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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-15 · 3 (15.1.1873) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
3 (15.1.1873)
Date
1873-01-15
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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seinen beiden Töchtern wohnte. Er war geizig auch in dem Nöthigsten und Besten. Er that selbst Nichts für die Erziehung seiner Töchter. Trotz dieser verschiedenen Lebensweise und der Abgeschlossenheit der Bewohner des steinernen Hauses herrschte zwischen den beiden Nachbarfamilien ein ziemlich' leidliches Verhältnis Besonders kamen die Kinder der beiden Häuser öfters zusammen. Und als der junge Mann des einen Hauses einundzwanzig, die älteste Tochter im steinernen Hause sechszehn Jahre alt war, wurden sie verlobt. Denn, trotz seines Geizes für sich und die Seinigcn, fühlte er doch, daß die Kenntnisse, die sich der junge Mann erworben hatte, eine nicht zu unterschätzende Quelle des Rnchthums werden könnten. So wurden wir Mann und Weib. Denn Du fühlst wohl, daß ich von uns selbst rede. Ich darf es wohl gestehen, ich fühlte mich dabei nicht gerade unglücklich; auch Du nicht; wir waren aneinander gewöhnt, wir kannten uns von frühester Jugend; wir liebten uns nicht in dem Sinne, wie dies in Romanen zuweilen vorkommt; aber wir waren uns doch gut; Du warst einfach und bescheiden. Ja, wir waren glücklich, mitunter sehr glücklich, drei bis vier Jahre lang — denn auch das Geschäft war uns hold. — Reichthümer strömten in ungeahnter Menge in unser Haus, das bald für unseren Hausstand zu klein wurde. Die „armen" Großen des Landes suchten mich, den „reichen" Juden auf. Da — streckte auch ein bisher in Deinem Herzen verborgener Teufel seine Fühlhörner immer weiter und weiter aus, bethörte. Dich, untergrub nach und nach alle Deine Tugenden, jedes edelmenschliche Gefühl in Deinem Herzen. Der Hochmuth erfaßte Dich — ihm folgte die — — Wollust. Das Unglück nahte mit Riesenschritten. Meine Eltern starben kurz hintereinander und meine einzige Schwester Marianne kam zu uns ins Haus. In derselben Zeit ging ein junger Offizier — Major Hochberg — bei uns aus und ein. Meine Schwester war wohl'noch kaum fünfzehn Jahre alt, aber körperlich sehr entwickelt — eine für einen jungen Lüstling überaus verführerische Menschenblüthe. Ich mochte diesen Major nicht leiden. Er war mir, ich wußte nicht warum, vielleicht in dunkler Ahnung, in der Seele verhaßt. Aber Du — Du unterhieltest Dich, scheinbar in unschuldigster Weise, so gerne mit ihm. Und ich war zu schwach Dir gegenüber, selbst als meine arme Schwester mich fiehentlich und auf den Knien bat, sie von der Zudringlichkeit des verführerischen Lüstlings zu schützen. Ich sprach mit Dir, Du lächeltest höhnisch. Ich konnte dem Major unser Haus nicht verbieten; ach, ich hätte es thun sollen! Er verdeckte seine Absichten gegen meine Schwester uns Beiden gegenüber und Du — Du glaubtest wirklich, er besuche unser Haus um Deinetwillen. Schweig, ich habe seit einigen Tagen die sprechendsten Beweise. Der Major blieb im Hause; nach und nach änderte sich das Verhältniß — ich sah, wie meine Schwester die Minute herbeisehnte, in welcher ec zu kommen versprochen hatte; wie sie erröthete und erblaßte, wenn er cintrat; wie sie in seinem Umgang auflebte. Du hieltst sie immer noch für getäuscht — und der Major kam täglich in unser Haus." Der Commerzienrath machte eine Pause. Er blickte auf seine Gattin, die nicht aufzuschauen wagte, dann fuhr er in seiner anklagenden Erzählung fort: „Das dauerte fast ein Jahr. Der Major hatte unterdeß wohl eine große Summe auf unser Haus entnommen und wenn ich Dich, bedenklich geworden ob seiner außerordentlichen Verschwendung, fragte, so antwortetest Du: Bezahle! Ich hatte nicht gerade nur wegen unseres Vermögens Bedenken, denn gerade damals strömten uns immer größere Summen zu. Aber mit dem äußeren Glück und Glanz schwand mein inneres Glück, meine Zufriedenheit! Du warst durch und durch eine andere geworden! „Es war an eineur köstlichen Frühlingsabend. Ich wandelte zwischen meiner Schwester und Dir zum ersten Male in dem neugekauften Landhause. Eine Ahnung des alten Glückes stieg in mir auf; ich war so wehmüthig gestimmt. Ihr beide wäret offenbar mißgestimmt. Der Major hatte versprochen, auf diesen Abend uns zu besuchen. Die bestimmte Stunde war längst vorüber — und er war noch nicht da. Da kam die Zeitung — und da stand, was nur auffallender Weise nicht früher mitgetheilt worden war. Der Major war entflohen — wegen allzu großer Verluste im Spiele, die er, bei seiner ohnehin großen Schuldenlast, nicht hatte decken können. Man munkelte auch von falschen Wechseln, Unterschlagungen. Ich sah Euch beide erbleichen. Meine Schwester ward ohnmächtig... „Bis daher ist Dir Alles bekannt. Was jetzt kommt, mag Dir theilweise neu sein." (Fortsetzung folgt.) Kcricliti'giinft. In dem Artikel Chanukka und Weihnachten bitten wir folgende Fehler gefälligst zu berichtigen: Seite 9 Sp. 2 Z. 9 v. o. zuzugeben statt zugegeben. - 10 - 1 - 19 - - : pait . - - - - - 31 - - Fe>ltage statt Festage. - - - - 36 - - vor Allein hinter Armen. - - - 2-6- - erzählt hinter Thatsache. - -- - - 13 - - auch statt doch. - - - - - 21 - - Entbehrung statt Stoik. - 11 - 1-22 v. u. nachdem statt nach dem. - - - - - 9 - vollends statt vollendet. - - - - - 8 - an die Seite statt der Seite. - - - - - 2 - just statt jetzt. - - - - - 2 - und hinter künstlerischen. - - - 2 - 1 v. o.? statt : - - - - - 9 - mit start in. - - - - 21 - mehrere zu streichen. - - - - - 23 - hinter Prosa: eine - - - - 27 - gereichten statt gereichte.

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