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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-22 · 4 (22.1.1873) · p. Seite 27

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
4 (22.1.1873)
Date
1873-01-22
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 Corresponäenz.! Kerkin. Am 5. b. Msind die neugewählten Vorstands-! Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Stadtrath Magnus, Moritz: Jacoby, 'Moritz Wolff, Benny Burchardt, Benno Latz und Leopold Jsaac in öffentlicher Sitzung durch den Vorsteher der ' Repräsentanten - Versammlung Rechtsanwalt Makower feierlich > eingeführt worden. —; Kielefekä, 9. Jan. Herr Regierungspräsident Delius ן aus Münster, der im Aufträge des Cultusministers die Pro-! vinz Wesffalen zu dem Zwecke bereist, um die Confessionslosigkeit der Gymnasien möglichst überall herbeizuführen, hat auch unsere Stadt besucht und zu obigem Zwecke eine combinirte Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten veranlaßt. Von diesen wurde die Frage, ob in Zukunft das j Gymnasium, das bisher als ein ״lutherisches" galt, ein con־־| fessionsloses sein soll, mit Einstimmigkeit bejaht. Die weitere Frage hingegen, ob man dem Staate das Recht der Besetzung der Director- und ersten Oberlehrerstelle übertragen wolle (wogegen die Regierung die Hälfte des Deficits Zu tragen bereit sei), einstweilen verneint. Da über die Bedeutung und die Tragweite des Ausdrucks ״confessionslos" sich Zweifel erhoben, und der Herr Regierungspräsident eine Destnition dahin abgab, daß unter jenem Ausdrucke nur die Confessionen innerhalb des Christenthums verstanden würden, so stellte ein Stadtverordneter den Antrag, daß auch die Zulässigkeit vonJuden in den Lehrkörper, wie in das Curatorium der Anstalt ausdrücklich ausgesprochen werde. Auch dieser Antrag wurde gelrehmrgt. Wir halten die Mittheilung dieser Angelegenheit und ihres Verlaufs um so mehr für opportun, als, wie wir wissen, viele unserer Glaubensgenossen der irrigen Ansicht sind, daß die Bezeichnung ״confessionslos" die Zulassung der Juden von selbst in sich schließe (und darum auch die Wiederholung als Correspondenz, obwohl wir die Mittheilung in anderer Form nach der Wests. Zeitung schon brachten.) (Red.) Aus Siiddoutfdilarul, 6. Januar. Ihren Aufruf, die Gründung eines jüdischreligiösen Reformvereins betreffend, wird gewiß jeder Freund des Judenthums mit warmer Freude begrüßen. Wenn auch im Augenblicke Ihr Wort noch nicht den rechten erwünschten Erfolg haben sollte, so weiß ich doch, daß Sie nicht der Mann sind, welcher einen einmal ausgesprochenen Gedanken wieder aufgiebt und verzagt; und so werden Sie sicher Ihre Idee ins Leben führen. Allein, Sie gestatten mir, an diesen Gedanken anschließend, eine ernste Frage: Wo ist die Synode? Ich war bisher nicht Mitglied derselben, weil leider zufällig beide Male ernste Abhaltungen mir es unmöglich machten. Ich kann auch nichr sagen, daß mich ihre Beschlüsse im Allgemeinen begeistert haben. Ich will jetzt nicht kritisiren, — schon darum, weil ich nich wünsche, der demnächstigen Synode Hindernisse in den Weg zu legen. Aber immerhin ist der Gedanke der Synode an und für sich ein ״eminent fortschrittlicher" wie Sie s. Z. mit Recht im Synodalblatt sagten; er ist ein -leben- und fruchtbringender, und sollte unter jeder Bedingung die Fahne sein, um welche sich die Reformfreunde im Judenthum schaaren. Wer hat also das Recht, diese Idee oder Institution todt zu schweigen? Und doch scheint dies, als würde dies in einer oder der anderen Weise beabsichtigt. Das darf nicht zugegeben werden, um der Ehre des Judenthums und der Männer Willen, die die Reform vertreten. Wohl hat der Präsident, Herr Professor Dr. Lazarus sich fast die Hände gebunden, indem er in der vorigen Synode alle Arbeiten in der Zwischenzeit — von der 2. zur 3. Synode von sich abwies. Er mochte dazu seine guten Gründe haben. Gewiß ist, daß er es vielleicht jetzt schon bereuen mag, so gehandelt zu haben. Denn Lazarus ist der Mann nicht, der eine so wichtige Institution hätte sinken lassen, bevor Alles geschehen gewesen wäre, was sie hätte erhalten und heben können. Aber die anderen, die die Sache jetzt in Händen haben, sind lässig geworden. Noch sind nicht einmal die Verhandlungen der vorigen Synode durch den Druck veröffentlicht und wir haben nur den einen authentischen, warm geschriebenen Bericht, den Sie s. Z. im ״Synodalblatt" lieferten. Noch sind die Referate nicht in Angriff genommen, und die Obmänner der verschiedenen Commissionen schweigen. Noch ist weder die Zeit noch der Ort der nächsten Synode bestimmt. Ich hoffe durch diese Zeilen eine Anregung zu geben daß endlich einmal etwas geschehe. Seien Sie versichert, daß ich nicht Nachlasse. Ich hoffe, daß die nächste Synode sich ganz und voll auf den Boden der Reform stelle und endlich einmal productiv werde, etwas Lebenbringendes erzeuge. Eines möchte ich wohl noch bemerken: Die Platzftage, die bei den beiden ersten Synoden bedeutungsvoll war und so viel Anstände verursachte, erachte ich jetzt für rein nebensächlich. Es wird wohl in Frankfurt a. M. oder in den Städten in dessen Umkreis einen Saal geben, wo eine größere Anzahl von Männern sich versammeln kann, um das zu besprechen, was sie für ihre Aufgabe erachten. Alle diese Gemeinden — Mainz, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach, Mannheim, Gießen, Worms, Carlsruhe u. A. m. sind eigentlich Reformgemeinden; mehr bedarf es nicht. Es wird in einer solchen Gemeinde wohl Männer geben, die das Nöthige veranlassen. Es bedarf keiner Einladung, keiner Feste, keiner besonderen Vorbereitungen. Die Würde der Versammlung ist

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