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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-15 · 3 (15.1.1873) · p. Seite 22

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
3 (15.1.1873)
Date
1873-01-15
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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22 unvermittelt neben einander zu stellen. Noch von einer andern, sehr hochachtbaren und einflußreichen Stelle aus ist uns in diesem Betreffe eine Mittheilung angezeigt, wir werden auch diese bringen. Wir zweifeln nicht, daß dieses gegenseitige Aussprcchcn den besten Erfolg haben wird und unterlassen cs daher vorläufig, in die Debatte einzugreifen, da wir bei der Begeisterung aller unserer Correspondenten für die Sache der Einigung in der einen oder andern Weise zweifellos ein günstiges Resultat und schließlich ein einiges Zusammengehen erwarten dürfen. Keinenfalls halten wir uns für berechtigt, eine Correspondenz vielleicht um deswillen zurückzuwcisen, weil sie unserer Anschauung und unseren Wünschen entgegensteht. Nur Eines noch: Wir sehen hier, daß die Männer unserer religiösen Richtung in allen äußeren Fragen ihre bestimmte Meinung haben und diese, ohne Parteilichkeit, zur Geltung bringen. Hat gerade in dieser Sache die Orthodoxie auch so gehandelt? fluwlfcfwit. 5. Mecklenburg-Schwerin, 29. Dcc. Ueber die Gemcindeverhältnisse der Juden haben Landtag und Negierung dahin entschieden, daß Juden an Orten, die keine Judengemeinden haben, sich der nächstgelegenen mit deren Lasten anzuschließen haben; ein Eingriff in die Freiheit, welcher stark ist, da er mit der politischen Gemeinde gar nichts zu thun hat und ebensowenig mit der communalen. Die Civilstandsregister soll dieser fremde Gemeindevorstand führen, eine Thatsache, welche sehr geeignet ist, Unsicherheit in bürgerlichen Verhältnissen hervorzubringen, nur um die kirchliche Führung der Civilstandsregister zu behaupten. Es liegt diese letztere gar sthr im Argen. Es'ist dabei eine neue, bisher geheim gehaltene Verordnung über „Sectircr" bekannt geworden. Die Negierung hat einzelnen Ortsobrigkeitcn ohne Weiteres das Commifforiunr ertheilt, deren Civilitandsregister zu führen, und die Städte Waren und Boitzenburg sind als solche genannt, die es angenommen haben. (Wes.-Ztg.) «feuikketon. Novelle aus der Gegenwart von I. (Fortsetzung.) „Dein, ach, wie soll ich sagen, Dein gemeiner Sinn, mit welchem Du Alles, was vornehm ist, hassest, verleitet Dich zu solcher Schwarzseherei, die kein: Begründung hat und zum Hasse gegen unseren adeligen Schwiegersohn, der uns bald zu hohen Ehren verhelfen wird. Ich ... . doch, nein, zahle nur, sonst habe ich mit Dir über diesen Gegenstand Nichts zu sprechen!" „Du willst also keinen Verstand annehmen? Du ... . nun, ja, Du sollst eine Geschichte hören. Dann . . ." „Nim, was ist das wieder für eine fürchterliche Geschichte? Ein Hirngespinnst? Du bist ja ganz blaß, ganz aufgeregt; Du zitterst; ... so erzähle Deine Geschichte, ich höre! . . ." Sie setzte sich bequem auf einen Fauteuil. Wer sie so gesehen hätte! Ihre Wangen waren geröthet, ihr Mund spöttisch verzogen. Spitzen deckten die Lehnen; die Schleppe breitete sich über einen großen Raum hin aus; sie sah jetzt wirklich „sehr vornehin" aus .... Der Commerzienrath aber zitterte, sein Auge funkelte und seine Stirne war bald blaß, bald roth. So hatte sie ihn noch nie gesehen. Mit einein Drucke der Hand hob er sie nochmals von ihrem Fauteuil. „Bevor Du Dich setzest, schaue dorthin, durch die Glasthüre, ins Comptoir; erkennst Du den jungen Mann, der ganz oben sitzt?" „Nun ja, das ist Semmi, Dein Liebling; von dem spricht Deine Geschichte? wie drollig!" Und sie lachte höhnisch. Er drückte sie wieder auf ihr Fauteuil zurück. „Höre . . . ." Der Commerzienrath erzählte: „In einem bescheidenen Häuschen in der Judenstadt lebte vor nun bald 30' Jahren eine ziemlich wohlhabende, aber fromme und bescheidene jüdische Familie. Sie bestand aus Vater und Mutter, Sohn und Tochter. Beide Kinder waren der Stolz' und die Freude der zärtlichen Eltern und sie wurden mit einer gränzenlosen Hingebung erzogen und zu allem Guten herangebildet. Dem Sohne wurden, was damals in jüdischen Häusern noch selten war, die vorzüglichsten Lehrer gehalten, so daß er sich bald einer ihn von seinen Genossen auszeichnenden Bildung erfreute. Die Tochter war ein liebes, heiteres Kind, schlank gewachsen und von bezaubernder Gesichtsbildung. Im Hause lebte nur noch ein junger Verwandter, Gehülfe, Factotum im Geschäfte, Stütze des Vaters und Liebling der Kinder, insbesondere der Schwester, — der edle, herzige Baruch . . . Ganz hart an der Seite des bescheidenen Häuschens der glücklichen Familie war das hohe „steinerne" Haus, in welchem ein reicher Geizhals seinen Sitz hatte und ganz allein mit

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