. h. heimliche Juden, die, um der Vertreibung zu entgehen, äußerlich sich zum Christenthum bekannten. Die vorliegenden Akten waren selbst Llorente, dem berühmten Geschichtsschreiber der Inquisition, unbekannt geblieben und wir dürfen von ihrer Erforschung neue Aufschlüsse über interessante Zeiten und Personen erwarten. 10. (Gottesleugner.) Bei Ausstellung der Geschworenen - Liste für den VI. Bezirk von Paris, bestand der Friedensrichter des Bezirks auf die Streichung Robin's, weil

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